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Olympos

Titel: Olympos Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Dan Simmons
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ordentlich viel Kaffee. Ihr anderen solltet auch etwas essen, b e vor ihr eine Mütze Schlaf nehmt. Ich soll euch von Reman au s richten, dass der Eisenguss um zehn stattfindet. Um drei treffen wir uns alle zu einer Vollve r sam m lung im alten Ballsaal.«
    Die Menge löste sich in kleine Grüppchen auf, die sich ang e regt unterhielten, aber schließlich gingen alle hinaus, um zu frühst ü cken und sich ihren Pflichten zu widmen.
    Harman machte sich auf den Weg zur Krankenstube. Er fing Adas und Daemans Blick auf und machte eine Kopfbewegung in diese Richtung. Die beiden schlossen sich ihm an, während die letzten Nachzügler den Raum verließen.
     
    Mit leiser Stimme erklärte Ada Siris und Tom, den beiden Hei l kundigen, die den Verwundeten erste Hilfe geleistet und wä h rend der Nacht auf Noman aufgepasst hatten, sie sollten sich etwas zu essen besorgen. Die beiden schlüpften hinaus. Hannah saß am Bett, Daeman, Ada und Harman standen.
    »Wie in den alten Zeiten«, sagte Harman. Er meinte die Zeit vor neun Monaten, als sie alle fünf gemeinsam unterwegs g e wesen waren, auch zusammen mit Savi. Seither hatten sie kaum Zeit g e habt, miteinander allein zu sein.
    »Nur dass Odysseus stirbt«, sagte Hannah. Ihre Stimme war klanglos und rau. Sie hielt die linke Hand des Bewusstlosen und drückte sie so fest, dass alle miteinander verschränkten Finger, seine und ihre, weiß waren.
    Harman trat näher heran und musterte den Bewusstlosen. Seine gerade erst vor einer Stunde erneuerten Verbände waren blutg e tränkt. Seine Lippen waren so weiß wie seine Fingerspi t zen, und die Augen unter den geschlossenen Lidern bewegten sich nicht mehr. Nomans Mund war leicht geöffnet, und sein rasselnder Atem ging schnell, flach und ungleichmäßig.
    »Ich bringe ihn zur Golden Gate bei Machu Picchu«, erklärte Harman.
    Alle starrten ihn an. Schließlich sagte Hannah: »Du meinst, wenn er … stirbt? Um ihn zu begraben?«
    »Nein. Jetzt. Um ihn zu retten.«
    Ada grub ihre Finger so tief in Harmans Oberarm, dass er be i nahe zurückzuckte. »Wovon redest du?«
    »Von dem, was Petyr gesagt hat – Nomans letzte Worte, b e vor er gestern Abend in der Nähe der Mauer das Bewusstsein verl o ren hat –, ich glaube, er hat versucht, ihm zu sagen, dass wir ihn zur Krippe auf der Golden Gate zurückbringen sollen.«
    »Zu welcher Krippe?«, sagte Daeman. »Ich erinnere mich nur an die Kristallsärge.«
    »Kryotemporale Sarkophage.« Hannah betonte jede einzelne Silbe. »Ich weiß noch, dass ich sie in dem Museum dort gesehen habe. Und ich erinnere mich, dass Savi von ihnen gesprochen hat. Darin hat sie einige Jahrhunderte verschlafen – und drei Wochen, bevor wir sie kennen gelernt haben, den schlafenden Odysseus gefunden. Das hat sie zumindest behauptet.«
    »Aber Savi hat nicht immer die Wahrheit gesagt«, erwiderte Harman. »Vielleicht sogar nie. Odysseus hat zugegeben, dass er und Savi sich schon sehr, sehr lange kannten – dass die beiden es waren, die vor elf Jahren die Turin-Tücher unter die Leute g e bracht haben.«
    Ada hielt das Turin-Tuch hoch, das Daeman im anderen Zi m mer liegen gelassen hatte.
    »Und Prospero hat uns dort oben erklärt, an diesem Odysseus sei mehr dran, als wir verstehen könnten. Und Odysseus hat ein paarmal – nach etlichen Gläsern Wein – diese Krippe auf der Go l den Gate erwähnt. Er hat Scherze über seine Rückkehr zu ihr g e macht.«
    »Er muss die Kristallsärge … die Sarkophage gemeint haben«, sagte Ada.
    »Das glaube ich nicht.« Harman marschierte auf und ab, an den leeren Betten vorbei. Alle anderen Opfer der Kämpfe der verga n genen Nacht hatten beschlossen, sich in ihren Zimmern in Ardis Hall oder in den umliegenden Baracken zu erholen. Nur Noman war an diesem Morgen noch da. »Ich glaube, dass es auf der Go l den Gate noch etwas gibt, so etwas wie eine G e nesungskrippe.«
    »Blaue Würmer«, flüsterte Daeman. Sein blasses Gesicht wu r de noch blasser. Hannah war derart schockiert von dem Bild – ihre Zellen erinnerten sich an ihre Stunden in den mit Würmern gefül l ten Tanks der Klinik auf Prosperos Orbitalinsel, selbst wenn ihr Bewusstsein es nicht tat –, dass sie Odysseus ’ Hand losließ.
    »Nein, das glaube ich nicht«, sagte Harman rasch. »Bei uns e rem Aufenthalt auf der Golden Gate haben wir nichts gesehen, was den Genesungstanks in der Klinik ähnelte. Keine blauen Würmer. Keine orangefarbene Flüssigkeit. Ich glaube, die Kri p pe ist etwas anderes.«
    »Das

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