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In deiner Hand

In deiner Hand

Titel: In deiner Hand Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Joey Tintenfee Lewis
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verbrennen in der Sonne. Dennoch ist es im hohen Alter sehr unangenehm, tagsüber nach draußen zu gehen. Man beginnt einen fürchterlichen Gestank auszuströmen. Und da wir uns in der Öffentlichkeit unauffällig verhalten müssen, verzichten die Alten darauf, sich tagsüber zu zeigen.“
Ich erinnerte mich an Maliks gespielte Sonnenallergie. So alt war er also schon? Wieso hatte nie jemand versuchte diesen Mistkerl umzubringen?
„Jedenfalls“, fuhr Erik fort, „braucht es in dieser Phase immer einen zweiten Vampir, um unser Leben zu beenden. Es ist sehr viel schwerer einen der Alten zu töten. Man könnte meinen, der Organismus bildet sich zurück. Doch je älter ein Vampir ist, desto zäher! Brian hat diese Grenze noch nicht überschritten. Mit den richtigen Mitteln könnte es ihm also gelingen, sich so schwere Wunden zuzufügen, dass er elendig daran zugrunde geht.“
Das hatte er also mit dem Adamantitnagel und dem komischen Zeug in dem Badewasser versucht. „Keiner weiß, wer Brian gewandelt hat und über seine Vergangenheit spricht er nicht. Wir wissen nur, dass er irgendwo aus dem tiefsten Osteuropa stammt … und dass er dieses Leben einfach satt hat! Das ist alles.“
„Er hat es satt?“, fragte ich verwundert und verlagerte wieder mein Gewicht. Gott, dieser Boden machte mich wahnsinnig. Jetzt wäre mir eine Gummizelle tatsächlich lieber gewesen. „Ja. Es gibt hier kaum etwas, dass ihn hält. Eigentlich gibt es überhaupt nichts mehr.“ Eriks Stimme klang irgendwie belegt, so als unterdrücke er den Drang zu weinen. Seltsam.
„Aber es gab einmal etwas?“, stocherte ich.
„Das ist schon viele Jahrhunderte her“, murmelte er so leise, dass ich Mühe hatte ihn zu verstehen. „Viel zu lange, wenn du mich fragst. Er ist einfach einsam. Wenn ich könnte, würde ich …“
„Das reicht“, unterbrach uns Brian, der in der offenen Tür stand. Ich hatte ihn nicht kommen hören. Jenks stand hinter ihm und linste neugierig über seine Schulter.
„Und? Schon irgendwelche brutalen Schmerzen?“, fragte der Doc hoffnungsvoll. Ich schüttelte nur den Kopf, sah ihn aber gar nicht an. Brian war einsam?
Allein bei dem Gedanken blutete mir das Herz. War er deswegen in der Schule immer so ätzend zu uns gewesen? Weil er nirgends sonst rauslassen konnte, wie beschissen er sein Leben fand? Mann! Das war echt abgefahren!
Zu meinem Erstaunen konnte ich absolut nachempfinden, wie sehr ihn das alles anstinken musste. Es reichte die Erinnerung an Mum aus, wie sie traurig und einsam jeden Strohhalm ergriff, der sie ein bisschen zurück in die Sonne holte. Dieses Gefühl über Jahrhunderte zu empfinden musste der absolute Horror sein. Kein Wunder dass Brian sich schon sooft hatte umbringen wollen. Ein bisschen verletzte mich die Sache aber auch. Wo Donna doch behauptet hatte, er würde irgendwie auf mich stehen. Diese Empfindung musste sehr oberflächlich sein. Aber was erwartete ich auch? Dass er sich unsterblich in mich verliebte und die Ewigkeit mit mir verbringen wollte?
Diese Fantasie war wirklich sehr weit hergeholt. Dennoch. Ich konnte nicht vermeiden, dass die Enttäuschung sich wie ein undurchdringlicher Nebel auf mein Gemüt legte. Ich zog einen Flunsch während sich Jenks neben mich kniete und mich leise räuspernd aus meiner Gedankenwelt riss. Es fiel mir schwer mich auf ihn zu konzentrieren, wo mein Blick immer wieder zu Brians Gestalt wanderte, die immer noch reglos in der Tür stand. Er sehnte sich also aus Einsamkeit nach dem Tod. Okay. Er war sauer, weil Erik ihm diese Möglichkeit verwehrte, weil ich ja doch mutieren könnte. Er war allen Ernstes sauer darauf, dass er im Fall der Fälle nun nicht mehr sterben konnte? Hatte er wirklich gehofft, dass ich durch sein Gift mutierte? Hatte er das wahrhaftig gehofft? Wieder sah ich ihn an. Diesmal tat es mir weh. Mir gefiel nicht, dass Brian mich nur deswegen beißen wollte. Viel lieber wäre mir gewesen, er hätte es getan, weil er davon überzeugt war, sein Gift sei besser für mich oder etwas anderes Urschnulziges.
Langsam aber sicher musste ich mir eingestehen, dass für Vampire so etwas wie Liebe nicht existierte. Es gab nur Blut und, so wie es aussah, sexuelle Begierden. Wenigstens kämen mir dann die dämlichen Hormone nicht mehr in die Quere. Ich widmete meine Aufmerksamkeit endlich Jenks, der sich wie ein Bekloppter räusperte.
„Vielen Dank“, meinte er genervt. „Wir haben ein … wie soll ich es sagen … ein … Problem?“
„Ein Problem?“,

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