Pern 12 - Die Delphine von Pern
auszusprechen -»linguistische Verschiebungen mit einzubeziehen. Aber das müssen wir den Harfnern ja nicht auf die Nase binden. Mit meiner Schwester, der Meisterharfnerin, will ich es mir gewiß nicht verderben. Oh, kaum sage ich ihren Namen, ist sie auch schon da! Guten Tag wünsche ich dir, Meisterin Menolly.«
»Guten Tag, Meister Alemi, mein Bruder. Guten Tag, T'lion, Gadareth. Es ist wirklich nett von euch, daß ihr mich so geduldig herumfliegt«, bemerkte Menolly und packte die Riemen ihres Bündels. »Bist du böse, wenn wir gleich losfliegen, Alemi? In der Reitkleidung ist es so heiß. Du hast mir Fisch mitgebracht? Danke, 'Lemi. Du verwöhnst mich wirklich.
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Camo?«
Der große Mann kam herbei, den glucksenden Robse auf dem Rücken.
»Hier, mein Guter, leg die ins Kühlfach, bitte.« Sie zog ihn am Ärmel, so daß er ihr direkt ins Gesicht schaute. »Was sollst du mit dem Fisch machen, Camo?«
»Fisch?« gab Camo zurück, und mit leerem Gesichtsausdruck versuchte er sich zu erinnern, was sie ihm gerade gesagt hatte.
»Ins Kühlfach tun.«
»Richtig.« Sie drehte ihn um und schob ihn sanft auf die Tür zu. »Ins Kühlfach damit, Camo. Und dann bring Robse zu
'Mina.«
»Fisch in Kühlfach, Robse zu 'Mina«, murmelte Camo bei sich und sagte die Anweisungen ständig vor sich hin, während er sie ausführte, wobei Robses glückliches Lachen kontrapunk-tisch in diese Litanei hineinklang.
»Na also, nochmals danke, 'Lemi, und mach's gut. Laß uns losfliegen, T'lion, bevor ich noch mein Frühstück ausschwit-ze.«
Als sie zu dem wartenden Bronzedrachen hinübergingen, fragte Menolly den Jungen, worüber er und Alemi sich so ernsthaft unterhalten hatten.
»Oh, dies und das«, antwortete T'lion in unverfänglichem Ton, denn er wollte nicht erwähnen, was Alemi über die linguistischen Verschiebungen und die Harfner gesagt hatte.
»Du hast Alemi ein oder zweimal befördert?« fragte sie beiläufig.
»Ja, ich habe häufig Transportaufgaben«, antwortete T'lion.
»Geht es noch mit dem Aufsteigen, Meisterin Menolly?«
»Aber natürlich.« Sie lachte trällernd und machte sich daran, es zu beweisen. Allerdings verlangte es tatsächlich einige Anstrengung, ihren schweren Körper in die richtige Lage zwischen Gadareths stabile Nackenwülste zu hieven. »Wie gut, daß du einen Bronzedrachen hast. Auf einen Blauen oder 111
Braunen würde ich jetzt überhaupt nicht mehr passen.« Dann, gerade bevor T'lion seinen Bronzenen abheben ließ, fügte sie bedauernd hinzu: »Und bald, fürchte ich, werde ich auch nicht mehr auf Gadareth passen. Dann muß ich wohl meinen Bruder dazu kriegen, mich mit dem Schiff zum Landsitz bei der Meeresbucht zu befördern.«
»Oder ich könnte die Leute, die Sie treffen müssen, zu Ihnen bringen«, rief T'lion über die Schulter gewandt.
»Das auch, wenn es hart auf hart geht«, schrie sie zurück, und dann brachte die Unmöglichkeit, gegen den Flugwind anzu-sprechen, sie beide zum Schweigen.
Das war T'lion ganz recht, weil er sich nicht sicher war, ob er seine Begegnungen mit den Delphinen irgend jemandem
gegenüber erwähnen sollte. Nicht einmal gegenüber Meisterin Menolly, die sich immer so freundlich verhielt, daß man fast vergessen konnte, eine der bedeutendsten Meister auf Pern vor sich zu haben.
Eine Archivistin, wie sie sich dieser Tage zuhauf im Landsitz bei der Meeresbucht aufhielten, befand sich auf der Veranda und eilte zu ihnen herunter, als sie ankamen.
»Meisterin Menolly, Meister Robinton möchte gerne, daß sie heute noch nach Landing kommen. Akki hat Zeit gehabt, weitere Musik freizugeben.« Die Augen der Gesellin glänzten vor Eifer. »Ich habe gehört, sie soll einfach wundervoll sein.«
»Oh, das müssen die Sonaten sein, die schon lange für uns kopiert werden sollten«, bemerkte Menolly und rutschte nach dem langen Ritt ein wenig hin und her. »Na, dann los, T'lion!
Dann kann ich auch sehen, wie es Sharra geht. Sie ist auf den Dämmerschwestern mit mir nach Süden gekommen.«
Während des ganzen Flugs nach Landing fragte T'lion sich, was er wohl tun würde, wenn sie das Baby während eines Transports bekam. Seine Mutter hatte ihre Babies immer in der Nacht bekommen, und er und seine Brüder wurden dann aus dem Haus geschickt. Man würde ihm nie verzeihen, wenn 112
Meisterin Menolly unter seiner Obhut etwas zustoßen sollte. Er würde Mirrim danach fragen.
Dieses Problem lenkte ihn von der Tatsache ab, daß er nun auf seine vergnügten Stunden mit
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