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Nachtflug Zur Hölle

Nachtflug Zur Hölle

Titel: Nachtflug Zur Hölle Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Dale Brown
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entfernt und deckten die Litauer mit einem Feuerhagel ein. Der Angriff war fehlgeschlagen; General Palcikas’ Westflanke würde sich auflösen…
    Plötzlich schien einer der Jagdpanzer BMP-90 einen Luftsprung zu machen. Als er wieder zu Boden krachte, schlugen helle Flammen aus dem abgesprengten Turm. Wenige Sekunden später zerplatzte ein Schützenpanzer BTR-60 wie eine überreife Melone. Der junge Offizier Drunga wußte nicht, wie er sich das erklären sollte, aber vor seinen Augen wurden die stärksten Offensivwaffen der Schwarzen Barette vernichtet.
    Zur Planung jedes Spectre-Einsatzes gehört ein »Knalleffekt« – ein großes explosives Ziel, dessen Vernichtung Schock und Verwirrung auslöst, damit das Flugzeug ungestört wegfliegen kann, während die eigenen Kräfte den demoralisierten Gegner angreifen. Es muß sich dabei um ein hochwertiges Ziel handeln, ja, er muß nicht einmal etwas mit dem Unternehmen zu tun haben. Das Ziel ist im Feuerleitcomputer gespeichert und kann jederzeit als Trumpf aus dem Ärmel gezogen werden.
    jetzt wurde es Zeit dafür…
    Die AC-130 verließ ihren Kreis ums Fisikus-Institut nach Süden und leitete vor ihrem letzten Ziel erneut eine Linkskurve ein. Für den Knalleffekt bei diesem Einsatz sollte ein großes Tanklager in der Nähe des Güterbahnhofs sorgen.
    Die 10,5-cm-Haubitze fand ihr Ziel und rief als krönenden Abschluß einen spektakulären Feuerball und eine gewaltige Explosion hervor, indem sie ein Dutzend Sprenggranaten in diese Tanks jagte.
    Die Druckwelle der Explosion warf Kesselwagen und Lokomotiven von den Gleisen und zertrümmerte im Umkreis von einigen Kilometern sämtliche Fensterscheiben. Die riesige AC-130 Spectre stieg von zwei Hubschraubern Sea Cobra begleitet in den Nachthimmel und hatte Wilna einige Minuten später hinter sich gelassen.
    Obwohl es nur kurze Zeit über dem Fisikus-Komplex blieb, hatte das von Major Drunga beobachtete Flugzeug die Hälfte der Panzerfahrzeuge der Schwarzen Barette vernichtet. Nachdem das Gunship die Kampfkraft der OMON-Truppen entscheidend dezimiert hatte, gelang es den Resten des litauischen Bataillons vier, über die Landebahn hinweg vorzustoßen und den Gegner in die Flucht zu schlagen.
    Kontrollturm, Radarstation, Tanklager und Betankungseinrichtungen wurden unbeschädigt eingenommen.
    Dominikas Palcikas war mit je einer Kompanie aus den Bataillonen eins und zwei zu einem Umgehungsmanöver unterwegs, um die östlichen Nachschubwege der Schwarzen Barette zu unterbrechen.
    Aber seine Truppen hatten das Konstruktionsbüro und den Sicherheitstrakt eingeschlossen, bevor ihm klar wurde, wie schnell und weit er quer über den Stützpunkt hinweg vorgestoßen war. Dann stieß er auf die aus Nordwesten kommenden Reste des Bataillons vier. Bataillon drei war inzwischen dabei, das Gelände jenseits der Landebahn zu säubern. »Drittes Bataillon beobachtet, daß Fahrzeuge durchs Südtor flüchten«, meldete der Funker. »Oberstleutnant Manomaitis hat die Verfolgung aufgenommen.«
    »Übermitteln Sie ihm, daß er nur Schwerfahrzeuge verfolgen soll«, befahl Palcikas. »Er soll mit seinen Leuten entlang der Südstraße in Stellung gehen, um sie wirksam zu sperren. Bataillon zwei wird schnellstmöglichst als Verstärkung herangeführt, aber zunächst ist allein er dafür verantwortlich, daß wir rechtzeitig vor etwaigen russischen Gegenangriffen aus der Darguziai-Kaserne gewarnt werden.«
    Wenig später brachte ein erbeuteter Geländewagen, an dem ein roter Wytis flatterte, Major Drunga, den stellvertretenden Kommandeur des Vierten, zu Palcikas. »Gut gemacht, Major. Wo ist Oberstleutnant Maziulis? Ich brauche eine seiner Kompanien zum Schutz der Landebahn.« Erst dann nahm der General Drungas Zustand richtig wahr. »Um Himmels willen, was ist passiert, Aras!«
    Der junge Offizier war schlimm zugerichtet. Sein Kampfanzug war zerfetzt, seine Hände zitterten unkontrolliert, und er blutete aus einer Schnittwunde an der linken Schläfe. »Sanitäter!« rief Palcikas laut. »So reden Sie doch, Aras!« Keine Antwort – nur leeres, verständnisloses Starren. Palcikas holte tief Luft und brüllte: »Major Drunga! Meldung!«
    Das schreckte den Major auf. Er nahm instinktiv Haltung an und wollte sogar grüßen, aber Palcikas hielt seine Hand fest, während ein Sanitäter sich daran machte, seine Kopfwunde zu versorgen. »Wir haben einen Volltreffer abgekriegt, General«, meldete Drunga heiser. »Die Granate hat unseren Befehlswagen zerstört.

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