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Sämtliche Dramen

Sämtliche Dramen

Titel: Sämtliche Dramen Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: William Shakespeare
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jeglicher ein Weh und bittre Klage
    Sind über den, der schuldig Schwerter wetzte,
    Die so die kurze Sterblichkeit verheeren.
    Nach der Beschwörung sprecht, mein würd’ger Herr:
    Wir wollen’s merken und im Herzen glauben,
    Das, was Ihr sagt, sei im Gewissen Euch
    So rein wie Sünde bei der Tauf’ gewaschen.
    Canterbury
.
    So hört mich, gnädiger Monarch, und Pairs,
    Die diesem Herrscherthron eu’r Leben, Treue
    Und Dienste schuldig seid: – nichts einzuwenden
    Ist wider Seiner Hoheit Recht an Frankreich,
    Als dies, was sie vom Pharamund ableiten:
    »In terram Salicam mulieres ne succedant.«
    Auf Weiber soll nicht erben Salisch Land.
    Dies Sal’sche Land nun deuten die Franzosen
    Als Frankreich fälschlich aus, und Pharamund
    Als Stifter dieser Ausschließung der Frauen.
    Doch treu bezeugen ihre eignen Schreiber,
    Daß dieses Sal’sche Land in Deutschland liegt,
    Zwischen der Sala und der Elbe Strömen,
    Wo Karl der Große, nach der Unterjochung
    Der Sachsen, Franken angesiedelt ließ,
    Die, aus Geringschätzung der deutschen Frau’n,
    Als die in unehrbaren Sitten lebten,
    Dort dies Gesetz gestiftet, daß kein Weib
    Je Erbin sollte sein im Sal’schen Land,
    Das, wie ich sagte, zwischen Elb’ und Sala
    In Deutschland heutzutage Meißen heißt.
    So zeigt sich’s klar, das Salische Gesetz
    Ward nicht ersonnen für der Franken Reich;
    Noch auch besaßen sie das Sal’sche Land,
    Als bis vierhunderteinundzwanzig Jahre
    Nach dem Hinscheiden König Pharamunds,
    Den man den Stifter des Gesetzes wähnt.
    Er starb im Jahr nach unsers Heiland Kunft
    Vierhundertsechsundzwanzig, und Karl der Große
    Bezwang die Sachsen, setzte Franken ein
    Jenseit des Flusses Sala, in dem Jahr
    Achthundertfünf. Dann sagen ihre Schreiber,
    König Pippin, der Childrich abgesetzt,
    Gab Recht und Anspruch vor an Frankreichs Krone
    Als allgemeiner Erbe, von Blithilden,
    Der Tochter stammend Königes Chlotar.
    Auch Hugo Capet, der die Kron’ entriß
    Herzogen Karl von Lothring, einz’gem Erben
    Vom echten Haus und Mannsstamm Karls des Großen,
    Mit ein’gem Schein den Anspruch zu beschönen,
    Der doch in Wahrheit schlecht und nichtig war,
    Gab sich als Erben aus von Frau Lingaren,
    Der Tochter Karlmanns, der von Kaiser Ludwig
    Der Sohn war, so wie Ludewig der Sohn
    Von Karl dem Großen. Auch Ludwig der Zehnte,
    Des Usurpators Capet einz’ger Erbe,
    Konnt’ im Gewissen keine Ruhe haben
    Bei Frankreichs Krone, bis man ihm erwies,
    Daß Isabell’, die schöne Königin,
    Von der er Enkel war in grader Reih’,
    Abstamme von Frau Irmengard, der Tochter
    Des vorerwähnten Herzogs Karl von Lothring;
    Durch welche Eh’ die Linie Karls des Großen
    Mit Frankreichs Krone neu vereinigt ward,
    So daß so klar wie Sonnenlicht erscheint:
    Das Recht Pippins und Hugo Capets Vorwand
    Und Ludewigs Beruhigung, sie gründen
    Sich auf der Frauen Recht und Anspruch alle;
    Wie Frankreichs Kön’ge tun bis diesen Tag,
    Wiewohl sie gern das Salische Gesetz
    Behaupten möchten, Euer Hoheit Anspruch
    Von Frauen Seite damit auszuschließen,
    Und lieber sich verstricken in ein Netz,
    Als die verdrehten Rechte bloß zu legen,
    Von Euch und Euren Vordern angemaßt.
    König Heinrich
.
    Kann ich nach Pflicht und Recht die Fod’rung tun?
    Canterbury
.
    Die Sünde auf mein Haupt, gestrenger Fürst!
    Denn in dem Buch der Numeri steht geschrieben:
    »Der Tochter sei das Erbe zugewandt,
    Wenn der Sohn stirbt.« Behauptet, gnäd’ger Herr,
    Was Euch gebührt; entrollt Eu’r Blutpanier,
    Schaut Euch nach Euren mächt’gen Ahnen um,
    Geht, Herr, zu Eures Ältervaters Gruft,
    Auf den Ihr Euch mit Eurer Fod’rung stützt;
    Ruft seinen tapfern Geist und Eduards an,
    Des Schwarzen Prinzen, Eures Großoheims,
    Der dort auf fränk’schem Grund ein Trauerspiel,
    Die Macht von Frankreich schlagend, aufgeführt,
    Indes sein großer Vater lächelnd stand
    Auf einer Höh’ und seinen jungen Löwen
    Sich weiden sah im Blut des fränk’schen Adels.
    O edle Englische, die trotzen konnten
    Mit halbem Heere Frankreichs ganzem Stolz,
    Und lachend stand dabei die andre Hälfte,
    Ganz unbeschäftigt und um Kampf verlegen.
    Ely
.
    Weckt die Erinn’rung dieser tapfern Toten,
    Mit mächt’gem Arm erneuet ihre Taten!
    Ihr seid ihr Erb’, Ihr sitzt auf ihrem Thron,
    Das Blut, der Mut rinnt in den Adern Euch,
    Der sie erhob; mein dreimal mächt’ger Fürst
    Ist in dem Maienmorgen seiner Jugend,
    Zu Tat und großer Unternehmung reif.
    Canterbury
.
    Die Herrn der Erde, Eure

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