Schwert und Laute
nicht lange.«
Er verschwand in der Küche und kehrte wenige Augenblicke später zurück. Die Taschen seines Rocks beulten sich. Ich lachte leise und folgte ihm leicht schwankend durch das Halbdunkel. Wenn ich es recht bedachte, hatte ich wahrscheinlich etwas zu viel Wein getrunken.
Als Liam am Ende des Flurs stehen blieb, rannte ich mit voller Wucht von hinten in ihn hinein. Zu unserer Linken lag die Treppe und zur Rechten die Halle. Zwischen uns und der Treppe befand sich eine offene Tür, aus der laute Stimmen zu uns drangen. Liam bedeutete mir, nichts zu sagen, und nahm mich bei der Hand. Doch gerade in dem Moment, in dem wir uns anschickten, an der Tür vorbeizuhuschen, trat eine Silhouette in den Rahmen, in der ich an den drei Federn den Clanchief erkannte.
»Liam! Wir haben dich schon überall gesucht!«, rief Coll aus und schlug meinem Gatten freundschaftlich auf den Rücken. »Komm und trink ein Glas Cognac mit uns, bevor du...«
Coll unterbrach sich und zog die Augen zusammen, um im Dunkeln besser sehen zu können. Liam zog an meiner Hand, damit ich aus dem Schatten hervorkam. Ein wenig betreten lächelnd
stand ich im Licht der Flammen, welche die Seide meines taufeuchten Kleides aufschimmern ließen, und strich mir ungeschickt eine kläglich vor meinen Augen herabbaumelnde Haarsträhne zurück. Wahrscheinlich sah man mir an, dass ich vom Wein und von der Liebe berauscht war.
»Oh, ich verstehe...«, meinte Coll von einem Ohr zum anderen grinsend. »Vermutlich seid ihr auf der Suche nach... eurem Zimmer...«
Er sah mich an, und ein amüsiertes Glitzern leuchtete in seinen Augen auf. Mir stieg das Blut in die Wangen.
»Wahrscheinlich hat Liam Besseres zu tun, als Cognac zu trinken und über Politik zu sprechen, stimmt’s?«, setzte er scherzhaft hinzu. »Nun schön... Dann gute Nacht, Liam und Caitlin.«
Er zog das Barett vor uns und kehrte ins Zimmer zurück. Wir machten uns wieder auf den Weg und liefen lachend durch die dunklen Flure, wie zwei Flüchtlinge auf der Suche nach einem Zufluchtsort. Dann drückte Liam mich plötzlich an eine geschlossene Tür und presste die Lippen auf meinen Mund.
»Hier ist es«, keuchte er, nachdem er sich von mir gelöst hatte.
Das Zimmer wurde nur von unstetem Mondlicht erhellt, das schwach durch das Fenster fiel. Die Gardinen aus französischer Spitze warfen ihr Muster über die Wände und das Bett. Liam zündete eine Kerze an, ließ sich auf das Bett fallen und zog mich mit.
»Das Brautgemach, Mrs. Macdonald«, flüsterte er mir ins Ohr und fuhr dann mit seiner heißen, feuchten Zunge über mein Ohrläppchen. »Oh, Caitlin! Wie ich deinen Geschmack und deinen Geruch liebe... ein Strauß Wildblumen.. . Lavendel.«
Er kniete sich hin und zog seinen Rock aus, den er auf einen Stuhl warf. Dann drehte er mich auf den Bauch und begann mein Gewand aufzuschnüren.
»Brauchst du Hilfe?«, fragte ich leise lachend.
»Ich komme ganz gut allein zurecht, a ghràidh, lass mich nur machen.«
Einige Minuten später hatte mein Kleid sich zu seinem Rock gesellt, und Liam attackierte das Korsett, das mich quälte. Er schimpfte über die Schleifen, die sich durch die Spannung fest
zusammengezogen hatten, und ich kicherte in das mit Daunen gefüllte Deckbett hinein.
»Hör auf zu lachen, denn dann wackelst du, und ich bekomme diesen verdammten Knoten nie auf«, murrte er. »Warum tragt ihr Frauen bloß diese Dinger?«
»Das frage ich mich allerdings auch. Aber in zwanzig Jahren und nach zwanzig Schwangerschaften wirst du es vielleicht auch vorziehen, wenn solch ein ›Ding‹ meine Formen in Zaum hält.«
»Ich werde dich immer so lieben, wie du bist, Caitlin, ob mit oder ohne Korsett. Aber vor allem ohne«, setzte er heiser auflachend hinzu.
Nachdem er den letzten Knoten gelöst hatte, stieß er einen Triumphschrei aus, und das »Ding« flog zu dem Kleid auf den Stuhl. Ich seufzte vor Erleichterung und tastete meine Rippen ab. Gut möglich, dass ich mir eine gebrochen und es nicht einmal gemerkt hatte.
Liam legte scheppernd sein Waffenarsenal auf dem Parkett neben dem Bett ab und zog den Rest seiner prunkvollen Ausstattung aus, während ich mich an meine Seidenunterröcke und meine Strümpfe machte. Nach einigen Minuten, in denen wir leise vor uns hingemurrt und uns verrenkt hatten, hatten wir uns endlich all unserer Kleidung entledigt, und der Stuhl war unter einer Anhäufung diverser Stoffe verschwunden. Wir ließen uns auf die Daunendecke fallen, und Liam rollte
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