Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Schwert und Laute

Schwert und Laute

Titel: Schwert und Laute Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Sonia Marmen
Vom Netzwerk:
schrie ich.
    »Ihr wollt doch deswegen nicht auf mich schießen«, stammelte er, offensichtlich besorgt um seine Männlichkeit.
    »Ich frage mich, was mich daran hindern soll.«
    Plötzlich schien sich Bryans Miene zu entspannen, er hatte etwas hinter mir gesehen.
    »Leg die Pistole weg, Caitlin«, befahl eine tiefe Stimme hinter mir.

    Ich schreckte zusammen und hätte beinahe den Abzug gedrückt, was Bryans Zukunft als Schürzenjäger wahrscheinlich ein Ende gesetzt hätte.
    »Er hat versucht, dem Campbell-Mädchen Gewalt anzutun«, erklärte ich heftig.
    »Jetzt ist es ja vorbei. Leg die Waffe weg, sonst gibt es noch einen Unfall.«
    »Das wäre kein Unfall, er hat es wohl verdient...«
    »Caitlin...«
    Ich erhaschte einen Blick auf Liams wabernden Schatten auf der Wand. Seine Hand wanderte langsam meinen Arm hinunter und zwang mich, die Pistole zu senken, die er mir dann aus den Händen nahm. Sichtlich erleichtert verließ Bryan ohne ein Wort das Zimmer. Schluchzend warf ich mich in Liams Arme. Ich zitterte am ganzen Leib.
    »Er wollte... sie... vergewaltigen«, wiederholte ich ein ums andere Mal.
    »Tuch ! Er hat es ja nicht getan, Caitlin. Ich kümmere mich darum.«

    Heller Sonnenschein erfüllte den Raum. Ich rieb mir die müden Augen und sah mich um. Liam war schon aufgestanden und hatte das Zimmer verlassen. Laute Stimmen hatten mich aus einem unruhigen Schlummer gerissen. Ich fühlte mich, als wäre in der Nacht ein Kavallerie-Trupp über meinen Körper galoppiert. Die Erinnerung an die Ereignisse der Nacht traf mich wie ein Schlag. Ich schloss erneut die Augen und schluckte heftig.
    Um mich abzulenken, lauschte ich den Stimmen, die aus dem Schankraum im Erdgeschoss der Herberge hinaufdrangen. Ich konnte keine einzelnen Worte unterscheiden, aber ich erkannte Liams laute Stimme. Offenkundig war die Stimmung angespannt.
    Ich stand auf, um mich zu waschen, und zog mich ohne Eile an. Zufällig fiel mein Blick auf die Pistole, die Liam zusammen mit seinem übrigen Arsenal auf dem Tisch liegen gelassen hatte. Um ein Haar hättest du einen Menschen getötet, Caitlin ... Ich musste
dringend lernen, einen kühlen Kopf zu bewahren, und auch, mich einer Pistole zu bedienen...
    Bryan MacAllen war ein Mann aus Keppoch. Ich kannte ihn nicht besonders gut, aber er hatte sich mir gegenüber stets freundlich und höflich verhalten. Doch jetzt sah ich ihn in einem anderen Licht und fragte mich, ob die Männer aus Glencoe, Liam eingeschlossen, auch schon solche barbarischen Taten begangen hatten.
    Mit den Fingern strich ich über den schimmernden Beschlag aus poliertem Messing. Ich besaß keinerlei Erfahrung mit Feuerwaffen, aber selbst ich sah, dass diese eine gute Arbeit war. Der Griff aus geschwärztem Nussbaumholz war mit Goldfäden eingelegt, die eine Schlange darstellten.
    Die Tür quietschte leise in den Angeln. Rasch legte ich die Pistole weg und fuhr herum. Da stand Liam und trug ein Tablett, das sich unter einem Berg von Speisen bog.
    »Geht es dir besser?«, fragte er zögernd.
    »Ein wenig.«
    Er versuchte, gelassen zu wirken. Ich konnte leicht erraten, was der Grund für den Streit mit seinen Männern, den ich eben gehört hatte, gewesen war, und ich war ihm dankbar dafür. Er stellte das Frühstück auf den Tisch und zog mich an sich.
    »Du musst essen, a ghràidh «, schalt er mich sanft. »Du siehst aus wie eine wandelnde Leiche und bist nur noch Haut und Knochen.«
    Er hob einen meiner Arme, nahm mein Handgelenk und tat, als inspiziere er mich wie ein Exemplar, das auf dem Markt feilgeboten werden sollte.
    »Wenn du nicht ein wenig Gewicht zulegst, wirst du den Winter nicht überstehen.«
    »Liam!«, empörte ich mich und zog meinen Arm zurück.
    »Ich meine das ernst, Caitlin. Der Winter hier ist hart, und wir müssen dich aufpäppeln.«
    Er reichte mir einen Kanten Brot und ein Stück Käse.
    »Ich möchte, dass du alles bis auf den letzten Krümel aufisst, verstanden?«
    Ich litt nicht unter richtiger morgendlicher Übelkeit, aber ich
hatte meinen Appetit fast völlig verloren. Ich zwang mich, einen Teil davon zu vertilgen und versprach Liam, den Rest im Lauf des Vormittags zu essen.
    »Ich habe gehört, wie du mit den Männern gestritten hast«, erklärte ich vorsichtig und schob mir ein Stück kalten Schinken in den Mund.
    »Ich hatte etwas mit Alasdair zu besprechen«, sagte er in kühlerem Ton.
    »Wegen Bryan?«
    Er gab keine Antwort, und seine Miene war undeutbar. Offensichtlich wollte er nicht

Weitere Kostenlose Bücher