Liebeserwachen in Virgin River
Sandwich in den Mund geschoben. „Fürs Erste“, brachte er mit vollem Mund heraus. Und in Gedanken wiederholte er: Fürs Erste.
5. KAPITEL
Denny zog sich die Cap vom Kopf, während er Jacks Bar betrat.
„Na hallo!“, rief Jack erfreut. „Was macht die Suche nach Ruhm und Geld?“
„Ruhm?“, fragte Denny lachend. „Das will ich nicht hoffen!“
„Ich meine die Arbeitssuche? Du hattest doch heute ein Vorstellungsgespräch?“ Unaufgefordert servierte Jack ihm ein Bier.
„Zwei sogar. Für einen Großhändler Sauerampfer verladen und lagern. Und halt drüben auf der anderen Seite des Tals Arbeit auf einer Ranch, in Ferndale … wo sechshundert Menschen wohnen und sechzigtausend Kühe.“
Jack grinste. „Hat denn eine Stelle davon wenigstens irgendwie Potenzial?“
„Oh, der Händler wird mich sicher ganz schnell zum Präsidenten der Firma befördern, wenn ich an Bord komme und mir den Hintern für ein Minimum aufreiße.“ Er trank einen Schluck Bier. „So etwas hatte ich doch mal gehört? Wann war denn das noch? Da lass ich es mir lieber gut gehen.“
„Gut gehen?“
Denny zuckte mit den Schultern. „Ich weiß, es ist zeitlich begrenzt, doch der Job bei Jillian macht mir Spaß. Ich bin jede Minute beschäftigt, die Bezahlung ist in Ordnung, und hast du gewusst, dass sie pausenlos redet?“
Jack lächelte. „Warum überrascht mich das nicht?“
„Das ist kein Gequatsche … Sie redet über Pflanzenzucht, diese interessanten Frucht- und Gemüsesorten, die einem nur selten unter die Augen kommen, die ihre Urgroßmutter aber immer angebaut hatte. Die hatte die Samen damals aus Europa mitgebracht. Außerdem sind meine Aufgaben dort sehr vielfältig. Manchmal fälle ich Bäume oder baue Gewächshäuser, und dann wiederum stecke ich winzig kleine Samen in kleine Töpfchen mit Erde. Und dabei beschreibt Jillian, was mit diesen Samen geschehen wird, Schritt für Schritt. Sie hält mir ganze Vorträge über den PH-Wert der Erde, die Bodentemperatur, die Höhenlage – und wie alles zusammenspielt … und irgendwie würde ich das echt nicht missen wollen.“
„Wie lange, glaubst du, wird sie dich noch beschäftigen?“
„Schwer zu sagen“, antwortete Denny achselzuckend. „Im Moment haben wir fast alles geschafft, was wir uns vorgenommen hatten. Aber sie hat sehr große Pläne mit ihren Pflanzen, und wie ich sie kenne, wird sie noch mehr Treibhäuser aufstellen wollen. Davon spricht sie bereits. Auf dieser Wiese gibt es genug Platz. Sie wird sie beheizen und bewässern müssen, und wenn der Herbst und der Winter erst mal da sind … wer weiß, was sonst noch! Sie redet davon, spezielle Pflanzenlampen anzuschaffen.“ Er trank noch einen Schluck Bier. „Klingt, als hätte sie vor, das Mietverhältnis zu verlängern. Wäre das für dich in Ordnung?“
Jack zuckte mit den Schultern. „Wenn sich die Wirtschaftslage nicht gewaltig ändert, werde ich im nächsten Winter keinen Käufer finden. Und sie hält alles gut in Schuss und zahlt die Rechnungen.“
„Gut. Ich fange nämlich langsam an, mich dafür zu begeistern …“
„Hast du ihr das schon mal gesagt, mein Sohn?“
Denny machte ein verdutztes Gesicht, sagte allerdings nur: „Nein.“
„Du solltest sie in das Geheimnis einweihen. Erzähl ihr, dass du die Arbeit magst. Das kann nicht schaden, allenfalls helfen.“
„Ja … vielleicht …“ Denny räusperte sich. „Doch ich habe heute auch eine gute Nachricht erhalten. In drei bis sechs Monaten wird das Sheriff’s Department wieder Leute einstellen, und meine Bewerbungen hatte ich ja bereits bei allen Strafverfolgungsbehörden und Feuerwachen eingereicht.“
„Schön für dich!“
„Oh, und übrigens, heute hat Jillian mir den ganzen Tag freigegeben, deshalb bin ich zu eurem Haus rausgefahren und habe ein paar Sachen im Garten erledigt … Die Hundehäufchen aufgelesen und auch mal mit dem Rasenmäher eine Runde gedreht. Ich habe das Unkraut unter der Schaukel weggeschnitten, bin mal um die Rutsche herumgegangen und habe unter dem Klettergerüst gemäht.“
Anerkennend pfiff Jack. „Das muss ja ewig gedauert haben.“
„Ich hab mir Zeit gelassen.“
Jack wischte mit einem Tuch über den Tresen. „Dir ist aber klar, dass du das nicht tun musst, Denny. Ich weiß es wirklich zu schätzen, aber es ist nicht so, als würde ich das von dir erwarten.“
„Du hast mich zwei Monate lang bis kurz vor Weihnachten mietfrei bei euch wohnen lassen! Da werde ich lange brauchen, um
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