Schwert und Laute
Gruppe Männer, die torkelnd und ordinär lachend aus einer Taverne stolperten, grob angerempelt wurden. Einer der Säufer wandte sich um, entweder um sich zu entschuldigen oder um mich anzubrüllen, doch das sollte ich nie erfahren, denn die Worte blieben ihm im aufgerissenen Mund stecken. Mir ging es nicht anders, denn ich blickte in die düstere Miene von Ewen Campbell.
Als der Moment der Überraschung vorbei war, erhellte ein amüsiertes Glitzern die Augen des Trunkenbolds. Er wollte einen Schritt auf mich zutun, doch Donald vertrat ihm brutal den Weg und stieß ihn heftig gegen die drei hinter ihm stehenden Männer. Innerhalb von Augenblicken fand ich mich zusammen mit Meghan hinter unserem Leibwächter wieder, der sich anschickte, seinen Dolch zu ziehen. Isaak hielt seine Waffe bereits in der Hand und zückte sie, als ein Schrei seiner Schwester ihm Einhalt gebot. Campbell, der sich nur mit größter Mühe auf den Beinen hielt, richtete sich auf, rückte das dunkle Plaid, das er über die linke Schulter drapiert hatte, zurecht und musterte Donald kalt.
Ich hörte das Zischen von Dolchen, die aus der Scheide gezogen wurden. Sonnenlicht blitzte auf Stahl auf und blendete mich. Campbells Spießgesellen hatten ebenfalls ihre Waffen gezückt. Schaulustige beobachteten uns und warteten mit sichtlich wachsender Aufregung darauf, dass Blut floss. Eine schreckliche Stille hüllte uns ein, während die Gegner einander abschätzten.
»Was hast du hier zu suchen, Campbell?«, knurrte Donald, angespannt wie eine Bogensehne.
Ich wandte mich leicht zur Seite, um Meghan anzusehen, die
totenbleich geworden war. Ihr Blick war unverwandt auf den Mann gerichtet, und ihre Lippen zitterten.
»Ich hatte etwas zu erledigen, MacEanruigs. Wir befinden uns hier auf Appin-Land, und ich habe dir weder Rechenschaft abzulegen noch Befehle von dir oder deinen Leuten entgegenzunehmen.«
Der Mann warf mir einen kurzen Blick zu.
»Die kleine Dame hat sich also erholt...«
»Halt dein Maul, Campbell. Reite nach Glenlyon zurück, bevor ich meinen Dolch nicht mehr zurückhalten kann und dir ein Loch in die Haut steche.«
»Überlass ihn mir«, murmelte Isaak. »Ich habe einige kleine Rechnungen mit ihm zu begleichen.«
Der andere schien die Drohung eher komisch zu finden, denn er stieß ein heiseres Lachen aus und schaute dann Meghan an, die sich hinter ihren Bruder geflüchtet hatte. Einige Momente lang starrte Campbell sie durchdringend an, und ich hörte, wie Meghan scharf die Luft einsog. In einer unmissverständlichen Geste ließ er die Zunge über die Lippen gleiten, die sich langsam zu einem dreisten Lächeln verzogen. Isaak sprang auf ihn zu, doch obwohl Campbell schwer betrunken war, gelang es ihm mit verblüffender Behändigkeit, ihm auszuweichen. Einer seiner Schergen packte Isaaks Arm und verdrehte ihn auf seinem Rücken, so dass er seine Waffe fahren lassen musste.
»He! Leg dich bloß nicht mit mir an, Henderson«, zischte Campbell und setzte ihm den Dolch an die Kehle. »Denk doch an deine hübsche Schwester. Das wäre schade... Was für ein schreckliches Bild du abgeben würdest, wenn du mich zwingen würdest, dir hier die Kehle aufzuschneiden. Ich frage mich allerdings, ob sie sehr lange um dich weinen würde.«
Sein Blick verengte sich und richtete sich von neuem auf Donald, der die Dolche der Gegner nicht aus den Augen ließ.
»Wir reiten in angenehmer Gesellschaft spazieren, was, MacEanruigs?«
»Wenn einer von euch den Damen auch nur ein Haar krümmt, hacke ich ihm die Hand ab«, brummte Donald, der langsam die Geduld verlor.
Das Lächeln, das auf Campbells Lippen spielte, wurde noch breiter und enthüllte einen abgebrochenen Zahn, den er wahrscheinlich bei einer Rauferei verloren hatte. Er brach in Gelächter aus. Meghan schluchzte auf und klammerte sich zitternd an meinen Arm. Von neuem starrte er uns beide lüstern an.
»Die Hand, sagst du? Komm schon, MacEanruigs, mir müsstest du schon beide abhacken!«
Er stieß Isaak brüsk von sich, brach von neuem in ein böses Lachen aus und bedeutete dann seinen Männern, die Dolche wegzustecken.
»Vergiss nicht, was ich dir gesagt habe, Henderson.«
Letzterer war leichenblass und sah seine Schwester an, die zitternd neben mir stand.
»Einen schönen Tag noch, MacEanruigs, Ladies.«
Er neigte leicht das Haupt, und dann verschmolzen die vier Männer unter brüllendem Lachen mit der Menge. Sie waren sichtlich zufrieden mit ihrer erfolgreichen Vorstellung. Donald
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