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Shogun

Shogun

Titel: Shogun Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: James Clavell
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daraufhin an. »Nein«, sagte er sanft und schüttelte den Kopf.
    Sie lachte. »Ich dachte, es könnte Schwierigkeiten geben – könnte unangenehm für Euch sein, sie nur zur Reisegefährtin zu haben, nachdem Ihr zuvor auf so ganz besondere Weise das Kopfkissen mit ihr geteilt habt.«
    »Unangenehm, nein. Im Gegenteil, sogar sehr angenehm. Ich habe sehr angenehme Erinnerungen an sie. Aber jetzt bin ich froh, daß sie Herrn Toranaga gehört. Das erleichtert alles ein wenig, sowohl für sie als auch für ihn. Uns alle. Schließlich war sie für mich nur ein ganz besonders herrliches Geschenk. Nichts weiter. Neh?«
    »Sie war ein Geschenk, ja.«
    Er wollte Mariko berühren, aber er tat es nicht. Statt dessen drehte er sich um und starrte zum Paß hinauf. Nacht hatte sich jetzt über den Paß gelegt. Und Wolken. Wasser tröpfelte traut vom Dach. »Was hat der Hauptmann sonst noch gesagt?«
    »Nichts von Bedeutung, Anjin-san.«

45. Kapitel
    Sie brauchten neun Tage für ihre Reise nach Mishima, und jede Nacht verbrachten sie zumindest ein paar Stunden zusammen. Heimlich. Ohne es zu wollen, half Yoshinaka ihnen dabei. Selbstverständlich wählte er in jedem Gasthaus stets nebeneinanderliegende Räume für sie alle. »Ich hoffe, Ihr habt nichts dagegen, Dame, aber auf diese Weise sind die Sicherheitsvorkehrungen viel einfacher«, pflegte er immer zu sagen, woraufhin Mariko stets zustimmte und den Raum in der Mitte bezog, Kiku und Gyoko den auf der einen und Blackthorne den auf der anderen Seite. Im Dunkel der Nacht ließ sie dann ihre Zofe Chimmoko allein und kam zu ihm.
    Mariko war darauf gefaßt, daß Gyoko, Kiku und die anderen Frauen irgendwann etwas mitbekommen würden, doch machte sie sich deswegen keine Sorgen. Sie war eine Samurai, die anderen nicht. Ihr Wort würde immer mehr gelten als das ihre, es sei denn, sie wurde auf frischer Tat ertappt. Doch kein Samurai, nicht einmal Yoshinaka, würde es normalerweise wagen, ihre Shoji- Tür bei Nacht unaufgefordert aufzuschieben. Für die anderen teilte Blackthorne also das Bett mit Chimmoko oder einer der Zofen des Gasthauses, und das ging niemand etwas an außer ihn selbst. Folglich konnte nur eine Frau sie verraten. Und wenn das wirklich geschah, dann würde die Verräterin samt allen Frauen ihrer Begleitung ihrer abscheulichen Tat wegen eines noch gewöhnlicheren Todes sterben als sie selbst. Außerdem konnte sie sie, ehe sie Mishima oder Yedo erreichten, bei der kleinsten Indiskretion, mochte sie nun echt oder nur angedichtet sein, oder weil ihr der Sinn danach stand, vom Leben zum Tode befördern – und darüber waren sie sich alle im klaren. Mariko war sich sicher, daß Toranaga gegen einen solchen Tod nichts einwenden würde.
    Folglich fühlte sie sich vor den Frauen sicher. Nicht jedoch vor Blackthorne, sosehr sie ihn auch liebte. Er war kein Japaner. Er war nicht von klein auf dazu erzogen, jene undurchdringlichen Mauern um sich herum zu errichten, hinter denen er sich verstecken konnte. Sein Gesichtsausdruck, sein Benehmen oder sein Stolz konnten sie beide verraten.
    »Endlich weiß ich, was Liebe ist«, murmelte sie in der ersten Nacht. Und da sie sich jetzt nicht mehr gegen ihre Gefühle wehrte, sondern ihnen rückhaltlos nachgab, verzehrte sie sich aus Angst um ihn. »Ich liebe Ihn, deshalb stehe ich Angst um Ihn aus«, flüsterte sie auf lateinisch, der Sprache der Liebenden, und schlang die Arme um ihn.
    »Ich liebe Sie! Ach, wie ich Sie liebe!«
    »Ich stürze Ihn ins Unglück, Geliebter, indem ich mir gestattete, Ihn zu lieben. Jetzt sind wir verloren. Ich bin Sein Untergang … das ist die Wahrheit.«
    »Nein, Mariko, irgendwie wird irgendwas geschehen und alles wird glücklich enden.«
    »Ich hätte es nie zulassen dürfen. Es ist ganz allein meine Schuld.«
    »Mache Sie sich keine Sorgen, ich bitte Sie. Karma ist Karma.«
    Schließlich tat sie so, als wäre sie überzeugt, und verging in seinen Armen. Doch war sie gewiß, daß er der Nemesis nicht entrinnen würde. Um sich selbst machte sie sich keine Sorgen.
    Freudvolle Nächte waren das. Voller Zärtlichkeit. Die Tage waren leicht für sie, aber schwer für ihn. Um ihretwillen war er ständig auf der Hut. »Es wird keinen Fehler geben«, sagte sie, als sie außer Hörweite von den anderen nebeneinander herritten.
    Nachdem sie sich in der ersten Nacht ihre Angst hatte anmerken lassen, tat sie jetzt so, als sei sie durchaus zuversichtlich. »Er ist stark. Er ist Samurai, und Er wird keinen Fehler

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