In deiner Hand
noch eine ganze Weile weiter an. Jenks kniete sich unterdessen neben mich, mit einer sterilen Spritze in der einen und einem leeren Plastikröhrchen in der anderen Hand.
„Die Ketten kann ich dir im Augenblick noch nicht abnehmen, tut mir leid. Ich werde dir jetzt zwei Blutproben entnehmen, in Ordnung? Ich muss mir das genauer ansehen.“
„Was ist denn los?“, wollte ich wissen. Mein Gehirn lief nur auf halber Leistung, weshalb ich überhaupt nicht begriff, was gerade passierte.
„Ich glaube deine Selbstheilungskräfte sind zu stark. Es wäre möglich, dass dein Körper sich zu schnell regeneriert und dem Gift somit keine Gelegenheit bietet, dich zu infizieren.“ Jenks machte ein merkwürdiges Geräusch. Die Spritze, die er mir in die Ellenbeuge rammte, tat genauso weh, wie Eriks Biss.
„Huch … Entschuldige!“ Ich spürte wie mein Blut regelrecht aus der Wunde spritzte und mir warm über den Arm lief. „Du musst dich entspannen, Verry!“, befahl Jenks streng.
„Ist das … ist das normal?“, wollte ich wissen und versuchte ihm in die Augen zu sehen, was mir nicht wirklich gelang, da sein Gesicht im Schatten lag.
„Ich habe nie davon gehört“, gestand er leise. „Aber nicht die Nerven verlieren! Es ist ganz bestimmt genauso wie ich sage! Dein Körper hat uns ja mittlerweile mehrfach bewiesen, dass die Verbindung zu Erik dir sehr viel stärkere Heilkräfte verleiht, als es jemals jemand für möglich gehalten hätte. Die Verwandlung zieht sich ganz bestimmt nur ein bisschen hinaus!“ Jenks eilte mit meinen Blutproben von dannen. Erik und Taylor schwiegen sich mittlerweile eisern an.
Ziemlich frustriert lag ich auf dem Boden, den Blick an die Decke gerichtet und alles andere als erfreut darüber, dass die Verwandlung nicht sofort einsetzte.
„Wird es sehr wehtun?“, wollte ich wissen, weil ich die Stille in dem Raum nicht mehr ertrug.
„Naja …“, zögerte Erik.
„Ja“, kam es von Taylor wie aus der Pistole geschossen.
„Mach ihr doch keine Angst!“, schnauzte Erik wieder. Womit der Streit erneut vom Zaun brach. Nur Brian schwieg die ganze Zeit über. Ich spürte zwar seine Anwesenheit, doch er gab keinen Ton von sich. Was schwirrte wohl gerade durch seinen Kopf?
„Solltet ihr die Tür nicht lieber schließen?“, lenkte ich die beiden motzenden Blutsauger ab. „Naja. Nur für den Fall, dass es hier gleich losgeht. Wäre doch ziemlich blöd, wenn ich mich befreien und abhauen kann.“ Ich lachte dabei künstlich. Schon das zweite Mal in wenigen Tagen. Taylor lud seine Knarre durch.
„Keine Sorge, Kleines. Ich werde dich schon aufhalten!“
Erik keuchte erschrocken. „Wenn du sie auch nur anfasst, bring ich dich um!“
„Das ist eine Sache zwischen ihr und mir. Das geht dich gar nichts an!“, brummte Taylor.
„Das geht mich sehr wohl etwas an!“
„Ich werde sie ja nicht töten … nicht, wenn es nicht sein muss“, brummte Taylor, woraufhin Erik sich künstlich aufregte. Ich fragte mich, ob es Erik dabei eher um sein eigenes als um mein Leben ging.
„Mein Gott. Ihr benehmt euch wie Weiber“, stöhnte ich genervt. In meiner Brust begann es plötzlich zu stechen.
„Aua“, stieß ich leise hervor. Sofort herrschte eine angespannte Stille. Die Tür wurde zugezogen. Jeder hielt den Atem an. Auch ich. Die Sekunden vergingen, zogen sich zu Minuten. Kein erneuter Schmerz, kein Stechen, kein Brennen. Nichts. Ich entspannte mich wieder.
„Das Warten darauf ist noch viel schlimmer …“, murmelte ich irgendwann erschöpft.
Jenks war immer noch fort. Vom harten Boden begann mein Rücken allmählich zu Schmerzen. Mein Magen knurrte. Müde wurde ich auch langsam. Was würde ich nicht alles für ein warmes, weiches Bett auf der Krankenstation geben. Annie fiel mir wieder ein, die dort ganz allein war.
„Jemand sollte vielleicht mal nach Annie sehen“, schlug ich in die Dunkelheit hinein vor.
„Linda ist bei ihr“, erklärte Erik angespannt, „Ich dachte mir, es wäre leichter für Annie, dass sie einen Menschen sieht, den sie kennt.“ Gar kein so blöder Gedanke.
„Was … was wird Linda ihr wohl erzählen?“
„Dass wir verdeckt gegen Malik ermitteln und sie zur falschen Zeit am falschen Ort war. Linda wird Annie keine Details verraten, nur das Gröbste, damit das Mädel nicht austickt.“
„Sie verkauft euch als Bullen?“
Erik zuckte nur mit den Schultern. „Von mir war ja nicht die Rede. Es geht dabei hauptsächlich um Brian und Taylor. Die kennt Annie nicht, jedenfalls nicht von
Weitere Kostenlose Bücher