du mit gegenstück meinst.
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aber nur, weil du heute so sanftmütig bist …
also hör gut zu: du bist das leben und ich bin der tod … hast du dir das nicht schon gedacht? wir gehören zusammen, obwohl wir keine gemeinsame zukunft haben. verstehst du, klarisse, meine sehnsucht nach dir ist unendlich und unerfüllbar. ich weiß, dass ich dich niemals besitzen kann, aber ich wollte dich wenigstens dieses eine mal spüren. es tut mir leid, wenn ich dich damit verletzt habe, aber das gehört zu meinem wesen. der tod ist unerbittlich – einfach ausgedrückt, mein engel: ich werde dir niemals glück bringen und du mir auch nicht, denn wir sind wie magnete mit gleichen polen. aber ich würde dir gerne ein geschenk machen.
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heißt das, ich darf mir etwas wünschen?
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das hast du doch schon längst, klarisse. ich bin nicht so töricht zu glauben, dass du mich jemals lieben wirst. das leben begehrt sich selbst und der tod das leben, doch er bekommt nur das, was ihm bereits geweiht ist.
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hast du nicht versprochen, es einfach auszudrücken?
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also gut, machen wir es kurz: mein geschenk an dich ist rouben.
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und was ist der preis dafür?
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geschenke haben keinen preis, sie kommen von herzen.
8
Der obere Teil von Jolins Fenster liegt im Schatten der Dachtraufe. Ich warte bis weit nach Mitternacht. Erst wenn alle Lichter im Haus verloschen, der Verkehr auf der Straße zur Ruhe gekommen und kaum noch ein Fußgänger anzutreffen ist, verlasse ich den Wagen. Die Temperaturen sinken in der Nacht auf ungefähr sechs Grad, doch die Kälte macht mir inzwischen kaum noch etwas aus.
Nachdem ich mich vergewissert habe, dass sich auch wirklich niemand auf dem Bürgersteig befindet, hangele ich mich auf das schmale Vordach über der Haustür und springe dann blitzschnell von Sims zu Sims, bis mich der Traufenschatten verschluckt.
Ich drücke das Fenster auf und setze mich vorsichtig auf Jolins Bettkante. Ihr blondes Haar glänzt im fahlen Licht, das von der Straßenbeleuchtung heraufscheint, ihre Lider flackern, und auf ihrem blassen Gesicht liegt der Ausdruck stummen, verbissenen Schmerzes.
»Kleine, tapfere, wunderschöne Jolin«, murmele ich. »Es tut mir so unendlich leid, dass ich dir all das antun muss. Ich habe es so viel besser als du … denn ich kann deinen Anblick jede Nacht genießen …« Zögernd strecke ich meine Hand aus und berühre sanft die zarte Haut ihrer nackten Schulter. »… dich streicheln … dich einfach lieben, ohne an dir zu zweifeln … dich bewachen und mein Leben für dich geben.«
Meine Fingerkuppen wandern ihren Hals entlang bis unter den Haaransatz in ihrem Nacken. Ich spüre das Pulsieren ihres Blutes, und ein heftiges trockenes Brennen breitet sich wie ein hungriges Feuer in meiner Kehle aus.
Die Versuchung ist nahezu übermächtig, aber ich werde ihr nicht erliegen. Die Wärme meiner Liebe wird hoffentlich immer größer sein als das Verlangen des Egos in meinem allmählich kälter werdenden Herzen.
Ich würde Jolin niemals ihr menschliches Leben nehmen, nur um sie an mich zu binden. Eher würde ich mich vom Licht der Sonne zerstören lassen.
Langsam beuge ich mich zu ihr herunter, streiche die gequälten Linien auf ihrer Stirn glatt und lege meinen Mund sanft auf ihre weichen rosigen Lippen.
Ich liebe dich, Jolin, das ist alles, was ich bin und was ich jemals sein möchte.
Die kommenden Wochen bis zum Monatsende verliefen besser, als Jolin befürchtet hatte. Obwohl Rouben in dieser Zeit nur viermal in der Schule erschien und sie kaum ein Wort miteinander wechselten, fühlte sie sich ihm auf eine unerklärliche Weise nahe.
Die dennoch immer wieder aufkommenden Zweifel an seiner Liebe kämpfte Jolin erfolgreich nieder. Rouben würde sie niemals belügen. Er würde ihr immer die Wahrheit sagen – sofern er sie selber kannte –, dessen zumindest versuchte sie sich sicher zu sein.
Ungeachtet dessen, was ihre Mutter oder Anna sagten, blieb Jolin im Augenblick einfach