Jenseits des Bösen
höchstens doppelt so groß wie sein eigenes sein konnte. Das Publikum, bestehend aus etwa zehn Männern, saß auf
quietschenden Stühlen. Sie sahen einer Frau zu, die
Geschlechtsverkehr mit einem großen schwarzen Hund hatte.
Er fand nichts an dem Schauspiel erregend. Und der Rest des Publikums offenbar auch nicht, jedenfalls nicht im sexuellen Sinne. Sie verfolgten die Darbietung mit einer Erregung, die er erst verstand, als das Bier seine Wirkung in seinem erschöpften Körper tat und seinen Blickwinkel einengte, bis ihn das Gesicht der Frau hypnotisierte. Sie mochte früher einmal hübsch gewesen sein, aber jetzt war ihr Gesicht verbraucht, ebenso wie der Körper, und ihre Arme zeigten deutlich die Spuren der Sucht, die sie so tief hatte sinken lassen. Sie erregte den Hund mit der Erfahrung von jemandem, der das schon zahllose Male
gemacht hatte, dann ging sie vor ihm auf alle viere hinunter. Er beschnupperte sie und machte sich dann träge an seine Aufgabe. Erst als er sie bestiegen hatte, würde Tommy-Ray klar, was ihn an ihrem Gesicht so sehr faszinierte, und die andern wahrscheinlich auch. Sie sah aus, als wäre sie bereits tot. Der Gedanke war wie eine Tür in seinem Kopf, die sich zu einer stinkenden gelben Kammer öffnete, einer Kammer zum Suhlen. Er hatte diesen Gesichtsausdruck schon einmal gesehen, nicht nur in den Gesichtern von Mädchen in
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Pornoheften, sondern auch bei Berühmtheiten. Sex-Zombies; Star-Zombies; Tote, die sich als Lebende ausgaben. Als er sich wieder auf das Geschehen vor sich konzentrierte, hatte der Hund seinen Rhythmus gefunden und stieß mit hündischer Lust auf das Mädchen ein, wobei ihm Schaum aus dem Maul auf ihren Rücken tropfte; und plötzlich - als er sich vorstellte, das Mädchen wäre tot - war es sexy. Je erregter das Tier wurde, um so erregter wurde er auch und um so toter sah die Frau für ihn aus, während sie den Schwanz des Hundes in sich und seine Blicke auf sich spürte, bis es zu einem Wettlauf zwischen ihm und dem Hund wurde, wer als erster fertig sein würde.
Der Hund gewann, er arbeitete sich in stoßende Raserei, und dann hörte er mit einem Mal auf. Einem Hinweis folgend, stand einer der Männer in der ersten Reihe auf und trennte das Paar. Das Tier verlor augenblicklich das Interesse. Nachdem ihr Partner weggebracht worden war, befand sich die Frau allein auf der Bühne, wo sie Kleidungsstücke zusammensuchte, die sie wahrscheinlich abgelegt hatte, bevor Tommy-Ray hereingekommen war. Dann ging sie zur selben Seitentür hinaus, durch die der Hund und sein Zuhälter verschwunden waren, und dabei war ihr Gesicht so schlaff und ausdruckslos wie vorher. Offenbar folgte noch eine Darbietung, denn niemand stand auf. Aber Tommy-Ray hatte gesehen, was er sehen wollte. Er drängte sich durch eine Menge
Neuankömmlinge zur Tür und hinaus in die staubige Bar.
Erst viel später, als er die Mission schon fast erreicht hatte, stellte er fest, daß man ihm die Taschen ausgeräumt hatte. Er hatte keine Zeit umzukehren, das wußte er; und es hätte auch keinen Zweck. Jeder, der sich an ihn gedrückt hatte, konnte der Dieb sein.
Außerdem hatten sich die verlorenen Dollars gelohnt. Er hatte eine neue Definition des Todes gefunden. Nein, nicht einmal eine neue. Nur seine erste und einzige.
Als er den Berg hinauf zur Mission fuhr, war die Sonne 387
längst untergegangen, doch während des Aufstiegs überkam ihn ein deutliches Gefühl des deja vu. Sah er den Ort mit den Augen des Jaff? Ob dem so war oder nicht, das
Wiedererkennen erwies sich als nützlich. Er wußte, Fletchers Agentin war zweifellos vor ihm eingetroffen, daher beschloß er, das Auto ein Stück bergab stehenzulassen und den Rest des Weges zu Fuß zurückzulegen, damit sie sein Eintreffen nicht im voraus bemerkte. So dunkel es war, er reiste nicht blind.
Seine Füße kannten den Weg, auch wenn ihn seine Erinnerung nicht kannte.
Er war auf Gewalt vorbereitet, sollten die Umstände sie verlangen. Der Jaff hatte ihm eine Waffe besorgt - von einem der zahlreichen Opfer, denen der Jaff ihre Terata genommen hatte -
, und der Gedanke, sie zu benützen, hatte etwas Faszinierendes.
Nach einer Kletterpartie, bei der er Brustschmerzen hatte, befand er sich nun in Sichtweite der Mission. Hinter ihm war der Mond aufgegangen, und der hatte die Farbe eines Haifisch-bauchs. Er erhellte die verfallenen Mauern und die Haut von Tommy-Rays Armen und Händen mit seiner kränklichen
Farbe, so daß er sich nach
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