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Ohne Gewaehr

Ohne Gewaehr

Titel: Ohne Gewaehr Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Renee R. Picard
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möchte deine Eltern und Geschwister kennenlernen, bevor wir
heiraten.«
    Bis zu meinem letzten Satz hatte Daniel noch gelächelt.
Doch es schien ihm nicht zu schmecken, dass ich unbedingt seine Familie
kennenlernen wollte. Irgendetwas verheimlichte er mir. Und was immer es war, es
hatte die Kraft, uns auseinanderzutreiben, sonst wäre er nicht so
geheimniskrämerisch darum bemüht, keinen Kontakt zuzulassen. Und immerhin
plagten ihn Albträume, die er auf seinen Stiefvater zurückführte. Schon deshalb
würde ich mit meiner Forderung nicht nachgeben.
    »Wenn du zustimmst, bin ich auch bereit, Kompromisse einzugehen,
was deine Vorstellungen von unserem Leben als Ehepaar angeht«, setzte ich nach,
als ich ihn zögern sah.
    Seine Augen blitzten sofort auf. »Was sind das für
Kompromisse? Wir liegen in unseren Ansichten so weit auseinander, da müsste
schon fast ein Wunder geschehen, damit wir uns je einigen.«
    »Wenn ich unsere Standpunkte zusammenfassen darf,
willst du ja wohl schnellstmöglich eine Familie gründen und ich soll zu Hause
darauf warten, dass du von der Arbeit heimkommst und Zeit für mich hast. Damit
es mir nicht so langweilig wird, machst du mir möglichst viele Kinder, die mich
tagsüber auf Trab halten, während du dich nachts um mich kümmern wirst. Ist das
richtig soweit?«
    Daniel schien den Spott in meiner Stimme nicht zu
bemerken. Mit geradezu mustergültiger Selbstbeherrschung bat er: »Sprich weiter,
ich sage gleich etwas dazu.«
    Ich setzte meine Zusammenfassung fort: »Am liebsten möchte
ich die Zeit noch eine Weile nur mit dir genießen, wenn die Anschläge und alles
andere endlich aufgeklärt sind. Ich möchte gern etwas Sinnvolles tagsüber
machen, nicht zu Hause sitzen und auf dich warten. Und Kinder will ich auf
keinen Fall in den nächsten Jahren.«
    Ich sah ihn erwartungsvoll an. Er sprach leise und sah mir
dabei direkt in die Augen. »Juliet, ich habe einen sehr anstrengenden Job und erwarte,
dass du mir zu Hause den Rücken frei hältst und für mich da bist, wenn ich nach
der Arbeit nach Hause komme. Ich verlange nicht von dir, dass du eine Art
Haushälterin wirst, ich habe genug Geld, um mir eine Putzfrau leisten zu
können. Aber ich möchte, dass du für mich immer verfügbar bist, zu jeder Tages-
und Nachtzeit. Deshalb will ich nicht, dass du irgendwo arbeiten gehst. Und ja,
Kinder sind auch dazu da, um dich von Ablenkungen fernzuhalten. Ich weiß, wie
ungeduldig du bist, da möchte ich lieber nicht riskieren, dass du auf dumme
Gedanken kommst. Hoffentlich kannst du mich verstehen?«
    Nein, das konnte ich nicht. In welchem Jahrhundert
lebten wir eigentlich? Hatte er noch nie etwas von Gleichberechtigung gehört?
Und wieso drehte sich hier alles nur um mich, warum wir sprachen kein Wort über
ihn? Vielleicht hätte ich mit extremeren Forderungen starten sollen, um eine
bessere Ausgangsposition für unsere Verhandlungen zu haben? Ich hätte verlangen
können, dass er sich als mein Sexsklave den ganzen Tag über bereithält. Das
gleiche hatte er schließlich eben von mir verlangt, wenn auch nicht ganz so
drastisch formuliert.
    Aber ich hatte ihm einen Kompromiss versprochen. 
    »Unter Umständen könnte ich mir vorstellen, nicht zu
arbeiten und nur weiter zu tanzen und bei meinem Musical mitzuwirken. Aber
Kinder sind ein klarer Dealbreaker, und ganz besonders im Plural. Ich habe
keinerlei familiären Rückhalt oder Unterstützung. Falls mit unserer Beziehung
etwas schiefgeht, stehe ich plötzlich als alleinerziehende, arbeitslose Mutter
da und kann nicht einmal meine Eltern um Hilfe bitten. Das würde mir zuviel
Angst machen, ich möchte nicht so abhängig von dir sein«, versuchte ich ihm meine
Ablehnung zu erklären.
    »Was meinst du damit? Wir reden gerade über unsere
Hochzeit und du planst schon die Scheidung? Geht es nicht eher darum, dass du
mit Kindern an mich gebunden wärst und nicht einfach weglaufen oder meine
Wünsche missachten kannst?«, warf er mit eisiger Stimme ein.
    Ja, natürlich ging es auch darum, aber eigentlich
fühlte ich mich einfach nur zu jung um solche gravierenden Beschlüsse zu
fassen, mit denen ich für den Rest meines Lebens klarkommen musste. Und es
ärgerte mich nun wirklich, dass wir kein Wort über ihn sprachen.
    »Können wir einen Augenblick lang nicht darüber
streiten, wann und wie viele Kinder wir uns wünschen, vielleicht ist es ja
besser, das einfach auf uns zukommen zu lassen? Wenn es passiert, passiert es
halt?«, versuchte ich

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