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Shardik

Titel: Shardik Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Richard Adams
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Boden gerichtetem Blick weiter.
    »In Bekla«, sagte er, das Schweigen brechend, »hatte ich oft den Eindruck, ich sei einem großen Geheimnis nahe, das mir durch unseren Herrn Shardik enthüllt werden sollte – einem Geheimnis, das den Menschen endlich den Sinn ihres Lebens auf Erden zeigen würde; wie man die Zukunft schützen, wie man sicher sein könnte. Wir würden nicht mehr blind und unwissend, sondern Gottes Diener sein und begreifen, wie wir seinem Wunsch gemäß leben sollten. Aber obwohl ich im Wachen und im Schlaf viel erduldete, erfuhr ich das Geheimnis nie.«
    »Die Tür war verschlossen«, antwortete sie kraftlos.
    »Ich war es, der sie geschlossen hatte«, sagte er und verfiel wieder in Schweigen.
    Am Spätnachmittag kamen sie endlich aus dem Wald zu einem jämmerlichen, aus wenigen Hütten bestehenden Weiler an einem Flußlauf. Zwei Männer, die ihn nicht verstanden und miteinander in einer Sprache murmelten, die er nie gehört hatte, durchsuchten ihn von Kopf bis Fuß, fanden aber nichts Stehlenswertes. Sie hätten die Tuginda ebenso behandelt und sie durchsucht, hätte er nicht den einen am Handgelenk gefaßt und zur Seite geschleudert. Sie waren offensichtlich der Ansicht, daß da nichts zu gewinnen war, was einen Kampf gelohnt hätte, denn sie traten fluchend – so schien es zumindest – zurück und bedeuteten ihm durch Gebärden, er möge verschwinden. Bevor er aber mit der Tuginda einen Steinwurf weit war, kam ihnen eine hagere, zerlumpte Frau nachgelaufen, reichte ihnen ein Stück hartes Brot und zeigte, mit ihren geschwärzten Zähnen lächelnd, hinter sich zu den Hütten. Die Tuginda erwiderte ihr Lächeln und nahm die Einladung ohne Anzeichen von Furcht an, und er erhob keinen Einwand, da er fand, es spiele keine Rolle, was ihm nun zustoßen würde. Die Frau schalt gellend mit den zwei in einiger Entfernung stehenden Männern, ließ ihre Gäste auf einer Bank vor den Hütten Platz nehmen und brachte ihnen Schalen einer dünnen Suppe mit geschmacklosen, grauen Wurzeln, die sich im Mund in faserige Stückchen auflösten. Es kamen noch zwei andere Frauen und einige rachitische, dickbäuchige Kinder, die sie wortlos anstarrten und denen anscheinend die Energie fehlte für Geschrei und Balgerei. Die Tuginda dankte der Frau ernst auf ortelganisch, küßte ihre schmutzigen Hände und lächelte jedem einzelnen zu. Kelderek saß gedankenverloren wie tags zuvor und merkte kaum, daß die Kinder begonnen hatten, sie ein Spiel mit Steinen im Staub zu lehren. Einige Male lachte sie, und die Kinder lachten auch, dann kam einer von den groben Männern, bot ihm eine Tonschale mit schwachem, saurem Wein an und trank erst selbst davon, um zu zeigen, daß er unschädlich war. Kelderek trank seinem Gastgeber ernst zu; dann betrachtete er den aufgehenden Mond, wurde in eine der Hütten eingeladen und legte sich wieder zum Schlafen auf den nackten Boden.
    In der Nacht erwachte er, ging hinaus und sah einen anderen Mann, der mit gekreuzten Beinen an einem niedrigen Feuer saß. Er saß eine Weile neben ihm, ohne zu sprechen, als aber der Mann sich schließlich vorneigte, um einen frischen Ast in die Glut zu werfen, wies er auf den vorbeifließenden Wasserlauf und sagte: »Zeray?« Der Mann nickte, zeigte auf ihn und wiederholte fragend: »Zeray?« Als nun auch er nickte, lachte der Mann kurz und ahmte einen Flüchtling nach, der sich nach seinen Verfolgern umdreht. Kelderek zog die Schultern hoch, dann sprachen sie nicht mehr und blieben bis zum Tagesanbruch bei dem Feuer sitzen.
    Es gab keinen Weg neben dem Fluß, und die Tuginda und er folgten ihm unter Schwierigkeiten durch ein weiteres Waldstück und dann bergab über einen felsigen Abhang, wo er einige Wasserfälle bildete. Kelderek trat an den Rand und bückte zur Ebene hinunter. Einige Meilen weiter links erstreckten sich die Berge gen Osten. Sein Blick folgte der Kette und erfaßte weit drüben im Osten ein schmales Silberband, das im Sonnenlicht stumpf und beständig aussah. Er wies darauf hin. »Das muß der Telthearna sein, Saiyett.«
    Sie nickte, und er sagte nach einer Weile: »Ich bezweifle, daß unser Herr Shardik ihn je erreichen wird. Und falls wir ihn, wenn wir hinkommen, nicht finden können, werden wir wohl nie erfahren, was aus ihm geworden ist.«
    »Entweder du oder ich«, sagte sie, »werden unseren Herrn Shardik wiederfinden. Ich habe es im Traum gesehen.«
    Nachdem sie eine Weile angelegentlich nach Südwesten geblickt hatte, begann sie,

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