Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Schwert und Laute

Schwert und Laute

Titel: Schwert und Laute Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Sonia Marmen
Vom Netzwerk:
dann soll diese Klinge, die meinen Eid bezeugt, mein Herz durchbohren.«
    Ein wenig sprachlos betrachtete ich den kleinen Mann. Er würde seinem Volk gewiss Ehre machen. Und ganz bestimmt würde er den Sgian dhu nie wieder anrühren.
    Plötzlich zog eine Bewegung etwas weiter oben am Hang meine Aufmerksamkeit auf sich. Schatten bewegten sich zwischen den Stämmen einer Baumgruppe. In dem dunkelgrünen Laub leuchteten die orangefarbenen Reflexe einer flammenden Mähne auf. Meghan! Und da zeichnete sich noch eine zweite Silhouette ab, größer und kräftiger als sie. Ich kniff die Augen zusammen, um die Gestalt besser zu erkennen. Ein Mann hielt Meghan am Arm gefasst und beugte sich zu ihr herüber. Ich war ein wenig verwundert. Traf Meghan sich noch mit einem weiteren Mann? Letzterer entfernte sich, wobei sein bronzefarbenes Haar in der Sonne aufleuchtete... Nein, das war nur ihr Bruder Isaak...
    Ohne Umstände schob ich Robin hinter den kleinen Felsbrocken und versteckte mich ebenfalls.
    »Was ist denn los?«, schrie Robin überrascht auf.
    »Bi sàmhach! Sei leise!«, flüsterte ich und legte einen Finger auf meine Lippen.
    Ich riskierte einen Blick auf die andere Seite des Granitbrockens. Meghan sollte mich nicht sehen. Ich beobachtete, wie die grazile Gestalt der jungen Frau sich von der Baumgruppe entfernte. Sie wirkte aufgewühlt. Sie stolperte, verstreute den Inhalt ihres Korbs und blieb stehen, um alles wieder einzusammeln. Denn setzte sie eiligen Schrittes ihren Weg fort.
    Robin zupfte an meinem Rock und brummte etwas. Ich bemühte mich, eine ruhige Miene aufzusetzen, und streckte ihm die Hand entgegen, um ihm beim Aufstehen zu helfen.
    »Komm, lass uns aufbrechen. Meghan ist hier vorbeigekommen, und du möchtest doch nicht, dass sie von unserem kleinen Geheimnis erfährt, oder?«
    »Oh nein!«, rief er und schüttelte heftig den Kopf.

    Ich sollte Meghan erst zwei Tage später wiedersehen. Auf dem Rückweg von einem Spaziergang ging ich den Weg entlang, der
zu Sàras Hütte führte, als ich die alte Effie erblickte, die in ihrem Garten arbeitete. Sie war dabei, Zwiebeln in die Erde zu stecken. Als sie mich sah, leuchtete ihr zerknittertes Gesicht auf.
    »Ah, guten Tag, meine Kleine«, rief sie mit einem gnomischen Lächeln aus. »Anscheinend geht es Euch schon besser.«
    »Viel besser, wirklich. Ich wollte Euch noch für Eure gute Pflege danken...«
    »Bah, das ist doch gar nichts«, sagte sie und wedelte wegwerfend mit ihrer knorrigen Hand. »Gott hat mir diese Gabe geschenkt, und es wäre eine Sünde, mich ihrer nicht zu bedienen.«
    »Kann ich Euch helfen?«, fragte ich und dachte bei mir, dass ich ohnehin nichts Besseres zu tun hatte.
    »Nun ja, meine Rüben und meinen Salat habe ich schon gesät. Jetzt sind noch der Kohl und einige Zwiebeln zu setzen, wenn Ihr so gut sein wollt. Meghan ist noch unterwegs. Da nehme ich Eure Hilfe gern an, denn meine alten Knochen schmerzen.«
    »Sie hilft Euch nicht bei der Arbeit?«
    »Meghan«, sagte sie nachdenklich, »kann Hausarbeit nicht ausstehen. Doch sie geht bereitwillig in die Berge, um die Pflanzen zu suchen, die ich brauche. Ich bin ein wenig zu klapprig, um über die Felsen zu klettern.«
    Effie grub mit einem geschwärzten Holzlöffel Löcher und warf die Knollen hinein, die sie dann mit Erde bedeckte. Sie richtete sich ein Stück weit auf, zog die Augen zusammen und sah nach dem Stand der Sonne.
    »Sie ist heute Morgen in aller Frühe mit Isaak aufgebrochen und hat nicht gefrühstückt. Die beiden müssten eigentlich bald zurück sein.«
    Die alte Frau wandte sich zu mir und wischte sich einen Schweißtropfen ab, der ihr über die Stirn rann, wobei sie eine Spur von verwischter Erde zurückließ.
    »Habt Ihr gegessen, Caitlin?«
    »Nein, ich hatte keine Zeit«, murmelte ich.
    »Ah, die Jugend! Immer in solcher Eile!«, rief sie aus und reichte mir den Holzlöffel und den Zwiebelsack. »Pflanzt mir den Rest ein, und ich wärme Euch eine Schale Suppe. Kommt zu mir, wenn Ihr fertig seid.«

    Das Innere von Effies Hütte wirkte wie ein Hexenhäuschen. Eine Vielzahl von Regalen mit Gefäßen aller Arten, die Pulver, Kräuter und Wurzeln enthielten, nahm die Küche ein, und ein starker Duft nach frisch zerstampftem Rosmarin hing in der Luft.
    Ich setzte mich vor eine Schale mit dampfender Gerstensuppe, die ich unter dem amüsierten Blick der Alten hungrig leer aß.
    »Hier«, sagte sie und reichte mir ein frisch gebackenes Zimt-Küchlein. »Ihr scheint Euch

Weitere Kostenlose Bücher