Privatdetektive (16 Romane in einem Band)
schützen damit nur den wahren Täter.“
Sie schluckte, rang noch einen Moment mit sich selbst und sagte dann: „Also mein Vater kommt … kam viel herum“, verbesserte sie sich, „und es geschah auch immer wieder mal, dass hier Leute anriefen, die mit ihm irgendwas abgemacht hatten, von dem ich keine Ahnung hatte. Deshalb kann ich auch nicht wirklich ausschließen, dass er in den letzten Monaten oder Wochen Kontakt mit jemandem hatte, der Mitglied dieses Motorradclubs war.“
Motorradclub ist gut, dachte Berringer.
„Aber …“, setzte sie noch an und stockte dann.
„Aber was?“
„Als ich hier anfing, hat er auch ein paar Hochleistungsarmbrüste weiterverkauft. Er betrieb den Sport ja selbst und kannte sich damit aus.“
„Sie auch.“
Sie ging nicht auf seinen Einwurf ein, sondern sprach einfach weiter: „Das war Importware allerbester Qualität, aber sie entsprachen nicht den Wettbewerbsnormen.“
„Und an wen hat er sie weiterverkauft?“
„An einen Typen, der hier auftauchte und eine Jacke trug, auf der MEAN DEVVILS
stand. Mit Doppel-V. Ich dachte erst: Selbst ich als abgebrochene Hauptschülerin kann das richtig schreiben, aber der …“
„Name?“, fragte Berringer.
„Keine Ahnung. Aber der Kerl hatte so 'nen komischen Bart.“
„Was heißt komisch?“
„Zu drei Zöpfen geflochten. Also, so was Abgefahrenes sieht man selten, muss ich sagen.“
Als Berringer das Büro verlassen hatte, klingelte sein Handy. Es war Vanessa. Ihre Internet-Recherche war offenbar ganz erfolgreich gewesen.
„Der Tote wurde in der Presse immer nur Mike H. genannt“, sagte sie. „Die näheren Umstände …“
„Lass mich mal raten“, unterbrach er sie. „In den Artikeln werden zufällig die MEAN
DEVVILS erwähnt?“
„Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft haben ergeben, dass der Tote wohl im Zuge einer Auseinandersetzung zwischen rivalisierenden Rockerbanden ums Leben kam“, berichtete Vanessa. „Die MEAN DEVVILS waren offensichtlich beteiligt, aber es konnte nie geklärt werden, wer damals der Täter war. Hier steht auch etwas von einem WASP-Knife …“
„Und?“
„Für die Staatsanwaltschaft war das eine unbewiesene Hypothese, die auch durch das gerichtsmedizinische Gutachten weder bestätigt noch entkräftet werden konnte. Zitat:
‚Ich kann die Bevölkerung beruhigen. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass Stichwaffen dieser Art in Mönchengladbach geführt werden.’“ Wer das von sich gegeben hatte, wollte Berringer gar nicht wissen.
Berringer fuhr zurück nach Düsseldorf. Er hatte Hunger, und außerdem wollte er wissen, ob die NAMENLOSE inzwischen wirklich gut vertäut an jenem Platz lag, der für das Hausboot vorgesehen war. Eigentlich gab es keinen Grund, van Leye und Mark Lange zu misstrauen. Aber die NAMENLOSE war nun mal sein Ein und Alles.
Seit sein zweites Leben begonnen hatte, brauchte er dieses Rückzugsrefugium mit der zumindest fiktiven Möglichkeit, einfach ablegen und davonfahren zu können.
Bis zu Andersons Razzia im FLASH musste er zurück in Mönchengladbach sein, aber bis dahin war noch Zeit. Mal sehen, ob ich da jemanden treffe, der seinen Bart zu Zöpfen geflochten trägt, ging es ihm durch den Kopf. Der Typ wäre mit Sicherheit ein interessanter Gesprächspartner.
Die MEAN DEVVILS hatten sich also von Eckart Krassow Armbrüste besorgen lassen. Die Unterhaltung mit Tanja Runge hatte sich wirklich gelohnt.
Aber Berringer hatte trotz allem das Gefühl, den springenden Punkt bei der Sache noch nicht erkannt zu haben. Es musste da noch irgendeine andere Verbindung geben.
Irgendetwas, das all das, was geschehen war, in einem neuen Licht erscheinen ließ.
Man sprach so oft von sinnloser Gewalt. Aber nach Berringers Erfahrung hatte Gewalt meistens sehr wohl ihren Sinn, nur dass der nicht immer offensichtlich war.
Diesen Sinn galt es zu erkennen, wollte man einen Täter überführen.
Während der Fahrt versuchte ihn Wiebke Brönstrup anzurufen. Berringer sah ihren Namen auf dem Display des Handys, das er in der Freisprechanlage hatte. Er überlegte, ob er den Anruf entgegennehmen sollte. Aber ehe er seine Gedanken soweit geordnet hatte, dass er mit ihr hätte sprechen können, hörte der Apparat auf zu dudeln, und der Name verschwand vom Display. Stattdessen erschien die Anzeige: 1
ANRUF IN ABWESENHEIT.
Ist besser so, dachte er.
Zuerst musste er ein paar andere Dinge hinter sich bringen.
Berringer erreichte den Hafen. Es war seltsam, die NAMENLOSE
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