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Liebesleben/Mann und Frau/Späte Familie

Liebesleben/Mann und Frau/Späte Familie

Titel: Liebesleben/Mann und Frau/Späte Familie Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Zeruya Shalev
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Kopf an mich, seine dichten, duftenden Haare bedecken meine Brust, mach dir keine Sorgen, sage ich leise, mach dir keine Sorgen, alles wird gut.
    Als ich in der Dunkelheit nach Hause fahre, lache ich laut vor mich hin, denn direkt am Auto hat er zu mir gesagt, weißt du, daß Chawa das nie im Leben getan hätte, deshalb habe ich gesagt, daß ich dich vorziehe, und ich kicherte, die arme Chawa, sie hat ja keine Ahnung, was sie versäumt hat, im Spiegel habe ich gesehen, wie er mir nachsah, ein großer Mann, dankbar, weil ihm unerwartet verziehen worden ist, aber je näher ich meiner Straße komme, um so mehr zwinge ich mich, an die arme Ja’el zu denken, ich habe ihr nicht genützt, ich habe nur mir selbst genützt, auf eine seltsame und unerwartete Art, niemand hätte das von mir geglaubt, auch ich kann kaum glauben, was passiert ist, daß es mir endlich gelungen ist, das zu vollenden, was damals abgebrochen worden war, in der Dachwohnung, am Tag des ersten Regens, als wäre das damals meine wirkliche Sünde gewesen, und dafür bin ich bestraft worden, und jetzt, wo die Sünde vollendet worden ist, wird sie endlich ausgelöscht.
    Zu Hause finde ich sie im Wohnzimmer vor, sie warten auf mich, meine Mutter, Udi und Noga, als wären sie besorgte Eltern und ich die ausschweifende Tochter. Mama, wo warst du, nur Noga wagt es, die Frage zu stellen, und ich antworte leichthin, ich hatte ein paar Verabredungen, Udi schaut mich an, ich weiß, daß es ihm jetzt sehr schwerfällt, mich nicht auszufragen, wie er es sonst immer tat, eine Woche lang habe ich ihn nicht gesehen, mir kommt es vor, als sei sein Körper geschrumpft und seine Last angeschwollen, seine Augen sind rot, als habe er die ganze Zeit nicht geschlafen, und meine Mutter sagt, du siehst so strahlend aus, Na’ama, und schielt herausfordernd zu ihm hin, und fast antworte ich, genauso hast du früher ausgesehen, wenn du von deinen Verabredungen zu uns nach Hause gekommen bist, du hast uns so erstaunt angeschaut, als wüßtest du nicht mehr, wer wir sind und was wir von dir wollen, doch ich betrachte sie schweigend, sie scheinen sich gegen mich verbündet zu haben, um mir diese bescheidene Freude zu verderben, aber das lasse ich nicht zu, das darf ich nicht zulassen. Noga, hast du deine Aufgaben gemacht, frage ich, energisch das Thema wechselnd, und sie schüttelt, wie erwartet, den Kopf und zieht sich in ihr Zimmer zurück, meine Mutter zischt, ich werde etwas zu essen machen, und verschwindet in der Küche, Udi erhebt sich langsam, dann steht er vor mir, die Glieder gefesselt im Gewirr seiner Gedanken, ich habe dir ja gesagt, daß es dir guttun wird, flüstert er scheinheilig, sein Blick huscht über mein Gesicht, und ich genieße seine Ohnmacht und merke, das ist Glück, jahrelang habe ich es vergeblich im Mitleid gesucht, und jetzt stellt sich heraus, daß es sich hier versteckt, in den Ritzen zwischen dem Sieg und der Niederlage, in den Fugen zwischen der vollkommenen Leere und der Erinnerung, die unaufhörlich nachhallt, das ist das Glück, einen alten Feind in Fesseln zu sehen, er darf nicht fragen, wo ich gewesen bin und was ich getan habe, er darf nicht nach verdächtigen Hinweisen suchen, nur seine Schritte, als er die Treppe hinuntergeht, ziehen eine fordernde Frage hinter sich her, eine Frage, deren Antwort schon seit ewigen Zeiten in ihr lauert.

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    19
    In der Nacht steht sie plötzlich neben meinem Bett, eine schweigende, schwer atmende Statue, ich mache die Augen auf, schließe sie gleich wieder und drehe mich auf die andere Seite, dann schiebt sich das gebräunte Bein seiner Frau in mein Bett, tritt mir fest mitten in die Leistengegend, das ist es, was Frauen tun, um ihre Männer zu behalten, nur du verzichtest einfach, du wagst es nicht, um ihn zu kämpfen, aber vielleicht findest du es auch nicht lohnend, um ihn zu kämpfen, genau das hat er immer gesagt, wenn wir mal wieder in die trügerische Falle intimer Gespräche geraten waren, du willst mich nicht wirklich, du denkst, daß du etwas Besseres verdient hast, du bleibst nur aus Angst vor dem Alleinsein bei mir, nicht aus Liebe, aber nie habe ich ihm wirklich zugehört, ich habe nur darauf gewartet, daß ich an die Reihe kam, um seine Behauptungen wie Holzstückchen im Strom meiner Anklagen wegzuschwemmen, und jetzt erinnere ich mich an seinen gekränkten Blick auf der Treppe, kaum eine Woche ist vorbei, und schon hast du mich betrogen, du hast mich beiseite geschoben, schneller, als ich gedacht

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