Schwert und Laute
gebracht, deine Meinung zu meinen Gunsten zu ändern?«
»Es war nicht so, dass Annas Schatten hinter dir gestanden hätte. Als ich fortgegangen bin, habe ich nur noch an dich gedacht, nur noch von dir geträumt. Da habe ich verstanden. Anna überließ dir ihren Platz, sie war einverstanden.«
»Wie war sie?«, erkundigte ich mich tief bewegt. »Du brauchst aber nicht davon zu sprechen, wenn du nicht möchtest...«
»Nein, ist schon gut.«
Er unterbrach sich, um mich zu küssen, und ergriff dann erneut das Wort.
»Was soll ich dir über Anna sagen? Sie war blond, ein wenig größer als du. Sie lächelte immer. Ein engelhaftes Lächeln, ich glaube, das hat mich zuerst zu ihr gezogen.«
Er erzählte mir von Anna, von ihrem gemeinsamen Leben vor diesem entsetzlichen Februarmorgen. Ohne ein Wort, mit einem leisen Stich im Herzen, hörte ich zu, wie er zu mir von diesen kurzen Jahren des Glücks sprach. Seine Hand lag auf meiner Wange und streichelte sie zerstreut. Sein Bericht schien ihn von einer erdrückenden Last zu befreien.
»Sie war eine wunderbare Mutter. Trotz ihrer gesundheitlichen Probleme hat sie sich nie beklagt.«
»War sie krank?«
»Nach Colls Geburt ist sie krank geworden. Der Arzt hat nie herausgefunden, woran sie litt. Effie hat ihr Heiltränke gebraut, aber... nun ja. Der Mensch kann nichts gegen den Willen Gottes ausrichten. Und weil sie so geschwächt war, hat sie in der Kälte nicht überlebt ...«
Die Worte blieben ihm in der Kehle stecken. Mein Blick glitt zu dem Ring, der an meinem linken Ringfinger saß. Mit einem Mal kam er mir sehr schwer vor. Liam, der meinen inneren Aufruhr spürte, legte die Hand unter mein Kinn und zwang mich, den Kopf zu heben. Unsere Blicke verschränkten sich.
»Ich liebe dich, a ghràidh. Lass dir das ein für alle Mal gesagt sein und zweifle niemals daran.«
Er legte seine weichen, warmen Lippen auf meine. Sein Kuss war zart. Dann wanderte sein Mund zu meinem Hals hinab, wurde gieriger und lüsterner. Köstliche Schauer überliefen mich, als er meine Haut erkundete. Seine Hände nahmen meinen bebenden Körper in Besitz.
»Ich liebe dich, Caitlin Dunn Macdonald...«
Viel später schnarchte Liam an meiner Seite leise; sein Schenkel lag über meinem Bauch. Doch ich konnte nicht einschlafen. Ich fürchtete mich vor der Rückkehr nach Glencoe. Würde der Clan mich akzeptieren? Was würde Sàra zu dieser unerwarteten Heirat sagen? In den letzten Tagen war so viel geschehen, dass ich fast vergessen hatte, aus welchem Grund ich eigentlich aus Glencoe geflohen war. Bei der Aussicht auf die schreckliche und unvermeidliche Konfrontation mit Meghan krampfte sich mein Magen zusammen. Sie war schwanger und behauptete, Liam sei der Vater ihres Kindes. Ich hatte Liam diesen Umstand bewusst verschwiegen, doch er würde bald davon erfahren.
Außerdem würde ich mit den Schatten von Anna und Coll leben müssen. Würde ich dem gewachsen sein? Und Liam... was sollte aus ihm werden? Er war jetzt ein Gesetzloser. Würde John Maclain ihn verbannen? All diese Fragen, auf die ich keine Antwort wusste, lähmten mich.
Ich schmiegte mich an Liam, um ein wenig an seiner Wärme teilzuhaben. Er bewegte sich leicht, legte den Arm um mich und zog mich fester an seinen Körper. Ich würde mir einen Platz in diesem Tal schaffen müssen, und das würde nicht leicht werden. Aber ich liebte Liam. Für ihn wäre ich auch bereit gewesen, die Flammen der Hölle zu durchqueren. Ich schloss die Augen und rief mir die Worte meiner Mutter ins Gedächtnis: Atme tief durch und stürz dich dann hinein, Caitlin.
Der Schmerz der Seele wiegt schwerer
als jedes körperliche Leid.
Publilius Syrus
12
Meghan
Die unruhige Nacht hatte mir dunkle, aufgedunsene Schatten unter den Augen beschert. Da ich seit Jahren nicht mehr daran gewöhnt war, neben jemandem zu schlafen, war ich bei jeder Bewegung des Mannes, mit dem ich von jetzt an für den Rest meiner Tage das Bett teilen würde, hochgefahren. Mit der Zeit würde ich mich sicherlich daran gewöhnen, aber er nahm so viel Platz ein... Dagegen musste ich zugeben, dass die Gefahr, nachts zu erfrieren, praktisch gegen Null ging.
Wir hatten die Vorräte, die Liam in der Küche gemaust hatte, verspeist und die Krümel über die Laken verstreut. Noch am selben Tag würden wir nach Glencoe aufbrechen.
Colin kehrte nicht mit uns zurück. Er zog es vor, einige Zeit in Lochaber zu bleiben, um sich wie ein verletztes Tier die Wunden zu lecken. Als Ausrede
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