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Salomes siebter Schleier (German Edition)

Salomes siebter Schleier (German Edition)

Titel: Salomes siebter Schleier (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Tom Robbins
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Sturz vom Fenstersims in tausend Stücke zerbrochen wäre. Sie hat auf den Rat eines verdorbenen, heidnischen Werkzeugs onanistischer Freuden gehört, und so weit ist es nun gekommen. Die Tänzerin vollführt mit kreisenden Hüften und bebenden Arschbacken, zitternd wie ein Blatt im Wind, einen Shimmy, der mit einem doppelten Hüftschwenk endet. Shaftoe lässt Spoon gegen sein Bierglas rattern. «Liebe Güte!», wimmert sie. «Heilige Maria, erlöse mich.»
    Spoons Gebet wird erhört. Der Streifenpolizist betritt das I & I, schiebt Teddy beiseite und geht mit großen Schritten auf Shaftoe zu. Er schreit dem Detective etwas in sein Blumenkohlohr. «Der Captain sagt, Sie solln nach Uptown kommen, und zwar schleunigst.» Shaftoe brummt, wirft fünf Dollar auf den Tisch und geht rückwärts aus dem Lokal, ohne die Augen von Salome zu wenden. Er hat keinen Atemzug damit verschwendet, Raoul zu fragen, ob er ihn mitnehmen kann.
    Als sie draußen sind, sagt der Polizist: «Als ich dem Captain erzählt hab, wo Sie sind, hat er fast ’nen Anfall gekriegt. Als ich ihm erzählt hab, was Sie dadrin machen, mussten sie ihm ’ne Herzmassage verpassen.»
    Shaftoe spuckt aus. «Wenn der Mistkerl gesehen hätte, was ich heute Abend gesehen habe, würd er mehr brauchen als ’ne Herzmassage, um seinen Arsch wieder hochzukriegen.»
    Zögernd dreht Shaftoe dem I & I den Rücken zu und folgt dem Fahrer um die Ecke zur Forty-ninth, wo der Wagen geparkt ist. Vor einem Abfallkorb bleibt er stehen. Nachdenklich schaut er vom Löffel auf den Korb und dann wieder auf den Löffel. Er schüttelt den Kopf und steckt den Löffel in die Tasche. Doch kaum ist er ein paar Schritte gegangen, bleibt er wieder stehen, nimmt ihn heraus und inspiziert ihn noch einmal im Mondschein. Als er seufzt, ist es, als habe man ihn wieder einmal aus dem Spiel genommen, als erinnere sich irgendwas in seinem Seufzmechanismus an den Patzer, der sein Testspiel bei den Buffalo Bills beendete. Er wirft Spoon in den Müll.
    Der Bulle hat alles beobachtet. «Vergessen Sie’s, Sergeant», sagt er. «Es gibt eine Million Geschichten in Naked City.»
     
    Es ist der dritte Freitag im April, und der Mond versinkt. Wenn der Mond geht, verschwindet auch die Odaliske. Ihr nach Minze duftendes Ambrosia, ihre Oden, ihre Hormone und ihren Gänsewein nimmt sie mit. (Bald wird ihr auch das Präsens folgen.) Das Aids-Baby lässt sie allein und zitternd in der frischen kühlen Nachtluft zurück. Auch die Blüten an den Bäumen, die Penner und die Krüppel auf den Straßen zittern.
    Salome beendet ihren Tanz um Mitternacht. «Sie ist erst sechzehn», erklärt der Bandleader. Spike bietet an, sie nach Hause zu fahren, aber sie ist schon weg, und zwar durch den Hinterhof, den das I & I mit dem indischen Restaurant nebenan teilt. Die Band spielt weiter bis zwei, obgleich sich die Menge schon lange vorher praktisch aufgelöst hat.
    «Sehen Sie?», sagt Abu. «Fast alle bevorzugen das Tamburin.»
    «Ganz recht», sagt Ellen Cherry. «Das Tamburin.» Auch sie verschwindet durch den Hinterhof und verpasst auf diese Weise Raoul, der, nachdem er Salome draußen nicht gefunden hat, zum Restaurant zurückgekommen ist, um Ellen Cherry wenigstens von seinem Song, seiner Begierde, der Beule an seinem Kopf zu berichten.
    Ellen Cherry braucht nicht lange, um ihren mantellosen Zustand zu bedauern. Sie findet, dass die Nacht zu dunkel und zu kühl ist, als dass sie bis zur U-Bahn-Station laufen könnte, und winkt einem Taxi. Gerade als es anfährt, stolpert Raoul aus dem I & I. «Die kleine Tamburindame ist morgen wieder hier», ruft Abu ihm nach.
    Raoul wirbelt herum, um den großen, vornehmen Abu wütend anzufunkeln. «Mann, da bin ich in Scheiß-L.A.», sagt er sauer.
    Im Ansonia hat Pepe für heute Dienstschluss gemacht, ohne Ellen Cherry eine Nachricht über die Aufregung am frühen Abend zu hinterlassen, und wieso ihr Apartment darin verwickelt war. Deshalb ist sie erstaunt und ein wenig beunruhigt, als ihr beim Reinkommen die meisten Bilder direkt in die Augen starren. Sie weiß auch nicht warum, vielleicht hat es etwas mit den Frühlingsgefühlen zu tun, aber sie hat den leisen Verdacht, dass Boomer in der Wohnung war. Nichts ist zerstört worden, und fehlen tut auch nichts, und wer, wenn nicht Boomer oder vielleicht Ultima Sommervell, hat schon Interesse an ihren Bildern?
    Natürlich ist sie auf dem Holzweg, wenn sie glaubt, dass nichts fehlt. Doch selbst wenn Boomer unerwartet aus

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