Olympos
an, dass sie verstanden – Harman, weil er mit Daeman und Savi vor neun Monaten in Jer u salem gewesen war; Ada und Petyr, weil sie die Geschichten g e hört hatten.
»Ein Strahl zum Himmel wie der, den wir in Jerusalem ges e hen haben?«, fragte Harman.
»Ja.«
»Wovon zum Teufel redet ihr?«, fragte die rothaarige Frau n a mens Oelleo.
Harman antwortete. »Letztes Jahr haben wir einen ähnlichen Strahl gesehen, in Jerusalem – einer Stadt in der Nähe des ausg e trockneten Mittelmeerbeckens. Savi, die alte Frau, die bei uns war, sagte, der Strahl bestünde aus … wie war das gleich noch, D a eman? Tachyonen?«
»Ja, ich glaube schon.«
»Tachyonen«, fuhr Harman fort. »Und sie behauptete, er enthie l te die gefangenen Codes aller Angehörigen ihres Volkes aus der Zeit vor dem letzten Fax. Dieser Strahl sei das letzte Fax.«
»Ich verstehe kein Wort«, sagte Reman. Er sah sehr müde aus.
Daeman schüttelte den Kopf. »Ich auch nicht. Ich weiß nicht, ob das Geschöpf, das durch das Loch gekommen ist, den Strahl mi t gebracht hat, oder ob der Strahl dieses Ding irgendwie nach Paris-Krater geholt hat. Aber es gibt noch mehr Neuigkeiten – und die sind noch schlimmer.«
»Ist das überhaupt möglich?«, fragte Peaen mit einem Lachen.
Daeman lächelte nicht. »Ich musste schnell aus Paris-Krater ve r schwinden – der Garlion-Knoten bedeutet inzwischen den sich e ren Tod, da sind überall Voynixe –, und da ich wusste, dass es hier noch nicht hell sein würde, bin ich nach Bellinbad, dann nach Ulanbat, Chom, Drid, zu Loman, nach Kiew, Fuego, Devi, Satle Heights, Mantua und schließlich zum Kapstadt-Turm g e faxt.«
»Um sie alle zu warnen«, sagte Ada.
»Ja.«
»Wieso ist das eine schlechte Nachricht?«, fragte Harman.
»Weil die Löcher sich sowohl in Chom als auch in Ulanbat au f getan haben«, sagte Daeman. »Die dortigen Zentren liegen ebe n falls unter einem Kokon aus blauem Eis. Und in beiden Überl e benden-Kolonien steigen die blauen Strahlen auf. Setebos war dort.«
28
Die rund vierzig Personen in dem Raum starrten einander ei n fach nur an. Dann ertönte ein wirrer Chor von Fragen. Daeman und Harman erklärten ihnen, was Caliban auf der Orbitalinsel über seinen Gott, Setebos, gesagt hatte: Er habe »so viele Arme wie ein Tintenfisch«.
Sie erkundigten sich nach Ulanbat und Chom. Daeman hatte Chom nur von ferne gesehen – ein wachsender Kokon aus blauem Eis. In Ulanbat, erzählte er ihnen, sei er in den achtun d siebzigsten Stock der Himmelskreise gefaxt und habe von der dortigen Rin g terrasse aus gesehen, dass das Loch ungefähr anderthalb Kilom e ter weit draußen über der Wüste Gobi gewesen sei; der Kokon aus Eismaterial habe die niedrigen Nebeng e bäude mit den unteren Etagen der Kreise verbunden. Der achtundsiebzigste Stock sche i ne sich noch oberhalb des Eises zu befinden – vorläufig.
»Hast du dort Menschen gesehen?«, erkundigte sich Ada.
»Nein.«
»Voynixe?«, fragte Reman.
»Hunderte. Im Eiskokon, darunter und drum herum. Aber nicht in den Kreisen.«
»Wo sind dann die Menschen?«, fragte Emme mit zittriger Stimme. »Wir wissen, dass Ulanbat Waffen hatte – wir haben sie ihnen für ihren Reis und ihre Textilien gegeben.«
»Sie müssen weggefaxt sein, als das Loch erschienen ist«, sa g te Petyr. Ada hörte deutlich heraus, dass der junge Mann mehr S i cherheit in seine Stimme legte, als er verspürte.
»Wenn sie weggefaxt sind«, sagte Peaen, »ich meine die Leute in Ulanbat und Chom, weshalb sind sie dann nicht als Flüch t linge bei uns aufgetaucht? Diese drei Knotenstädte – Paris-Krater, Chom, Ulanbat – beherbergen immer noch Zehntausende von Altmenschen wie uns. Wo sind sie? Wohin sind sie verschwu n den?« Sie sah Greogi und Casman an, die soeben von ihrem Nachtdienst beim Faxpavillon hereingekommen waren. »Greogi, Cas, sind heute Nacht Leute gekommen? Auf der Flucht vor i r gendwas?«
Greogi schüttelte den Kopf. »Der einzige Reisende war D a eman Uhr hier – spätnachts und dann noch einmal heute Mo r gen.«
Ada trat in die Mitte des Kreises. »Hört zu … wir treffen uns sp ä ter, um darüber zu reden. Im Moment seid ihr alle e r schöpft. Die meisten von euch waren die ganze Nacht auf den Beinen. Viele hatten noch nicht gegessen, als es losging. St o man, Cal, Boman, Elle, Anna und Uru haben ein umfangreiches Frühstück zubere i tet. Diejenigen von euch, die gleich Wachdienst haben – ihr kommt im Speisesaal als Erste dran. Trinkt
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