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Schokoherz

Schokoherz

Titel: Schokoherz Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Alice Castle
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Es gab keinen Zahnbelag. Und diese Schokolade schmeckte tatsächlich weniger fettig. Tut mir leid, Dairy Milk, aber neben der Côte d'Or war die englische Tafel krümelig, kreidig und, nun ja, wabbelig – sowohl im Geschmack als auch in der Konsistenz.
    Wow. Was für ein Abend! Ich verifizierte gerade meineErgebnisse, indem ich die letzten Reste vertilgte, als ein schlafanzuggestreifter Tom den Kopf in die Küche streckte, sah, womit ich beschäftigt war, die Augen verdrehte und ganz trocken meinte: »Wir sehen uns dann morgen.«
    »Merflumpf«, machte ich mühsam, als die Tür hinter ihm zufiel. Ich tröstete mich, indem ich mit angefeuchtetem Finger die letzten Krümel aufsammelte. Schließlich tat ich das alles hier nur für ihn.

10

    Die Selbstlosigkeit meines Schokoladentests schien Tom am nächsten Morgen völlig zu entgehen. Er lief geschäftig herum, schlang hektisch sein Frühstück hinunter und wischte all meine Versuche, ihm meine Erkenntnisse zu erläutern, genauso verächtlich beiseite wie das Angebot von Frühstückseiern und einer zweiten Tasse Kaffee.
    »Zum hundertsten Mal, Bella, ich bin spät dran – ich hab für all das keine Zeit.«
    »Aber willst du denn nicht mein Fazit hören?«
    »In Gottes Namen, Bella, ich muss los.«
    Ich muss ziemlich geknickt ausgesehen haben, denn er fügte rasch hinzu: »Hör zu, schick mir deine Ergebnisse später per E-Mail, falls du sie wirklich für so wichtig hältst. Ich habe das Gefühl, dir ist gar nicht klar, was es für mich bedeutet, hier Fuß zu fassen. Ich sehe vor lauter Arbeit kein Land mehr. Ich habe keine Zeit, die ganze Nacht in der Küche zu sitzen und Schokolade zu essen.«
    »Aber das ist doch das Wunderbare! Musst du ja gar nicht. Diesen empirischen Teil habe ich schon für dich erledigt.« Ich folgte ihm hinaus in den Flur, wo er seine Aktentasche, das Telefon und den Mantel einsammelte undden Kindern jeweils einen dicken Kuss auf den Scheitel drückte.
    »Ganz ehrlich, Bella, es gibt im Leben noch mehr als Schokolade.« Mit diesen vernichtenden Worten verließ er das Haus.
    Danach war mir einige Sekunden lang ziemlich elend zumute. Doch ein Blick in die verunsicherten Gesichter der Kinder machte mir klar, dass ich meinem dringenden Bedürfnis, Toms Rücken die Zunge herauszustrecken, leider nicht nachgeben durfte.
    »So, ihr beiden, dann wollen wir mal auf Erkundungstour gehen!« Ich strahlte die Kinder an. Es würde uns allen guttun, aus dem Haus zu kommen. Wir mussten unsere Umgebung und überhaupt Brüssel besser kennenlernen. Ich war ja schon begeistert, Hals-über-Kopf-Verliebtheit, aber mehr mit dem Herzen als mit dem Verstand. Jetzt musste ich herausfinden, warum mir die Stadt so gefiel. Ich brauchte Hintergrundinformationen. Während wir die Straßen und Boulevards unseres Viertels entlangrollten, wurde mir mit jedem Schritt klarer, weshalb ich mich in diesen Ort verliebt hatte. Das Rollen bezog sich natürlich bloß auf die Kinder, die von ihrem Doppelbuggy aus die fünfstöckigen Häuser bestaunten, welche bei unserer Ankunft vorn Auto aus noch relativ klein gewirkt hatten. Jetzt erkannte ich, dass es sich dabei um Reihen von riesigen Villen handelte. Sie waren allesamt aus blaugrauem Stein und besaßen die unglaublichsten bunten Fenster sowie schmiedeeiserne Geländer, die in großartigen Jugendstilbögen auf die Straße hinunterfiihrten. Blumenkästen an den Fenstern beherbergten allerorten die ersten lachsfarbenen und leuchtend roten Geranien. Mächtige Betonurnen voll dicker, fester Tulpenknospen warteten anjeder Straßenecke geduldig auf den Frühling. Die Bürgersteige waren genau wie unsere Sackgasse gepflastert, was zwar sehr hübsch aussah, aber ganz schön harte Schiebearbeit bedeutete. Zum einen war der Untergrund uneben und immer wieder fehlte ein Pflasterstein, so dass ich mir mehrfach fast den Knöchel verstauchte. Ich schuftete wie ein Ackergaul hinter dem breiten Buggy, während ich gefühlte hundert Kilo über unwegsames Gelände wuchtete. Wie konnten meine zwei winzigen Kinder nur so schwer sein? Ich würde aufhören müssen, sie zu füttern. Na ja, Trudie würde sagen, dass mir die Bewegung guttut, dachte ich, als ich einen steilen Hügel hinaufschnaufte. Ich hätte ihr den Job gerne überlassen. Aber zumindest trainierte ich mir so den wichtigen Geschmackstest des vergangenen Abends ab und schaffte, mhmmm, neuen Platz für die anstehende, notwendige Überprüfung der Ergebnisse. Schwer atmend hielt ich auf der

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