SdG 05 - Der Tag des Sehers
geglaubt, i- äh, wir hätten dich endgültig verloren.«
»Ich glaube, bei einem Teil von mir ist das auch so, Schätzchen. Er ist für uns alle verloren.«
»Seit wann betest du denn irgendwelche Götter an?«
»Das ist ja gerade der Witz. Das tue ich gar nicht. Trake hat eine fürchterliche Wahl getroffen. Zeig mir einen Altar, und ich werde eher auf ihn pissen als ihn küssen.«
»Vielleicht musst du ihn irgendwann küssen, also würde ich vorschlagen, dass du dein Verhalten änderst.«
»Hahaha.« Er schüttelte sich, rollte die Schultern und seufzte.
Stonny zuckte bei dieser Bewegung leicht zurück. »Puh, das war ein bisschen zu katzenhaft für mich – deine Muskeln haben sich unter dieser getigerten Haut richtig gekräuselt.«
»Und das hat sich verdammt gut angefühlt. Gekräuselt? Du solltest mal darüber nachdenken, was das für neue … Möglichkeiten eröffnet, Schätzchen.«
»Träum weiter, du Flegel.«
Die Neckerei war gezwungen, und sie spürten es beide.
Stonny schwieg einen Moment, dann stieß sie zischend den Atem aus. »Buke. Ich nehme an, er ist tot – «
»Nein. Er lebt. Tatsächlich kreist er in genau diesem Augenblick über uns. Der Sperber da oben – das ist Buke. Das war Kerulis Geschenk an ihn, damit er Korbal Broach im Auge behalten konnte. Er ist jetzt ein Wechselgänger.«
Stonny warf einen düsteren Blick zum Himmel hinauf, die Hände in die Hüften gestützt. »Na, das ist ja toll!« Sie warf Keruli – der unbeachtet ein Stück entfernt dastand, die Hände in den Ärmeln, und alles beobachtete – einen giftigen Blick zu. »Alle außer mir werden gesegnet! Hat das vielleicht irgendwas mit Gerechtigkeit zu tun?«
»Nun, du bist bereits mit unvergleichlicher Schönheit gesegnet, Stonny – «
»Noch ein Wort, und ich schneide dir den Schwanz ab, das schwöre ich.«
»Ich habe keinen Schwanz.«
»Eben!« Sie sah ihn an. »Und jetzt hör zu, wir müssen uns über ein paar Dinge klar werden. Irgendetwas sagt mir, dass wir beide wohl kaum nach Darujhistan zurückkehren werden – zumindest nicht in nächster Zeit. Also, was jetzt? Trennen sich jetzt unsere Wege, du armseliger alter Mann?«
»Kein Grund zur Eile, was all das angeht, Schätzchen. Lass uns doch erst mal abwarten, wie sich die Dinge entwickeln – «
»Entschuldigt.«
Beide drehten sich um, als sie die Stimme hörten, und sahen, dass Rath’Trake zu ihnen getreten war.
Grantl starrte den maskierten Priester finster an. »Was ist?«
»Ich glaube, wir beide haben einiges zu besprechen, Todbringendes Schwert.«
»Ihr könnt glauben, was Ihr wollt«, entgegnete der Daru. »Ich habe dem Schnurrhaarträger schon klar gemacht, dass ich eine schlechte Wahl bin.«
Rath’Trake schien einen Erstickungsanfall zu bekommen. »Dem Schnurrhaarträger?«, keuchte er empört.
Stonny lachte und schlug dem Priester auf die Schulter. »Das ist vielleicht ein ehrfürchtiger Bastard, was?«
»Ich beuge das Knie vor niemandem«, grollte Grantl. »Und das gilt auch für Götter. Wenn ich könnte, würde ich mir diese Streifen auf der Stelle vom Fell schrubben.«
Der Priester rieb sich die schmerzende Schulter; die Augen hinter der Katzenmaske starrten Stonny finster an. Bei Grantls Worten wandte er sich wieder dem Daru zu. »Das ist nichts, worüber sich debattieren lässt, Todbringendes Schwert. Ihr seid, was Ihr seid – «
»Ich bin Karawanenführer, der Anführer einer Gruppe von Karawanenwächtern, und zwar ein verdammt guter. Das heißt, wenn ich nüchtern bin.«
»Ihr seid der Meister des Krieges im Namen des Tigers des Sommers – «
»Wir würden das als Zeitvertreib bezeichnen.«
»Als … als …«
Sie hörten Gelächter. Hauptmann Paran, der noch immer neben Itkovian kauerte, schaute zu ihnen herüber; offensichtlich hatte er das Gespräch mit angehört. Der Malazaner grinste Rath’Trake an. »Es läuft niemals so, wie es Eurer Meinung nach laufen sollte, was, Priester? So sieht die Verehrung von uns Sterblichen aus, und Euer neuer Gott sollte seinen Frieden damit machen, und zwar schnell. Grantl, spielt ruhig weiter nach Euren eigenen Regeln.«
»Ich hatte nichts anderes vor, Hauptmann«, erwiderte Grantl. »Wie geht es dem Schild-Amboss?«
Itkovian warf ihm über die Schulter einen Blick zu. »Es geht mir gut, mein Herr.«
»Also, das ist eine Lüge«, bemerkte Stonny.
»Und wenn schon«, sagte der Schild-Amboss, stützte sich auf Fäustels Schulter und richtete sich langsam auf.
Grantl starrte
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