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Shogun

Shogun

Titel: Shogun Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: James Clavell
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machen. Ich liebe Ihn.«
    »Ja. Ich liebe Sie auch.«
    »Warum dann so traurig?«
    »Nicht traurig, Dame. Es ist nur, daß das Schweigen qualvoll ist. Ich wünschte, ich könnte meine Liebe von den Bergeshöhen herunterrufen.«
    Sie sonnten sich in ihrer Zweisamkeit und der Gewißheit, bis jetzt vor spähenden Augen sicher zu sein.
    »Was wird aus ihnen werden, Gyoko-san?« fragte Kiku am ersten Tag ihrer Reise in ihrer Sänfte leise.
    »Es wird ein schlimmes Ende nehmen, Kiku-san. Ihre Zukunft ist hoffnungslos. Er verbirgt es gut, aber sie …? Ihre Leidenschaft steht ihr offen ins Gesicht geschrieben. Ach, wie töricht von ihr!«
    »Gewiß, aber auch wie wunderschön, neh? Welch ein Glück, eine solche Erfüllung zu finden, neh?«
    »Stimmt. Aber trotzdem würde ich meinem schlimmsten Feind nicht ihren Tod wünschen.«
    »Was wird Yoshinaka tun, wenn er dahinterkommt?« fragte Kiku.
    »Vielleicht kommt er nicht dahinter. Ich bete darum. Männer sind so dumm. Sie erkennen bei Frauen nicht die einfachsten Dinge, Buddha sei Dank dafür, gesegnet sei sein Name. Beten wir darum, daß man sie nicht entdeckt, bis wir in Yedo unseren Geschäften nachgehen. Laßt uns beten, daß man nicht noch uns dafür verantwortlich macht. Ach ja, laßt uns das unbedingt tun! Und wenn wir heute nachmittag anhalten, dann will ich den nächstgelegenen Schrein aufsuchen und zehn Weihrauchstäbchen entzünden, um die Götter geneigt zu stimmen. Ich werde auf zehn Jahre hinaus einem Tempel jährlich drei Koku aussetzen, wenn wir ungeschoren davonkommen und ich in den Besitz meines Geldes gelange.«
    »Aber sie sind so schön zusammen, neh? Noch nie habe ich es erlebt, daß eine Frau derart aufgeblüht wäre.«
    »Richtig, aber sie wird hinwelken wie ein abgebrochener Kamelienzweig, wenn sie als Schuldige vor Buntaro-san steht. Sie können ihrem Karma nicht entgehen, und wir können ihnen nicht helfen. Auch Herrn Toranaga nicht – und Omi-san. Weint nicht, Kind!«
    »Armer Omi-san!«
    Am dritten Tag hatte Omi sie überholt. Er war gleichfalls in ihrem Gasthaus abgestiegen, und nach dem Abendessen hatte er unter vier Augen mit Kiku gesprochen und sie in aller Form aufgefordert, sich für alle Ewigkeit mit ihm zu vereinigen.
    »Von Herzen gern, Omi-san, von Herzen gern«, hatte sie sofort geantwortet und war in Tränen ausgebrochen, denn sie war Omi sehr, sehr zugetan. »Aber meine Pflicht gilt Herrn Toranaga, der mir seine Gunst schenkt, und Gyoko-san, die mich zu dem gemacht hat, was ich bin. Und diese Pflicht verbietet es.«
    »Aber Herr Toranaga hat jedes Recht auf Euch verwirkt. Er hat die Waffen gestreckt. Er ist erledigt.«
    »Nicht aber der Kontrakt, Omi-san, sosehr ich auch wünschte, das wäre der Fall. Der Kontrakt ist besiegelt und bindend. Verzeiht bitte, aber ich muß es Euch abschlagen.«
    »Gebt mir Eure Antwort nicht jetzt, Kiku-san. Denkt darüber nach bis morgen. Ich bitte Euch darum«, hatte er gesagt und war gegangen.
    Freilich, an ihrer Antwort hatte sich nichts geändert. »Ich kann nicht so selbstsüchtig sein, Omi-san. Bitte, verzeiht mir! Meine Pflicht gilt Herrn Toranaga und Gyoko-san. Ich kann nicht, sosehr ich auch möchte.«
    Er hatte ihr Vorhaltungen gemacht. Noch mehr Tränen waren geflossen. Sie hatten sich ewige Liebe geschworen, und dann hatte sie ihn mit einem Versprechen fortgeschickt: »Wenn der Kontrakt aufgelöst wird oder Herr Toranaga stirbt und ich wieder frei bin, dann werde ich tun, was immer Ihr von mir verlangt.« Und so hatte er das Gasthaus verlassen und war von bösen Vorahnungen erfüllt nach Mishima vorangeritten. Und sie hatte ihre Tränen getrocknet und neue Schminke aufgetragen.
    Yoshinaka führte den Zug in aller Gemächlichkeit an. Er erklärte sich mit allen Verzögerungen einverstanden, zu denen es immer wieder kam, und drängte in keiner Weise. Toranaga hatte ihm insgeheim gesagt, es sei nicht nötig, sich zu beeilen; die Hauptsache sei, er liefere seine Schützlinge heil in Yedo ab, wenn der neue Mond komme.
    »Jawohl, Euer Gnaden«, hatte er erwidert. Jetzt segnete er seinen Schutz- Kami, daß er ihm diesen Aufschub gewährte. In Mishima würde er, wie es seine Pflicht gebot, Herrn Hiro-matsu und in Yedo Herrn Toranaga Bericht erstatten müssen – mündlich und schriftlich. Dann würde er entscheiden müssen, ob er sagen sollte, was er dachte. Eeee! sagte er sich erschrocken, es kann nicht anders sein, ich muß mich irren. Die Dame Toda? Sie und irgendein Mann … geschweige

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