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Schwert und Laute

Schwert und Laute

Titel: Schwert und Laute Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Sonia Marmen
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folgen.
    »Anschließend hältst du die Waffe senkrecht in die Höhe und gibst den Rest des Pulvers in den Lauf, gefolgt von der Kugel und dem Schusspflaster. Zum Schluss stopfst du alles mit dem Ladestock fest. Und schon ist Eure Waffe bereit, Madam.«
    »Aber in der Zeit kann man ja mindestens ein Dutzend Mal erschossen werden!«

    Liam legte die Hand auf ein langes Messer.
    »Deswegen darfst du auch nie deinen Dolch vergessen«, versetzte er und lächelte mich strahlend an. »Diese Waffe versagt niemals.«
    Mit einem Mal brachen Niall und Donald, die Pistolen in der Hand, im Galopp hinter der halb eingefallenen Burgmauer hervor.
    »Was ist passiert? Hast du geschossen, Liam?«, schrie Donald und sprang vom Pferd.
    »Nein«, antwortete Liam knapp und steckte die Pistole wieder in den Gürtel. »Das war meine Frau.«
    Ich musste lachen, als ich die verblüfften Mienen der Männer sah.
    »Deine Frau?«, rief Donald ungläubig aus.
    »Ja, MacEanruigs«, erklärte ich gelassen. »Meine Kenntnisse über Feuerwaffen wiesen gewisse Lücken auf, die ich ausgefüllt habe.«
    Der Mann seufzte und verdrehte die Augen zum Himmel.
    »Seit gestern haben die Männer begonnen, Euch Ban-abhistar Dubh zu nennen, die schwarze Furie, weil Ihr es gewagt habt, MacAllen mit seiner eigenen Pistole zu bedrohen. Ich finde, der Name passt wunderbar zu Euch, meine Liebe.«
    Wir brachen alle in fröhliches Gelächter aus.

19
Tote Hunde beißen nicht
    Ich hatte den Rest des Nachmittags auf einem kleinen Hügel über den Ruinen verbracht, während die Männer eine Partie Shinty spielten. Ich fragte mich wirklich, was sie an diesem harten Spiel, bei dem die Teilnehmer sich mit einem Stockschlag leicht ein Bein brechen konnten, so anziehend fanden. Niall gesellte sich zu mir und setzte sich in meiner Nähe hin, um die Spieler zu beobachten, die mit ihren langen, gebogenen Stöcken auf den Lederball einschlugen.
    »Hast du aufgegeben?«, fragte ich ihn lächelnd.
    Er zeigte mir die Blutergüsse auf seinen Schienbeinen und verzog das Gesicht.
    »Ich habe kein wirkliches Talent dazu. Mir sind Würfel und Karten lieber.«
    »Und außerdem hinterlassen Fehler beim Kartenspiel wenigstens keine Blessuren auf der Haut, sondern höchstens im Geldbeutel.«
    Er lachte herzlich.
    »Beim Kartenspiel bin ich recht anstellig, Mrs. Macdonald«, meinte er und strich sich über den Bart.
    »Ich wollte Euch noch für Euren guten Rat danken«, sagte er dann unvermittelt.
    Seine Wangen liefen leicht rosig an.
    »Meine Joan konnte mir den Heiratsantrag nicht abschlagen. Ihr hattet Recht, was die... Poesie angeht. Sie hat in meinen Armen gegurrt wie eine Taube.«
    Ich lächelte; sein Erfolg freute mich.
    »Und Vater Macmartin? Habt Ihr den auch um den Finger gewickelt?«

    Niall setzte eine niedergeschlagene Miene auf.
    »Ach, der! Nein, ich hatte noch nicht den Mut, ihm gegenüberzutreten ... Ich werde auf dem Rückweg von Leanachan noch einmal in Clunes Halt machen. Wenn wir Campbell gefangen haben, macht ihn das vielleicht geneigt, mir die Hand seiner Tochter zu geben.«
    »Warum sollte er auch nicht? Du scheinst mir ein guter Junge zu sein, Niall.«
    »Ich danke Euch, Madam, aber ich habe meine Fehler wie wir alle... Ihr kennt den alten Macmartin eben nicht. Joan ist seine einzige Tochter, und seit er Witwer ist, wacht er eifersüchtig über sie. Vielleicht sollte ich ihm einmal meine Tante Maggie vorstellen.«
    Von neuem brach er in Gelächter aus.
    »Sie wird ihn mit Leichtigkeit in die Tasche stecken! Aber wenn er sich mit ihr zusammentut, wird er niemals Hunger leiden, und ich hätte meine Joan ganz für mich allein.«
    »Sie ist sehr hübsch«, bemerkte ich.
    »Ja ...«, meinte er nachdenklich.
    Das Geschrei der Männer wurde lauter, und wir wandten unsere Aufmerksamkeit erneut dem Spiel zu, das ein Stück unter uns stattfand.
    »Kennt Ihr eigentlich die Geschichte dieses Hügels?«, fragte Niall plötzlich und streckte seine lädierten Beine aus.
    »Nein.«
    »Man nennt ihn Uaigh a ’Choigrich, das Grab des Fremden. Die Geschichte ist sehr alt und stammt aus der Zeit von Duncan dem Schwarzen vor über fünfhundert Jahren. Er war Chief der Campbells von Glenorchy und hatte soeben die Macgregors von Balloch am Loch Tay ausgeschaltet. Nun wollte er sich Achallader aneignen, das zu dieser Zeit den Fletchers gehörte, um dort eine weitere Burg zu errichten. Wie alle Campbells war er listig und bösartig und schreckte vor keiner Täuschung zurück, um zu bekommen,

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