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In deiner Hand

In deiner Hand

Titel: In deiner Hand Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Joey Tintenfee Lewis
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psychologisches Gutachten erstellt, aus dem hervorgeht, dass du dich zwar derzeit bei ihm in Behandlung befindest, aber nicht auf Medikamente angewiesen bist. Ein … aktueller Streit mit deiner Mutter … hat letztlich dazu geführt, dass du … die Nerven verloren hast.“
„Ich hab Menschen angegriffen“, murmelte ich und schlang völlig unbewusst die Arme um den kleinen Körper auf meinem Schoß. Oliver quietschte zufrieden und kuschelte sich dichter an mich. Sein Körper strahlte eine erstaunlich angenehme Wärme aus, die mich träge blinzeln ließ. Ich gähnte.
„Nun. Du hast Glück, dass Erik so geistesgegenwärtig und schnell gehandelt hat! Niemand hat etwas von dem Pärchen erfahren! Mittlerweile sind sie längst zuhause und erinnern sich an gar nichts mehr!“ Linda lächelte zuversichtlich und ich knuddelte den kleinen Kerl noch ein bisschen fester. Wenigstens war er jetzt ruhig.
„Ich konnte ihr Blut riechen und wollte sie beißen“, murmelte ich nachdenklich und vergrub das Gesicht in dem weichen, weißen Haar. „Ich habe sie gebissen! …“ Das allgemeine Schweigen hielt an. Nur das Pochen von Olivers kleinem Herzen an meiner Hand, lenkte mich kurz von dem grausigen Szenario in meinem Kopf ab. „Was ist … was ist mit den beiden … Männern? Dem Fetten …“
„Es geht ihm gut! Es geht beiden gut! Wie gesagt, dank Erik konnten wir eine größere Katastrophe abwenden.“
Linda rückte ihren Stuhl zurecht und sah mich aufmerksam an.
„Im Moment macht dein Körper gewisse Veränderungen durch, Verry!“
Ich hatte nie ein Wort darüber verloren, dass ich mich zu verwandeln begann, aber scheinbar sah man mir die Metamorphose bereits an. Scheiße!
„Wie viel Zeit bleibt mir noch?“ Meine Stimme war heiser geworden. Linda hob fragend eine ihrer schön geschwungenen Augenbrauen.
„Wie meinst du das?“
„Wie viel Zeit habe ich noch, bis ich anfange Menschen anzufallen?“ Sie lächelte amüsiert.
„Du wirst doch keine Menschen anfallen, Verry! Wie kommst du nur auf diesen absurden Gedanken?“ Linda kicherte und kraulte Oliver den Kopf. Haiss rückte noch dichter und gab ein leises Knurren von sich.
„Ich HABE Menschen angefallen! Drei oder Vier, vielleicht noch mehr? Ich erinnere mich nicht mehr genau.“
Es fiel mir unendlich schwer, mir das einzugestehen, was man leider an meiner Tonlage festmachen konnte, denn ich klang, als würde ich jeden Augenblick wieder losheulen.
„Das hat aber nichts mit dem zu tun, was dein Körper gerade durch macht. Dir sind schlichtweg die Sicherungen durchgebrannt, Verry! Und jeder von uns kann das nachvollziehen! Du hast in letzter Zeit so viel durchgemacht!“
Das Lächeln verschwand von ihren Lippen und sie strich mir das Haar aus der Stirn. Haiss knurrte ein bisschen lauter. Seine Reaktion lenkte mich von der beschämenden Tatsache ab, dass scheinbar jeder wusste, was Malik mir angetan hatte.
„Was aber nichts an der Tatsache ändert, dass ich ein bisschen zu schnell für einen Menschen bin!“, fuhr ich fort, in der Hoffnung, dass mir niemand anmerkte, wie sehr mich das alles in Panik versetzte. Auch wenn ich wusste, dass etwas in mir an diesem Morgen völlig kaputt gegangen war, wollte ich auf keinen Fall, dass man mich für schwach oder zerbrechlich hielt. Mich in der Gegenwart anderer, friedlicher Vampire aufzuhalten, als sei es das Normalste der Welt, hieß noch lange nicht, dass ich mich ruhig mal ausruhen durfte, um das armselige kleine Mädchen heraushängen zu lassen, dass sich hoffnungslos am Leben festbiss. Niemand durfte hinter die bröckelige Fassade gucken! Bis auf Gadget, der sich einfach zum Retter in der Not ernannt hatte und eiskalt die Grenzen überschritt. Und doch wusste ich, dass ich ihm dafür niemals böse sein könnte. Nicht für das und auch nicht für die ganze Scheiße, die er mit seiner übereilten Handlung ins Rollen gebracht hatte. Haiss legte seine Finger sacht auf meine Schulter und spontan ebbte das erdrückende Gefühl in meiner Brust ab. Auch Oliver schmiegte sich enger an mich. Geistesabwesend strich ich ihm durchs Haar und verdrängte die Gedankenflut erneut.
„Die Spezies, der Erik und Dr. Jenks angehören, ist uralt“, begann Linda zögernd. „Sie ernähren sich vom Blut der Menschen. Einige wenige ernähren sich auch vom Blut anderer Vampire. Aber der Energiegehalt ist nicht annähernd so hoch und die Nährstoffe brauchen sich schneller auf.“
„Was hat das mit mir zu tun?“, unterbrach ich sie erneut. Ich

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