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SdG 05 - Der Tag des Sehers

SdG 05 - Der Tag des Sehers

Titel: SdG 05 - Der Tag des Sehers Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Steve Erikson
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mal! Deswegen bin ich nicht hierher gekommen. So etwas wollte ich nicht sehen! Wacht auf, Ihr elender Bastard!«
    - Friede – Habe ich dich jetzt? Mein Geschenk – ah, diese Last -
    Der Kopf des Schild-Amboss zuckte hoch. Er holte zittrig Luft.
    Ablegen … was für ein Gewicht! Warum? Ihr Götter – Ihr habt alle zugesehen mit Euren unsterblichen Augen. Ihr seid alle Zeugen geworden. Und doch seid Ihr nicht vorgetreten. Ihr habt meinen Hilfeschrei zurückgewiesen. Warum?
    Auf den Boden gekauert, drehte sich der Malazaner herum, um Itkovian anzusehen. »Fäustel!«, rief er über die Schulter nach hinten.
    Als der Heiler angerannt kam, hob Itkovian, dessen Augen sich auf Paran richteten, langsam eine Hand. Er schluckte sein Entsetzen hinunter und schaffte es irgendwie, Worte zu finden. »Ich weiß zwar nicht, wie«, krächzte er, »aber Ihr habt mich zurückgeholt …«
    Parans Grinsen wirkte gezwungen. »Ihr seid der Schild-Amboss.«
    »Ja«, flüsterte Itkovian. Und, Fener, vergib mir, aber was Ihr getan habt, ist keine Barmherzigkeit … »Ich bin der Schild-Amboss.«
    »Ich kann es spüren … in der Luft«, sagte Paran, und sein Blick suchte den Itkovians. »Sie ist … sie ist gereinigt worden.«
    Ja.
    Und ich bin noch nicht am Ende.
     
    Grantl schaute aus ein paar Schritten Entfernung zu, wie der Malazaner und sein Heiler mit dem Kommandanten der Grauen Schwerter sprachen. Der Nebel, der sich – wie ihm jetzt klar wurde – tagelang um seine Gedanken geschlossen hatte, wurde allmählich dünner. Einzelheiten kamen ihm jetzt zu Bewusstsein, und die Tatsache, dass er sich offensichtlich innerlich verändert hatte, erschreckte ihn.
    Seine Augen sahen … anders. Mit unmenschlicher Schärfe. Jede Bewegung – egal, wie schwach oder wie weit am Rande seines Gesichtsfelds – erregte seine Aufmerksamkeit. Wurde als unwichtig beurteilt oder als Bedrohung definiert, als Beute oder als unbekannt: Es waren instinktive Entscheidungen, doch sie waren nicht mehr tief vergraben, sondern lauerten jetzt dicht unter der Oberfläche seines Verstandes.
    Er konnte jeden einzelnen Muskel in seinem Körper spüren, jede Sehne und jeden Knochen, konnte sich auf jeden einzelnen davon konzentrieren und dabei alle anderen ausblenden. Dadurch erreichte er eine räumliche Wahrnehmungsfähigkeit, die absolute Kontrolle erlaubte. Er konnte sich vollkommen lautlos über Waldboden bewegen, wenn er das wollte. Er konnte erstarren, konnte selbst seinen Atem abschirmen und so vollkommen bewegungslos werden.
    Doch die Veränderungen, die er spürte, gingen weit über diese körperlichen Anzeichen hinaus. Die Gewaltbereitschaft, die ihm innewohnte, war die eines Mörders. Kalt und unerbittlich, ohne jede Leidenschaft oder irgendwelche Zweifel.
    Und diese Erkenntnis machte ihm Angst.
    Das Todbringende Schwert des Tigers des Sommers. Ja, Trake, ich kann dich spüren. Ich weiß, was du aus mir gemacht hast. Verdammt, du hättest wenigstens vorher fragen können.
    Er ließ den Blick über seine Gefolgsleute schweifen, wusste, dass sie genau das waren. Seine Gefolgsleute, die ihm Verschworenen. Eine beängstigende Tatsache. Unter ihnen war Stonny Menackis – nein, sie gehört nicht Trake. Sie hat Kerulis Älteren Gott für sich erwählt. Gut. Wenn sie jemals vor mir knien würde, würden wir keine religiösen Gedanken haben … aber wie wahrscheinlich ist das? Ach, Schätzchen …
    Sie spürte seinen Blick und sah ihn an.
    Grantl zwinkerte ihr zu.
    Sie zog die Brauen hoch, und er verstand, warum sie beunruhigt war, was ihn sogar noch mehr amüsierte – seine einzige Antwort auf sein Entsetzen angesichts des brutalen Mörders, der sich in seinem Innern verbarg.
    Sie zögerte, kam dann zu ihm. »Grantl?«
    »Ja. Ich fühle mich, als wäre ich gerade aufgewacht.«
    »Tja, nun, man sieht dir den Kater an, das kannst du mir glauben.«
    »Was ist passiert?«
    »Das weißt du nicht?«
    »Ich glaube, ich weiß es schon, aber ich bin mir nicht ganz sicher … meiner selbst, meiner Erinnerungen. Wir haben unsere Mietskaserne verteidigt, und es war schlimmer als das, was zwischen den Zehen des Vermummten ist. Du warst verwundet, hast im Sterben gelegen. Der malazanische Soldat da drüben hat dich geheilt. Und da ist Itkovian – der Priester in seinen Armen hat sich gerade in Staub verwandelt – bei den Göttern, der hat bestimmt dringend ein Bad gebraucht – «
    »Beru schütze uns alle, du bist tatsächlich wieder du selbst, Grantl. Ich habe schon

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