Schwert und Laute
ratlose Miene.
»Da stimmt etwas nicht«, seufzte sie. »Normalerweise plaudert der Bursche beim Essen wie ein Buch. Er hängt sehr an seiner Schwester, und wenn er so aufgewühlt ist...«
Sie unterbrach sich, und als sie weitersprach, wirkte sie ein wenig verlegen.
»Ich weiß nicht, was zwischen Euch und Liam ist, und es geht mich auch nichts an. Meg umschwärmt ihn schon seit einiger Zeit, doch Liam ist nicht für sie bestimmt. Ich habe versucht, sie davon abzubringen, aber... wenn Meg sich etwas in den Kopf gesetzt hat... Sie hat schon sehr früh gelernt, ihre Umgebung zu ihrem eigenen Nutzen um den Finger zu wickeln. Als ich sie in meine Obhut nahm, war sie bereits eine kleine Hexe, die glaubte, alles zu bekommen, wenn sie nur die Augen aufschlug. Ich hätte strenger zu ihr sein sollen, und heute bedaure ich das. Doch jetzt ist es zu spät. Meg ist, wie sie ist. Aber Liam wird sie nie bekommen, und wenn sie vor Kummer darüber stirbt.«
Sie stand auf, um mir zu bedeuten, dass das Thema abgeschlossen war.
Später half ich Effie bei der Gartenarbeit. Isaak, der im Schatten eines Kirschbaums seine Pistolen reinigte, beobachtete uns prüfend. Meghan saß auf einer Bank in der Nähe der Hütte und ignorierte uns vollständig. Gedankenverloren wühlte sie mit dem Absatz den Boden auf. Offensichtlich bereitete ihr etwas Sorgen. Liam wird sie nie bekommen... Was hatte Effie nur damit sagen wollen?
»... den Zwiebeln?«
Effies Stimme hatte mich aus meinen Überlegungen gerissen, und ich fuhr zusammen.
»Zwiebeln?«
»Seid Ihr mit den Zwiebeln fertig?«
Effie folgte meinem Blick, und ihre Miene verdüsterte sich.
»Ich würde zu gern wissen, was sie bedrückt, aber mir sagt sie ja nichts. Isaak weiß gewiss etwas, aber er wird mir ebenfalls nichts verraten. Er betet seine Schwester an und behütet sie für meinen Geschmack ein wenig zu sehr.«
Ich hatte auch so meine Vorstellung, doch ich hütete mich, ihr davon zu erzählen.
Die junge Frau wandte uns ihre düstere Miene und ihre umschatteten Augen zu. Ein Hauch von Mitgefühl mischte sich schüchtern in die Verbitterung und Eifersucht, die ich ihr gegenüber empfand. Vielleicht hatte Liam sich ja, nachdem er sie wegen ihres unhöflichen Verhaltens mir gegenüber getadelt hatte, vor seiner Abreise nicht von ihr verabschiedet.
»Meg«, sagte Effie und richtete sich auf, »ich hätte gern, dass du nach Ballachulish reitest und mir bei Murdo ein paar Meter Jute, Bienenwachs und Heilkräuter besorgst.«
»Heute nicht, Effie«, murrte Meghan widerwillig.
»Es kann aber nicht mehr warten; seit drei Tagen bitte ich dich schon darum, und ich habe kein Wachs mehr für meine Salben. Isaak soll dich begleiten.«
Mit viel sagender Miene wandte sie sich anschließend an mich.
»Vielleicht könnte Caitlin ja mit euch kommen?«
Das war eher ein Befehl als ein Vorschlag. Eigentlich hatte ich keine große Lust, mit diesen beiden nach Ballachulish zu reiten,
aber Effie wirkte so beunruhigt. Sie hatte so viel für mich getan, dass ich ihr diesen kleinen Gefallen nicht abschlagen konnte. Und ich musste auch zugeben, dass Meghans Verhalten meine Neugierde reizte.
Zusammen mit Donald MacEanruigs, der sich uns zu meinem Glück angeschlossen hatte, wartete ich an der Straße auf die Hendersons. Donald hatte im Auftrag des Chiefs MacIain Dokumente an einen Notabeln der Stadt zu überbringen. Um sich die Zeit zu vertreiben, ließ er es sich angelegen sein, mich mit einer ziemlich fantastischen Jagdepisode zu unterhalten.
»...und ich schwöre Euch, dass er zweimal so groß war wie ich, und seine Augen waren rot wie die Glut der Hölle. Dieser Wolf war ein richtiger Dämon, das sage ich Euch!«
»Und Ihr habt ihn mit bloßen Händen getötet?«
Die Handflächen nach oben gewandt, reckte er mir die fraglichen Arme entgegen.
»Seht her. Er hat mir die Hand bis auf den Knochen aufgerissen. Ich dachte schon, ich würde sie verlieren, aber Gott hat mich für meinen Mut belohnt, so dass ich immer noch beide Hände besitze.«
»Tatsächlich«, gab ich skeptisch zurück. »Und wie ich feststelle, habt Ihr auch den Kopf immer noch voller unwahrscheinlicher Geschichten.«
»Glaubt Ihr mir etwa nicht?«, empörte er sich. »Fragt Liam; er wird es Euch bestätigen, denn er war dabei. Und da wir gerade vom Teufel sprechen... der gute Liam ist immer noch nicht zurück. Hat er Euch vielleicht verlassen?«
»Er ist ein freier Mensch und kann tun, was er will. Wir sind auf keine Weise
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