Olympos
vergönnt: Er hatte ihn in eine Dimensionsschicht unter der Quantenhülle der Ilium-Erde gesperrt. Okeanos konnte von den Göttern besucht werden, aber seine Nachkommen waren in den stinkenden Tartaros verbannt worden: Asia, Ione, Panthea und alle anderen Titanen, auch Okeanos ’ Bruder Kronos, Zeus ’ Vater, Okeanos ’ Schwester Rhea, Zeus ’ Mutter, und Okeanos ’ drei Töchter. Alle anderen männl i chen Nachkommen, die aus der Vereinigung von Erde und Gaia hervorgingen – Koios, Krios, Hyperion und Iapetos – waren ebe n so wie die anderen Töchter – Theia, Themis, Mnemosyne, die goldumkränzte Phoibe und die süße Tethys – nach Zeus ’ Jahrta u sende zurüc k liegendem Sieg auf dem Olympos ebenfalls hierher in den Ta r taros verbannt worden.
An all dies erinnert sich Achilles von seinen Lektionen zu Ch i rons Hufen. Das nützt mir wirklich verdammt viel, denkt er.
»Spricht es?«, dröhnt Panthea. Ihre Stimme klingt überrascht.
»Es quiekt«, sagt Ione.
Die drei riesigen Okeaniden beugen sich tiefer herab, um Achi l les ’ Verständigungsbemühungen zu lauschen. Jeder Ve r such ist schrecklich schmerzhaft für den Männertöter, weil er dazu eina t men und die schädliche Atmosphäre benutzen muss. Ein B e obachter hätte aus den daraus resultierenden Lauten korrekte r weise geschlossen, dass die suppendicke Tartaros-Atmosphäre neben Kohlendioxid, Methan und Ammoniak auch eine ung e wöhnliche Menge Helium enthält.
»Es klingt wie eine zerquetschte Maus«, lacht Asia.
»Aber sein Quieken hört sich andeutungsweise so an, als würde eine zerquetsche Maus eine Kultursprache zu sprechen vers u chen«, dröhnt Ione.
»Mit einem schrecklichen Dialekt«, stimmt Panthea zu.
»Wir müssen ihn zum Demogorgon bringen.« Asia beugt sich noch näher zu ihm.
Zwei riesige Hände heben Achilles grob hoch, wobei die ries i gen Finger den größten Teil des Ammoniaks, Methans, Kohlend i oxids und Heliums aus seinen schmerzenden Lungen pressen. Jetzt hat der Held der Argeier den Mund weit aufg e rissen und schnappt nach Luft wie ein Fisch auf dem Trock e nen.
»Der Demogorgon wird dieses seltsame Geschöpf sehen wo l len«, pflichtet Ione ihr bei. »Trage ihn, Schwester, bring ihn zum Demogorgon.«
»Bring ihn zum Demogorgon!!«, wiederholen die riesigen, inse k toiden Gestalten, die den drei Riesinnen folgen.
»Bring ihn zum Demogorgon!!«, ertönt das Echo größerer, wen i ger vertrauter Gestalten, die ihnen in größerem Abstand folgen.
66
Die Eiffelbahn endete am vierzigsten Breitengrad, an jener Kü s te, an der früher einmal ein Staat namens Portugal gelegen hatte, unmittelbar südlich von Figueira da Foz. Harman wusste, dass nur ein paar hundert Kilometer südöstlich die modulierten Kraf t feldschablonen namens »Hände des Herkules« den atla n tischer Ozean aus dem trockenen Mittelmeerbecken fern hielten, und wusste genau, warum die Nachmenschen das Becken trockeng e legt und wozu sie es fast zwei Jahrtausende lang b e nutzt hatten. Er wusste, dass nur ein paar hundert Kilometer nordöstlich von diesen Eiffelbahn -Endstation ein kreisförmiges Gelände von hu n dert Kilometern Durchmesser zu Glas ve r schmolzen war, wo vor dreitausendzweihundert Jahren das Globale Kalifat die Entsche i dungsschlacht mit der N.E.U. au s getragen hatte – mehr als drei Millionen Proto-Voynixe waren über zweihunderttausend todg e weihte menschliche Panzergr e nadierritter hinweggefegt. Harman wusste, dass …
Er wusste, dass er alles in allem zu viel wusste. Und zu wenig verstand.
Die drei – Moira, das materialisierte Prospero-Hologramm und Harman, der immer noch von den schlimmsten Kop f schmerzen seines Lebens geplagt wurde – standen auf der obersten Plattform des letzten Eiffelbahn -Turms. Harman hatte seine Seilbahnfahrt hinter sich – vielleicht für immer.
Hinter ihnen lagen die grünen Hügel des ehemaligen Port u gal. Vor ihnen lag der Atlantik; der Bruch setzte die Linie der Eiffe l bahn -Route genau in westlicher Richtung fort. Es war ein herrl i cher Tag – optimale Temperaturen, milde Brisen, keine Wolke am Himmel –, und das Sonnenlicht wurde vom Grün auf den Kli p pen, dem weißen Sand und den weiten blauen Fl ä chen beiderseits der Kerbe des atlantischen Bruchs reflektiert. Obwohl Harman wusste, dass er selbst vom höchsten Punkt des Eiffelbahn -Turms aus nur rund hundert Kilometer weit nach Westen schauen kon n te, hatte er das Gefühl, dass die Sicht tausend Kilometer weit
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