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Liebesleben/Mann und Frau/Späte Familie

Liebesleben/Mann und Frau/Späte Familie

Titel: Liebesleben/Mann und Frau/Späte Familie Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Zeruya Shalev
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Tür, eine seltsame Ruhe geht von ihr aus, als wären die beiden dahinter eingeschlafen, und in mir kräht der Zorn, das dort ist mein Udi, mein Ehemann, früher habe ich meinen Namen auf seine Ohrläppchen geschrieben, was gibt ihr überhaupt das Recht, mit ihm zusammenzusein und mich draußen zu lassen, damit ich auf ihr Baby aufpasse? Husten steigt in meiner Kehle auf, als hätte ich mich an Rauch verschluckt, der Rauch einer beschämenden Eifersucht, die plötzlich aufflackert, ich muß ihre Verbrüderung beenden, und es gibt nur einen Weg, ich gehe zurück zum Wohnzimmer und schüttle den Korb, bis der rötliche Mund aufgeht und schwache, vorwurfsvolle Töne herauskommen, dann laufe ich zum Zimmer, öffne, ohne anzuklopfen, die Tür und sehe sie auf dem Bettrand sitzen, ihre Finger umschließen sein Handgelenk wie ein Armband, er sitzt aufrecht da, mit verschränkten Beinen, in seinen Armen stecken kleine Nadeln, als habe er sich in einen Igel verwandelt, und oben auf seinem Kopf, da, wo die Haare sich lichten, brennt ein duftendes Räucherstäbchen, wie ein kleines Horn.
    Sie läßt seine Hand los und verläßt rasch das Zimmer, wobei sie mir ein Zeichen gibt, ihr zu folgen, und ich gehorche wütend, das ist mein Mann, das ist mein Haus, wieso sagt sie mir, was ich tun soll, beschämt laufe ich hinter ihr her zu dem Korb, der inzwischen wieder still geworden ist, sie hat geweint, stottere ich hinter ihrem Rücken, ich habe gedacht, sie hat Hunger, wie kann ein so junges Mädchen mich so verlegen machen, noch dazu in meiner eigenen Wohnung, und sofort frage ich sie ungeduldig, also, was ist mit ihm, wann wird er endlich wieder gesund, und sie lächelt gelassen, ich hoffe, es wird nicht so bald sein. Ich betrachte sie vollkommen überrascht, was haben Sie gesagt, und sie wiederholt, ich hoffe, die Krankheit wird ihn nicht allzu schnell wieder verlassen, und auch Sie sollten das hoffen, wenn Sie sich Sorgen um ihn machen, und ich frage fast schreiend, warum, das ist doch grotesk, was Sie da sagen, und sie erklärt mir gelassen, die einzelnen Worte sorgfältig betonend, jede Krankheit ist eine Möglichkeit, Na’ama, Ihr Mann hat die Möglichkeit, die ihm hier geboten wird, noch nicht einmal berührt, er darf seine Krankheit nicht verpassen, denn es wird lange dauern, bis er eine weitere Möglichkeit bekommt. Erstaunt betrachte ich sie, es fällt mir schwer, ihre Worte zu schlucken, mit welchem Recht dreht sie alles um, seit wann ist eine Krankheit etwas Gutes und Gesundsein etwas Schlechtes, und plötzlich kommt sie mir wie ein Ungeheuer vor, mit diesem spitzen Gesicht und dem vorstehenden Kinn, warum habe ich sie in unsere Wohnung gebracht, und ich flehe sie an, als hänge es von ihr ab, hören Sie, Sohara, wir halten das nicht länger aus, diese seltsame Krankheit zerstört unser Leben, unsere Tochter wird depressiv, ich bin vollkommen kaputt, ich schaffe meine Arbeit nicht mehr, so geht es nicht weiter, und schon bricht meine Stimme, ich schäme mich, vor diesem fremden jungen Mädchen zu jammern, aber sie hört mir mit ihrer erstaunlichen Ernsthaftigkeit zu, bewegt die Lippen, als messe sie die Worte mit dem Lineal ihrer Zunge, und sagt nachdrücklich, aber das ist vollkommen überflüssig, Sie müssen nur Ihre Haltung zu dieser Krankheit ändern, auch für Sie und Ihre Tochter bietet sich hier die Chance zu einer Entwicklung, auch für Sie und Ihre Tochter kann diese Krankheit zu einer Quelle der Bereicherung und der Befreiung von Leiden werden. Wovon reden Sie da, bricht es aus mir heraus, was für eine Bereicherung liegt in einem Menschen, der ganze Tage in seinem Bett verfault und nur klagt und anderen die Schuld gibt, und sie schaut mich gönnerhaft an, Sie müssen verstehen, sagt sie, Sie beide klammern sich zu stark aneinander. Um einen Nutzen aus der Situation zu ziehen, müssen Sie loslassen, freigeben, stellen Sie sich zwei Erdblöcke vor, die von geballten Händen zerschlagen werden, nichts wird von ihnen übrigbleiben, und ich protestiere, wir reden kaum miteinander, das ist doch kein Festklammern, oder, und sie sagt, klar, schauen Sie nur, wie heftig Sie reagieren, es ist Ihre Entscheidung, so zu reagieren. Was soll das heißen, heftig reagieren, frage ich, halb verächtlich, halb erstaunt, jede Frau, deren Mann sich so verhält, würde genauso reagieren wie ich, und sie schaukelt ihr Baby und sagt, sind Sie sich da so sicher? Und diese direkte Frage weckt plötzlich Zweifel in mir, ich sage,

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