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Himmel über Tasmanien

Himmel über Tasmanien

Titel: Himmel über Tasmanien Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: T McKinley
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brummte er und legte den Papierstapel wieder ins Regal. »Es mag zwar ziemlich chaotisch aussehen, aber ich weiß, wo alles ist, und ich hab Wert darauf gelegt, diese Liste in Reichweite zu haben.« Er wich ihrem Blick aus, während er einen weiteren fruchtlosen Versuch startete, die Papiere auf seinem Schreibtisch zu durchsuchen. Sie musste ihn für komplett unfähig halten.
    »Kann es sein, dass jemand sie woanders hingelegt hat?«
    Er wollte schon den Kopf schütteln, als ihm einfiel, dass er seine Mutter gesehen hatte, wie sie ins Büro ging, als er zum abendlichen Ausritt aufgebrochen war. »Mum hat wahrscheinlich wieder Ordnung geschaffen. Mir wäre lieber, sie würde es lassen.«
    Lulu grinste, als sie das Durcheinander betrachtete. »Wenn das Ordnung ist, dann möchte ich nicht wissen, wie es vorher ausgesehen hat«, spottete sie.
    Er spürte, wie ihm die Hitze in Hals und Gesicht schoss. »Da könnten Sie recht haben, es ist ein ziemlicher Schlamassel.« Die weitere Suche wurde ihm erspart, als die Essensglocke läutete. »Es gibt Abendessen«, murmelte er. »Danach komme ich wieder her und überprüfe alles noch einmal. Die Liste muss früher oder später auftauchen.«
    Das Gespräch bei Tisch drehte sich nur um Pferde und das bevorstehende Rennen in Hobart. Bob und die anderen Stallburschen hatten es eilig, zu ihrem Glücksspiel zurückzukehren, schaufelten daher rasch ihr Essen in sich hinein und polterten dann aus dem Haus. Lulu und Dolly hatten gleich nach der Mahlzeit ihr Zimmer aufgesucht, und Joe hörte hin und wieder Gelächter, das die Treppe herunterplätscherte.
    Er rührte Zucker in seinen Tee, angenehm gesättigt von gebratenem Huhn, Gemüse und der speziellen Zwiebelsoße seiner Mutter. Später würde er noch einmal ins Büro gehen, aber vorläufig war er zufrieden, in der warmen Küche zu sitzen und den neuesten Farmerkatalog durchzublättern, während Molly das Geschirr spülte. Ein paar nützlich aussehende Lastwagen sowie zwei Pferdeanhänger waren zu verkaufen, und er versuchte gerade, sich auszurechnen, was davon er sich leisten konnte, als Molly seine Überlegungen unterbrach.
    »Du musst einen der Jungen anweisen, mehr Brennholz zu schlagen.« Sie ließ sich auf den Stuhl neben ihm plumpsen und schenkte sich eine zweite Tasse Tee ein. »Dolly verbraucht mit ihren Bädern das ganze heiße Wasser, und bei so vielenFrauen im Haus wird der Boiler Überstunden machen müssen, wenn auch noch Eliza da ist.«
    »Bob soll sich morgen als Erstes darum kümmern«, erwiderte er und legte den Katalog beiseite. »Hat Eliza sich bei dir gemeldet?«
    »Ja, heute Nachmittag per Fernsprecher. Sie kommt alleine her, deshalb musst du morgen nicht den ganzen Weg nach Launceston fahren, um sie abzuholen. Sie hat offenbar eine Überraschung für dich, aber ich mag mir nicht ausmalen, was das sein könnte.« Molly lächelte und trank einen Schluck Tee. »Wie ich mit ihr und Dolly fertigwerde, steht noch in den Sternen.«
    Ihre lebhafte Miene fiel ihm auf. »Du wirst es schaffen, Mum, und ich glaube sogar, dass du dich darauf freust.«
    Sie stellte ihre Tasse ab und stützte ihr Kinn mit der Hand ab. »Das glaube ich wohl auch«, gab sie zu. »Es tut gut, wieder ein Haus voll junger Menschen zu haben.«
    »Du bereust es also nicht, sie hier zu haben?«
    Sie schüttelte den Kopf. »Sie sind angenehme Gesellschaft, und Lulu ist ein nettes Mädchen. Ruhig und mit guten Manieren, bezaubernd und liebenswürdig – sie macht Lady Pearson alle Ehre.«
    Joe verschluckte sich an seinem Tee. »Ihre Tante ist adlig?«
    »Ja. Ihr Mann war Diplomat oder so etwas in Sydney. Er ist vor Jahren zum Ritter geschlagen worden.« Sie legte den Kopf schief und betrachtete ihn. »Ich hab das Gefühl, dass du Lulu inzwischen auch magst?«
    Er wurde rot. »Sie ist ganz in Ordnung«, erwiderte er und heftete den Blick auf das Titelblatt des Katalogs.
    Molly lachte. »Ich schätze, du hältst sie für mehr als nur in Ordnung.« Sie legte ihm eine Hand auf den Arm, plötzlich ernst. »Sei vorsichtig, Joe. Ich hab gemerkt, wie du sie ansiehst, und so ein Mädchen wird dir nur das Herz brechen.«
    Er schaute auf die abgearbeitete Hand auf seinem gebräunten Arm und musste traurig feststellen, dass sie recht hatte. Dass eine Adlige sie großgezogen hatte und sie ohne Zweifel von allem nur das Beste hatte, beförderte sie noch weiter aus seiner Reichweite.
    Er räusperte sich und wechselte das Thema. »Hast du heute Abend mein Büro

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