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Höhlenwelt-Saga 7 - Die Monde von Jonissar

Höhlenwelt-Saga 7 - Die Monde von Jonissar

Titel: Höhlenwelt-Saga 7 - Die Monde von Jonissar Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Harald Evers
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einhundertfünfzig Leuten, die sich ihr allesamt zugewandt hatten. Ein entsetztes wie auch ungläubiges »Oh!« entrang sich den Kehlen.
Münder und Augen der Männer waren weit aufgerissen, die Pupillen geweitet.
Azrani war stehen geblieben und starrte die Masse der Männer
an, die ihr plötzlich wie ein mordgieriger, reißender Mob vorkam.
Sie fürchtete, dass sie sich im nächsten Moment auf sie stürzen
und sie zerreißen würden. Doch nichts dergleichen geschah.
Azrani mahnte sich, Haltung zu bewahren und den Eindruck zu
verstrahlen, als wäre sie ganz und gar Herrin der Lage. Göttin der
Lage!
Keiner der Männer machte Anstalten, sich ihr zu nähern. Im
Gegenteil, sie wichen zurück, einige waren auf die Knie gefallen,
ein paar stießen keuchende oder gar wimmernde Laute aus. Azrani dachte, dass eine Frau so viele Blicke auf ihrem nackten Körper wohl nur ertragen konnte, wenn sie sich dessen völlig sicher
war, dass sie keinen Makel trug. Aber weder Ullriks noch Lauras
bewundernde Worte reichten aus, ihr die eigene Unsicherheit zu
nehmen. Dann blitzte die Sonne wieder auf, und plötzlich wurde
ihr klar, dass die Männer, ebenso wie Ullrik auf Xahoor, auch ihre
wundervolle Drachentätowierung anstarrten. Beinahe hätte sie an
sich herabgeblickt, sie konnte sich gerade noch beherrschen. Mit
einer Winzigkeit neu gewonnener Kraft setzte sie sich wieder in
Bewegung und ging langsam auf das Podest zu, wo Ullrik so ungläubig auf sie herabstarrte, als hätte er sie so noch nie gesehen.
Erfindet mich wirklich schön, dachte sie glücklich, und ein Lächeln strich über ihr Gesicht. Immer noch.
Dann geschahen zwei Dinge, die ihr das noch fehlende Quäntchen Selbstbewusstsein gaben. Zum einen entdeckte sie, dass
eine sanft leuchtende Hülle ihren Körper umgab. Ein Lächeln flog
über ihr Gesicht. Das musste Ullriks Werk sein, und es verlieh ihr
mit jedem Schritt das Doppelte an Sicherheit. Doch sie musste
vergessen haben ihm zu sagen, welche Farbe ihre Hülle gehabt
hatte – jetzt war sie blau. Das Zweite war, dass sie ein Rauschen
in der Luft vernahm, das von Tiraos und Nerolaans Nähe kündete.
Zum Glück erschrak sie nicht in der Angst, es könnte ein Sonnenoder Kreuzdrache sein; das Rauschen ihrer weit größeren
Schwingen hörte sich ganz anders an. Jetzt verstand sie auch
Ullriks eben noch ausgerufene Worte, dass sie mit ihren beiden
Drachenfreunden gekommen sei.
Wie hat er es nur geschafft, die beiden jetzt herzuholen? Ihres
Wissens war das nicht abgemacht gewesen. Während sie sich mit
ruhigen Schritten dem Podest näherte, hob sie wie beiläufig den
Kopf und erblickte die beiden grauen Felsdrachen, die soeben in
einer weiten Schleife von Osten her an Ullrik heranflogen. Sie
strebten ein wenig auseinander, um von zwei Seiten her hinter
dem Podest niedergehen zu können. Dann kam auch noch Shaani
dazu, die riesige Abon’Shan-Drachendame, die so groß war, dass
sie die beiden Felsdrachen wie Kinder unter ihre Schwingen nehmen konnte. Zwar war sie von Ullrik nicht angekündigt worden,
aber Azrani bezweifelte, dass sich einer der Dorfbewohner darüber Gedanken machen würde. Sie alle starrten ungläubig in die
Höhe.
Tränen traten in Azranis Augenwinkel, als sie erkannte, dass die
beiden Felsdrachen genau dann landen würden, da sie oben auf
dem Podest ankam. Schon als sie die unterste der drei hölzernen
Stufen betrat, verwandelte sich das Raunen der Menge in Ausrufe
der Verzückung und der Begeisterung, die bald in Lobpreisungen
Azranis und ihrer Herrlichkeit übergingen. Es war ihr schon beinahe peinlich, doch zugleich wurde sie immer sicherer.
Dann stand sie oben bei Ullrik; er war mit feierlicher Miene einen Schritt zurückgetreten und verbeugte sich leicht in ihre Richtung, während die beiden Felsdrachen knapp hinter dem Podest
landeten und die Schwingen wie zum Gruß weit erhoben hielten.
Azrani wandte sich ruhig der Menge zu. Tirao und Nerolaan flankierten sie zu beiden Seiten und senkten die Köpfe zu ihr herab,
sodass sie sie leicht berühren konnte. Dann landete die gewaltige
Shaani genau in der Mitte hinter ihnen, und die Männer des Dorfes verfielen in ungläubiges Erstaunen, das etwas Hysterisches an
sich hatte. Die meisten Dorfbewohner waren auf die Knie gesunken, einige hatten sich sogar bäuchlings in den Staub geworfen.
Manche vollführten religiöse Gesten oder rhythmische Bewegungen der Huldigung, und kein Einziger wirkte so, als zweifelte er an
der Echtheit

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