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Sämtliche Dramen

Sämtliche Dramen

Titel: Sämtliche Dramen Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: William Shakespeare
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schwör’ ich – wohl verdient
    Er langes Leben und sein Silberhaar
    Durch diese Tat fürs Vaterland – im Paß,
    Er mit zwei Knaben (Kindern, mehr geeignet
    Zu munterm Tanze als zu solchem Morden;
    Mit Angesichtern wie für Larven, schöner
    Als die verhüllt Scham oder Reiz bewahren),
    Schützt’ nun den Weg und rief den Flücht’gen zu:
    »Der brit’sche Hirsch stirbt auf der Flucht, kein Krieger:
    Zur Hölle rennt, ihr rückwärts Flieh’nden! Steht,
    Sonst macht ihr uns zu Römern, und wir schlachten
    Wie Vieh euch, die ihr viehisch lauft; euch rettet
    Ein zornig Rückwärtsschauen; steht, o steht!« –
    Die drei, dreitausend durch Vertraun, und wahrlich,
    Nicht minder waren sie’s durch Kraft und Tat
    (Drei Helden sind das Heer, wenn alle andern
    Ein Nichts sind), mit dem Worte: »Steht, o steht!«,
    Begünstigt durch den Platz, doch mehr noch zaubernd
    Durch eignen Adel (der wohl wandeln konnte
    Zum Speer die Kunkel), entflammten matte Blicke,
    Halb Scham, halb muterneut; und manche, feige
    Durchs Beispiel nur (oh, eine Sünd’ im Kriege,
    Verdammt im ersten Sünder!), wandten um
    Auf ihrem Weg, und schäumten, Löwen gleich,
    Dem Jägerspieß entgegen. Da entstand
    Ein Anhalt der Verfolgung, Rückzug; schnell
    Verwirrung, Niederlage: – die als Adler
    Daher gestürmt, entfliehn als Tauben; Sklaven,
    Wo sie als Sieger prangten; unsre Memmen
    (Wie Brocken auf bedrängter Seefahrt) wurden
    Nun Lebensrettung in der Not; die Hintertür
    Der unbewachten Herzen offen findend,
    O Himmel, wie nun hieben sie! Auf schon
    Erschlagne, Sterbende, auf Freunde, die
    Die vor’ge Woge überwälzte: zehn,
    Die einer jagte; jeder ist nun jetzt
    Von zwanzigen der Schlächter: die eh’r sterben
    Als kämpfen wollten, sind des Felds Entsetzen.
    Lord
.
    Wie sonderbar:
    Ein enger Paß! Zwei Knaben und ein Greis!
    Posthumus
.
    Nicht wundert Euch! Ihr staunt wohl lieber, hört Ihr
    Von Taten, als Ihr selber welche tut.
    Wollt Ihr’s im Reim, als Spottgedicht? So klingt’s:
    Zwei Knaben und ein Greis, zweimal so alt als beide,
    Ein Paß, ward uns zum Hort, dem Feind zum Leide.
    Lord
.
    Nun, seid nicht böse!
    Posthumus
.
    So war’s nicht gemeint.
    Wer vor dem Feind nicht steht, dem bin ich Freund:
    Denn, tut er seiner Art nach, sicherlich
    Läßt er auch meine Freundschaft bald im Stich.
    Ich komm’ ins Reimen schon.
    Lord
.
    Geht, Ihr seid böse.
    Geht ab.
    Posthumus
.
    Doch gehn? Das heißt ein Lord! O Adelsheld!
    Fragt in der Schlacht, wie’s um die Schlacht bestellt!
    Wie mancher heut gab seine Ehre preis,
    Den Leichnam nur zu retten! Lief davon,
    Und starb doch! Ich, durch Schmerzen fest gemacht,
    Fand nicht den Tod, wo ich ihn ächzen hörte;
    Fühlt’ ihn nicht, wo er schlug; ein Untier, scheußlich
    Seltsam, verbirgt er sich im lust’gen Becher,
    Im sanften Bett und süßen Wort; hat mehr
    Bedient’ als wir, die seine Klingen zücken.
    Sei’s, dennoch find’ ich ihn:
    Denn, wie ich jetzt den Briten beigestanden,
    Bin ich nicht Brite mehr und nehme wieder
    Das Kleid, in dem ich kam.
    Er wechselt die Kleider.
    Nicht fecht’ ich mehr,
    Ich gebe mich dem schlechtsten Bauer, der
    Mich nur berührt. Groß ist der Mord, den hier
    Der Römer angestellt; schwer muß sich rächen
    Der Brite. Ich – mein Lösegeld sei Sterben,
    Um Tod wollt’ ich auf beiden Seiten werben;
    Denn länger soll er mir nicht widerstehn,
    Und so vollend’ ich’s denn für Imogen.
    Es kommen zwei britische Hauptleute und Soldaten.
    Erster Hauptmann
.
    Dank allen Göttern! Lucius ist gefangen:
    Man hält die Knaben und den Greis für Engel.
    Zweiter Hauptmann
.
    Ein vierter Mann war noch, im schlechten Rock,
    Der auch den Feind zurücktrieb.
    Erster Hauptmann
.
    So erzählt man;
    Doch alle sind verschwunden. – Halt! Wer bist du?
    Posthumus
.
    Ein Römer,
    Der nicht hier um sich triebe, hätten andre
    Wie er getan.
    Zweiter Hauptmann
.
    Legt Hand an ihn; ein Hund!
    Es soll kein Bein zurück nach Rom und sagen,
    Wie hier die Kräh’n sie hackten. Er stolziert,
    Als wär’ er Großes; bringt ihn hin zum König!
    Cymbeline tritt auf mit Gefolge; Bellarius, Guiderius, Arviragus und römische Gefangne. Die Hauptleute führen Posthumus vor Cymbeline, welcher ihn einem Kerkermeister übergibt; darauf gehn alle ab.
    ¶

Vierte Szene
    Gefängnis.
    Posthumus tritt auf mit zwei Kerkermeistern.
    Erster Kerkermeister
.
    Jetzt stiehlt Euch keiner, Ihr seid angeschlossen;
    Grast, wenn Ihr Weide habt.
    Zweiter Kerkermeister
.
    Ja, oder Hunger.
    Sie

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