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Pfad der Schatten reiter4

Pfad der Schatten reiter4

Titel: Pfad der Schatten reiter4 Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: britain
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nie war ihr so etwas begegnet wie Osric, der so starr auf sein Pferd gebunden gewesen war.
    Und die klaffenden Höhlen, wo seine Augen hätten sein sollen …
    Neben ihr war Yates bewusstlos zusammengesunken, den Kopf auf dem Tisch und einen umgekippten Kelch neben seiner halb geöffneten Hand, und der saure Geruch des Weines lag schwer in der Luft. Garth saß in einem Lehnsessel vor dem Kamin, betrunken und still, mit glasigen Augen.
    Karigan trank nichts. Sie zitterte so, dass sie nicht einmal ein Glas halten konnte. Sie hatte auch ihre Uniform nicht ausgezogen  – nicht einmal die Stiefel oder den Umhang.
    Sie alle kannte die Risiken. Jedes Mal, wenn einer von ihnen im Auftrag des Königs aufbrach, bestand die sehr reale Möglichkeit, dass er nicht zurückkehren würde.
    Aber dies war etwas anderes. Niemand rechnete damit, so zurückzukehren wie Osric.
    Welche Farbe hatten seine Augen gehabt? Karigan stellte fest, dass sie sich nicht erinnern konnte.
    Plötzlich kam Mara zurück. Sie stand in der Tür und sah sich um, als wäre sie betäubt, dann ging sie zum Tisch und setzte sich auf einen Stuhl neben Karigan.

    »Ich hatte vorhin keine Gelegenheit, dir das zu sagen«, sagte sie, »aber ich freue mich, dass du zurück bist. Ist dein Besuch bei deiner Familie gut verlaufen?«
    Karigan nickte. Vielleicht würde sie Mara später, wenn etwas Zeit vergangen war, die Einzelheiten erzählen. Im Augenblick schien das alles sehr weit weg und unwichtig zu sein.
    »Mara, was ist mit Osric passiert? Wo war er?«
    Mara rieb sich die Augen, als wollte sie ein Bild wegwischen. »Er hat Birch beschattet. Offensichtlich wurde er dabei gefasst.«
    Birch. Das Zweite Reich. Sie hatten in den dunkelsten Wintermonaten bereits Constance und Harry verloren. Auch sie hatten Birch beschattet.
    »König Zacharias meint, dass Birch uns verhöhnt«, fuhr Mara fort. »Deshalb hat er Osric so zu uns zurückgeschickt. Unsere Reiter sind gut, aber Birch lässt uns wissen, dass er noch besser ist und weiß, dass der König ihm nachspioniert.« Sie ballte die Fäuste. »Osric wird gerade für die Reise nach Hause zu seiner Mutter in D’Ivary vorbereitet. Ich habe Tegan schon ausgeschickt, um ihr die Nachricht zu überbringen.«
    »Und Petrel?«
    »Wir werden sie auf der Weide begraben.«
    Karigan nickte. Kein Reiterpferd landete beim Abdecker. Trotzdem fand sie es schade, dass Pferd und Reiter nicht zusammen bestattet wurden, aber sie wusste, wie unpraktisch das gewesen wäre. Sie zweifelte nicht daran, dass das Paar im Jenseits wieder vereint war und gemeinsam zwischen den Sternen galoppierte.
    »Wer ist Elgin Foxsmith?«, fragte sie
    Mara lächelte, auch wenn es nur ein müdes Lächeln war. »Mein Vorgänger, beziehungsweise einer meiner Vorgänger. Er war Chef der Reiter, als unser Hauptmann lediglich eine Reiterin war. Sie hat ihn vor einigen Wochen gebeten, herzukommen
und uns mit den neuen Reitern zu helfen, aber wir haben nicht mehr mit ihm gerechnet. Und heute ist er doch noch erschienen. Ehrlich gesagt, hätte er dazu keinen besseren Zeitpunkt wählen können.«
    Als es nichts mehr zu sagen gab, half Karigan Mara dabei, Yates ins Bett zu bringen. Garth war zu groß und schwer, als dass sie ihn hätten wegschleppen können, also ließen sie ihn in seinem Sessel sitzen und ins Feuer starren.
    Schließlich ging Karigan in ihre eigene Kammer. Die Tür stand einen Spalt offen, und als sie eintrat, fand sie ihre Bettdecke wie üblich übersät mit ganzen Büscheln weißer Katzenhaare. Der großzügige Spender lag auf ihrem Kopfkissen und streckte die Beine in die Luft. Geisterkätzchen, das in Wirklichkeit gar kein Geist war, sondern eine der Katzen, deren Pflicht es war, die Grüfte auf der Suche nach Ratten zu durchstreifen, nahm ihre Ankunft lediglich mit einem winzigen Schwanzzucken zur Kenntnis.
    »Na sieh mal an, wer sich hier häuslich niedergelassen hat«, sagte Karigan.
    Sie stellte ihre Satteltaschen ab, nahm die Botentasche von der Schulter und zog endlich ihren Umhang aus. Sie setzte sich auf ihr Bett und streichelte Geisterkätzchens Wange, wofür sie mit einem lauten Schnurren belohnt wurde.
    Sie würde heute Nacht Albträume haben, aber zumindest würde sie nicht allein sein.

KREISE UND FORM
    Die Reiter hielten einen Gedenkkreis für Osric ab, ein Brauch, den die Reiter vor Jahrhunderten praktiziert hatten, bevor er in Vergessenheit geriet und dann dank Karigan wiederentdeckt und wiederbelebt worden war; sie hatte einer

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