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Leuchtfeuer Der Liebe

Leuchtfeuer Der Liebe

Titel: Leuchtfeuer Der Liebe Kostenlos Bücher Online Lesen
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gallebitteren Geschmack auf ihrer Zunge hinterließ. Sie zwang sich, Jesse in die Augen zu sehen. „Ich kannte ihn."
    Er zog eine Braue hoch. „Du kanntest Granger?"
    Alles in ihr drängte sie, zu lügen und es zu leugnen. Aber sie konnte nicht anders, sie musste Jesse die Wahrheit sagen. Sie überwand ihre Scham, zwang sich, die Worte auszusprechen. „Er sagte mir, sein Name sei Jones. Granger Jones. Er ist der Vater meines Kindes."

17. KAPITEL
     
    A ls Jesse die Pferde bei schwerer See für die Rettung Schiffbrüchiger trainiert hatte, hatte ein haushoher Bre c her ihn unter sich begraben. Jetzt erinnerte er sich mit aller Deutlichkeit an den Vorfall. Die Woge war mit mörderischer Gewalt herangerollt, hatte sich haushoch aufgetürmt und ihn in ihre Höhlung eingesogen. Wie eine riesige Faust hatten die Wassermassen ihn aus dem Sattel des verstörten Pferdes gerissen, in einem Strudel in die Tiefe gezogen und mit eisiger Gewalt festgehalten.
    Sein Körper war wie ein Spielball in wilden Spiralen herumgewirbelt worden, er hatte nicht gewusst, wo oben und unten war. Er hatte sich im Rachen des Todes befunden.
    Genau dieses Grauen überkam ihn jetzt wieder.
    Nur waren es diesmal keine Naturgewalten, die seine Welt zerschmetterten. Es war seine Ehefrau Mary und das Geheimnis, das sie ihm soeben enthüllt hatte.
    Er war ein sterbender Mann. Kälte hüllte ihn ein, bis er meinte, seine Haut verhärte sich in einen eisigen Panzer. Erst dann wagte er eine Bewegung. Mühsam kam er auf die Beine und ging hinaus auf die Veranda.
    Die Herbstnacht hatte sich über die Landzunge gelegt. Glitzernde Sterne standen am Himmel, in regelmäßigen Abständen strich das Leuchtfeuer vorüber, tauchte die Baumwipfel für einen flüchtigen Moment in seinen silbernen Schein. Die Brandung schlug tosend gegen die Felsen. Ein würziger Duft nach welkem Laub, gemischt mit der Süße der letzten Rosen, hing in der Luft.
    Er hörte, wie Mary auf die Veranda trat, und zwang sich, sie anzusehen. Es war eine grausame Folter, in ihr hübsches, zartes Gesicht, in ihre angstvoll geweiteten Augen zu schauen, auf ihre vollen Brüste über ihrem runden Leib, der ihn zu verhöhnen schien.
    „Jesse", begann sie sanft, „ich wünschte, du würdest etwas sagen."
    „Was, zum Teufel, willst du hören? Dass es keine Bedeutung hat? Dass ich mich nicht darüber wundere, dass du Grangers Geliebte warst? Dass ich die Vaterschaft für meine Nichte oder meinen Neffen anerkenne?"
    Sie zuckte zusammen.
    Ja, er wollte ihr wehtun. Sie mit Worten auspeitschen. Einerseits wusste er, dass er ihr keine Schuld geben durfte. Dennoch gab er ihr die Schuld. Ja, er gab ihr alle Schuld.
    Sie hatte ihn dazu verlockt, wieder Träume zu haben, nur um sie ihm wieder zu entreißen, als er zu glauben begann, Träume könnten für ihn wahr werden. Sie hatte die Hoffnung in ihm geweckt, dass er sie lieben könnte.
    Marys Geständnis war der Beweis, dass er von Anfang an Recht gehabt hatte. Liebe brachte nur Leid und Verlust. Ein Leben ohne Liebe in dumpfer Gleichgültigkeit und Einsamkeit war weitaus besser, als neben einer Frau zu leben, die ihm das Herz aus dem Leib riss.
    Mary erholte sich erstaunlich schnell, blickte ihm ohne Scheu in die Augen. „Nie hätte ich gedacht, dass Blind Chance ein prophetischer Name für ein Schiff sei, doch nun stellt sich heraus, dass es so ist." Sie straffte die Schultern. „Wir müssen darüber reden und entscheiden, was zu tun ist."
    „Und was versprichst du dir davon?" Er schlug mit der Faust gegen einen Stützpfeiler der Veranda.
    „Es ist auch für mich ein großer Schock", sagte sie. „Führe dich also bitte nicht auf wie ein angeschossener Bär. Ich habe gewiss nicht geplant, das Schiff vor deinem Leuchtturm zu versenken, damit du mich findest." Sie holte tief Atem, um sich zu beruhigen. „Bert hat vermutlich eine Notiz von unserer Heirat im Journal veröffentlicht."
    „J a. “
    „Meinst du, Granger liest die Zeitung?"
    „Ich nehme es an." Seit der gemeinsamen Schulzeit hatte Granger sich stets für Jesse Morgans Angelegenheiten interessiert. Anfangs war Grangers Interesse seinem Neid entsprungen. Jesse hatte nie die Absicht gehabt, ihn im Sport oder in Prüfungen zu übertrumpfen. Es war einfach so gekommen. Jesse hatte nie mit seinen liebevollen Eltern vor Granger geprahlt, Tatsache aber war, dass Jesse ständig Briefe und Pakete von zu Hause bekommen hatte, während Granger leer ausgegangen war. Jesse hatte nie die Absicht

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