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Miteinander reden 2: Stile, Werte und Persönlichkeitsentwicklung; Differentielle Psychologie der Kommunikation (German Edition)

Miteinander reden 2: Stile, Werte und Persönlichkeitsentwicklung; Differentielle Psychologie der Kommunikation (German Edition)

Titel: Miteinander reden 2: Stile, Werte und Persönlichkeitsentwicklung; Differentielle Psychologie der Kommunikation (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Friedemann Schulz von Thun
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faktischen Gegebenheiten für hinreichenden Abstand sorgen (zum Beispiel wenn der Nebenpartner verheiratet ist, in einer anderen Stadt wohnt o.Ä.). Oder er nimmt an einer Selbsterfahrungsgruppe teil und erlebt dort – im Kontext der Unverbindlichkeit – jene Gefühlsintensität, die er zu Hause «vermisst».
    Wenn man dies alles so sieht und erkennt, drängt sich die Frage auf: Wie kommt man aus einem solchen Teufelskreis heraus oder noch besser gar nicht erst hinein? Den Pelz waschen, ohne sich nass zu machen? Man kann und sollte sich dies alles nicht ersparen wollen, auch die Liebe hat ihre Kinderkrankheiten. Sollte sich aber so ein Kreislauf über Jahre hinweg leidvoll verewigen, wird man sich an die Arbeit machen müssen (Persönlichkeits- und Beziehungsarbeit). Hier einige Leitgedanken, die für eine Entwicklung förderlich sein mögen:
    Empfehlungen an den Nähe-Partner
    1. Nicht mit dem Beziehungs-Ohr, sondern mit dem Selbstkundgabe-Ohr hören. Nehmen Sie die abweisende Art Ihres Distanz-Partners nicht allzu persönlich! Darin steckt nämlich nicht so sehr die Botschaft, dass Sie unattraktiv und nicht liebenswert wären, sondern vor allem die Selbstkundgabe der Angst, sich (allzu sehr) auszuliefern. Dieses verstandesmäßige Wissen wird Sie nicht vollständig vor Verletzungen und Kränkungen schützen, kann aber den Stachel etwas abmildern.
    2. Manches «Weglaufen» ist ein «Anlauf-Nehmen». Werfen Sie die Flinte nicht gleich ins Korn – vielleicht ist Ihr Distanz-Partner wirklich «beziehungsunfähig», aber das ist zunächst überhaupt nicht erwiesen. Vielleicht muss er, bevor er in die Zielgerade einbiegt, noch einen (inneren) Parcours durchlaufen, dessen Hürden aus alten Enttäuschungen und Wunden bestehen. Manche Hürden mögen so gefährlich erscheinen (so wie tiefe Wassergräben, in die man stürzen könnte), dass er davor «bockt». – Während Sie ihn «weglaufen» sehen, läuft er vielleicht nur zurück, um erneut Anlauf zu nehmen ! – Dies ist ein ganz unbewusster Vorgang – und «zur Rede gestellt» weiß er sich nicht zu erklären.
    3. Keine Psychoanalysen! Fangen Sie aufgrund dieser Erkenntnisse nicht an, Ihren Distanz-Partner mit Diagnosen und Psychoanalysen zu verfolgen! Dies wird Ihnen sehr schwerfallen, denn Sie hoffen natürlich, die kleinen Rädchen freilegen und daran drehen zu können, die bei ihm im Untergrund wirksam sind. Als «Psycho-Detektiv» sind Sie jedoch erneut bedrängend, rufen neue Abwehr hervor und verstärken so den Teufelskreis, statt ihn aufzuhalten.
    4. Nicht nach der eigenen «Gebrauchsanweisung» behandeln! Erliegen Sie nicht der Illusion, alle Menschen seien gleich, und Ihr Partner wolle «im Grunde» genau dasselbe wie Sie – man muss ihn nur noch erlösen, damit er selbst dies auch merkt! Er ist anders, hat andere Bedürfnisse – und das wird auch immer so sein! So bedeutet ihm vielleicht das Mit-sich-alleine-Sein viel mehr als Ihnen.
    Wahrscheinlich neigen Sie dazu, ihn so zu behandeln, wie Sie gern behandelt werden möchten. Geht es ihm beispielsweise schlecht, oder ist er offensichtlich schlecht gelaunt, was läge näher, als sich ihm zuzuwenden, den Arm um seine Schulter zu legen und anteilnehmend zu fragen, was mit ihm sei!? Das wäre zwar genau das, was Ihnen an seiner Stelle gut täte! Für ihn hingegen kann es gerade dieses sein, was er jetzt «nicht abkann»!
    5. Keine taktierende Selbstverleugnung! Solche Unterschiede zu kennen und zu respektieren bedeutet nicht, das eigene Handeln nur noch auf die Eigenarten des Partners abzustimmen und so auf optimale Wirkung zu kalkulieren! Im Gegenteil, bleiben Sie sich selbst treu, mit allem, was dazugehört – und wenn Sie starke eigene Bedürfnisse spüren, dann versuchen Sie nicht kramphaft, es dem anderen «recht» zu machen. Gewiss, lassen Sie ihm seine Ruhe und seine Freiheit, soweit Sie das vermögen – aber verleugnen Sie sich nicht und geben sich nicht «großzügiger», als Sie wirklich im Augenblick sind! Zwar können Sie, wie Sie wahrscheinlich schon herausgefunden haben, durch geschicktes Taktieren einiges in Bewegung bringen, zum Beispiel wenn Sie ihm die kalte Schulter zeigen. Dann rappelt es in der Beziehungskiste, und manche Gefühle kommen durcheinander. Der Inhalt der Kiste bleibt jedoch der gleiche, und ein wirklicher Entwicklungsschritt ist noch nicht getan.
    6. Eigenentwicklung zur Autonomie. Diesen «wirklichen Entwicklungsschritt» können Sie nicht für ihn tun, sondern nur für

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