Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Shogun

Shogun

Titel: Shogun Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: James Clavell
Vom Netzwerk:
Spionen und Mördern – die Priester brauchten ihnen das nur zu befehlen. Warum sollten sie das eigentlich nicht tun? Dann bekämen sie endlich, was ihnen wichtiger ist als das Leben selbst: die absolute Macht über alle unsere Seelen und damit über die Seelen des Landes der Götter – womit ihnen unsere Erde samt allem, was in ihr verborgen ist, in den Schoß fiele – was, wie der Anjin-san erklärt hat, in ihrer Neuen Welt schon hundertmal passiert ist … Sie bekehren einen König, bedienen sich seiner dann gegen sein eigenes Volk, bis sie das ganze Land geschluckt haben.
    Es ist so leicht für sie, uns zu erobern – für diese Handvoll Barbarenpriester. Wie viele mögen es in ganz Japan sein? Fünfzig oder sechzig? Aber sie haben die Macht. Und sie glauben. Für ihren Glauben sind sie mit Freuden bereit, ihr Leben hinzugeben, todesmutig zu sterben, den Namen ihres Gottes auf den Lippen. Das haben wir in Nagasaki erlebt, als das Experiment des Taikō sich als ein furchtbarer Fehlschlag herausstellte.
    Was mich betrifft, so haben die Priester versagt – doch das hindert sie nicht daran, unbeirrbar an ihrem Kurs festzuhalten. Auch das ist Wirklichkeit.
    Dann also Kiyama.
    Steht der Plan bereits fest? Wobei Ishido und die Dame Ochiba und auch Yaemon letzten Endes das Nachsehen haben werden? Steckt Harima insgeheim schon unter einer Decke mit ihnen? Sollte ich den Anjin-san jetzt gleich auf das Schwarze Schiff und Nagasaki ansetzen? Was soll ich tun?
    Nichts anderes als sonst auch. Fasse dich in Geduld, sei höflich, schüttle alle Sorgen um Leben und Tod, Vergessen oder Leben nach dem Tode, Jetzt oder Später ab. Fasse einen neuen Plan, wollte er verzweifelt herausschreien. Es gibt keinen!
    »Es macht mich unendlich traurig, daß diese beiden sich dem wahren Feind an die Seite stellen.«
    »Ich schwöre, daß wir es versucht haben, Euer Gnaden.« Alvito betrachtete ihn voller Mitgefühl, denn er erkannte, wie bedrückt er war.
    »Ja, das glaube ich. Ich glaube Euch, daß Ihr und der Pater Visitator Euer Versprechen gehalten habt, und deshalb werde auch ich das meine halten. Ihr könnt sofort mit dem Bau Eures Tempels in Yedo beginnen. Der Bauplatz ist bereits bereitgestellt. Zwar kann ich den anderen Priestern – den Schwarzkutten mit den langen Haaren – nicht verwehren, ins Land hereinzukommen, aber zumindest kann ich dafür sorgen, daß sie in meinem Herrschaftsbereich unwillkommen sind, falls sie sich jemals hier blicken lassen. Und was den Anjin-san betrifft …« Toranaga zuckte mit den Achseln. »Aber wie lange wird all das noch dauern … nun, das ist Karma, neh?«
    Alvito dankte Gott inbrünstig für seine Gnade und dafür, daß sie so unerwartet mit heiler Haut davongekommen waren. »Ich danke Euch, Euer Gnaden«, sagte er, kaum imstande, überhaupt zu reden. »Ich weiß, Ihr werdet es nie bedauern. Ich bete darum, daß Eure Feinde verstreut werden wie Spreu im Wind und daß Ihr des Himmlischen Lehns teilhaftig werdet.«
    »Es tut mir leid, daß ich so strenge Worte gebraucht habe. Sie wurden im Zorn gesprochen. Es stürmt soviel auf mich ein …« Nachdenklich erhob Toranaga sich. »Ihr habt meine Erlaubnis, morgen Euren Gottesdienst zu halten, alter Freund.«
    »Ich danke Euch, Euer Gnaden.« Alvito verneigte sich ganz tief, voller Mitleid für den sonst so majestätischen Mann. »Ich danke Euch von ganzem Herzen. Möge die Göttlichkeit Euch segnen und ihre Hand über Euch halten.«
    Toranaga ging schweren Schrittes zum Gasthaus hinüber. Seine Wachen folgten ihm. »Naga-san!«
    »Jawohl, Vater«, sagte der junge Mann und eilte herbei.
    »Wo ist die Dame Mariko?«
    »Dort, Euer Gnaden, bei Buntaro-san.« Naga zeigte auf das kleine, von Laternen erhellte Teehaus in der Mitte des Gartens; drinnen waren schattenhaft Gestalten zu erkennen. »Soll ich die Cha-no-yu unterbrechen?« Bei der Cha-no-yu handelte es sich um die formale, bis in alle Einzelheiten ritualisierte Teezeremonie.
    »Nein. Eine Cha-no-yu darf man niemals unterbrechen. Wo sind Omi und Yabu-san?«
    »Sie sind in ihrem Gasthaus, Euer Gnaden.« Naga zeigte auf das breit hingelagerte Gebäude am Fluß, allerdings auf der anderen Seite.
    »Und der Anjin-san?«
    »Er ist in seinem Raum. Er wartet, falls Ihr ihn noch sehen wollt.«
    Abermals schüttelte Toranaga den Kopf. »Ich spreche morgen mit ihm.« Nach einer Pause sagte er dann mit einer Stimme, die wie von weither zu kommen schien: »Ich werde jetzt ein Bad nehmen. Danach

Weitere Kostenlose Bücher