Nachtflug Zur Hölle
angreifen.«
»Einverstanden«, sagte der Navigator.
»Ebenfalls«, stimmte der Pilot zu. »Wichtig ist nur, daß sie alle vom Zielgebäude wegbleiben. Wer außer unseren Marines in seine Nähe kommt, wird beschossen.«
Der Pilot leitete mit 20 Grad Schräglage einen Linkskreis ein, in dessen Mitte der Sicherheitstrakt lag, und hielt genau 8000 Fuß Höhe. Während der ECM-Offizier sich auf gelegentliche Warnungen beschränkte, wählten die Sensor-Operatoren, der Navigator und der Waffenoffizier Ziele aus und bekämpften sie. Ihre 25- und 40-mm-Maschinenkanonen wurden mit kurzen Feuerstößen gegen Soldaten und ungepanzerte Fahrzeuge eingesetzt; die vom Piloten gerichtete und abgefeuerte riesige 10,5-cm-Haubitze vernichtete Panzer und Gebäude, hinter denen Gegner der Marines Deckung hätten finden können.
»Wieder ein Zeus!« rief der ECM-Offizier plötzlich.
Im Cockpit herrschte sofort Alarmstufe eins. Da ein ZSU-23-4 eine Spectre leicht abschießen konnte, mußten sie ihm schnellstens ausweichen – oder ihn vernichten. Der Waffenoffizier kuppelte die Sensoren sofort mit der Gefahrenwarnanzeige, und vier Augenpaare bemühten sich, den winzigen weißen Punkt zu finden, der einen Fla-Panzer bezeichnete. »Ich seh’ ihn nicht, verdammt, ich seh’ ihn nicht…«
Im nächsten Augenblick kam ein schrilles Trillern aus ihren Kopfhörern, während zugleich auf sämtlichen Bildschirmen an Bord die Warnung FLA-RADAR aufblinkte.
Der ZSU-23-4 stand rechts voraus und war sehr nahe, viel zu nahe.
»Fla-Radar hat uns erfaßt!« rief der ECM-Offizier. »Links wegkurven!«
Der Pilot legte die AC-130 in eine steile Linkskurve.
»Ich seh’ ihn! Weiterkurven… jetzt geradeaus!« verlangte der Copilot aufgeregt, als Hunderte von Leuchtspurgeschossen vom Boden aus nach ihnen griffen. Die Geschoßgarbe traf den rechten Außenflügel und rüttelte die ganze Maschine wie ein Spielzeug durch; als habe eine Riesenfaust sie erfaßt. »Treffer am Hellfire-Träger!« rief der Copilot. Flammen und grelle Lichtblitze hüllten die Flügelspitze ein. »Rechten Waffenträger abwerfen!«
Der Waffenoffizier klappte sofort die durchsichtige Abdeckung über dem Leuchtknopf FEUER WAFFENTRÄGER RECHTS hoch und drückte auf den Knopf. Der rechte Hellfire-Träger fiel vom Aufhängepunkt – nur Sekunden bevor eine der Lenkwaffen explodierte.
»Kann die Maschine nicht im Geradeausflug halten«, sagte der Pilot über die Bordsprechanlage. »Das Querruder ist blockiert…
Copilot, eingreifen …«
Sekunden später war eine andere Stimme zu hören: »Rattler Three, frei zum Angriff, mit Linkskurve abdrehen.« Eine der vier in der US-Botschaft zurückgebliebenen AH-1 Sea Cobra der Marines war dort gestartet, hatte zur AC-130 aufgeschlossen und griff jetzt den zweiten Fla-Panzer ZSU-23-4 an. Da dessen Besatzung sich ganz auf das größere Ziel konzentrierte, war es für den Waffenoffizier der Sea Cobra ein Kinderspiel, den Zeus zu finden und mit einer einzelnen Hellfire zu vernichten. »Volltreffer«, meldete der Hubschrauberpilot. »Habe Sie in Sicht, Congo Two. Sie ziehen rechts eine Kerosinfahne hinter sich her.«
Schon ein nur einsekündiger Feuerstoß eines ZSU-23-4 war gefährlich, weil das bekämpfte Flugzeug von 200 radargeführten Geschossen getroffen wurde, jedes einzelne von der Größe eines Hot Dogs. Das mörderische Feuer des zweiten Fla-Panzers hatte die rechten Flügeltanks durchlöchert. »Congo Two ist getroffen«, meldete der Pilot über Funk. »Kein Triebwerksbrand, aber stetiger Treibstoffverlust.«
An Bord der beiden Kipprotor-Flugzeuge MV-22 wußten alle, was das bedeutete: Die Spectre würde den Heimflug antreten. Ein Gunship AC-130 war ein zu teures und wichtiges Flugzeug, um es über Litauen aufs Spiel zu setzen.
Litauisches Bataillon vier
13. April, 03.40 Uhr
»Flugzeug eröffnet Feuer auf Artillerie von Bataillon eins«, meldete Major Drunga. »Ein Fla-Panzer zerstört. Hubschrauber im Anflug.«
Maziulis empfand sekundenlang Angst, die er jedoch rasch verdrängte. Mit Gegenangriffen war zu rechnen gewesen – dieser kam nur früher als erwartet. »Verdammt, wo bleibt Bataillon drei?«
Am Nachthimmel blitzte das Mündungsfeuer mehrerer großkalibriger Waffen auf, die gleichzeitig schossen, und Sekunden später rollten ohrenbetäubende Abschußknalle über die Landebahn hinweg.
Ein litauischer T-62 und mehrere Panzerfahrzeuge explodierten, Die Panzerfahrer waren zeitweilig geblendet und verwirrt, als sie durch
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