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Sprache, Kommunikation und soziale Entwicklung

Sprache, Kommunikation und soziale Entwicklung

Titel: Sprache, Kommunikation und soziale Entwicklung Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Burkhard Schneeweiß , Theodor Hellbruegge
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Talker-Subgruppen
    Im Alter von drei Jahren wurden die Late Talkers aufgrund ihrer Sprachleistungen in drei Subgruppen eingeteilt, in Late Bloomers, Sprachauffällige und Kinder mit Spracherwerbsstörungen. Der Begriff Spracherwerbsstörung bezieht sich dabei auf Kinder mit einer spezifischen bzw. umschriebenen Sprachentwicklungsstörung (d. h. die Störung ist auf den sprachlichen Bereich begrenzt und nicht durch eine Intelligenzminderung bzw. IQ < 85, eine Hörstörung oder eine sozial-emotionale Beeinträchtigung verursacht).
    Die Diagnose und die Einteilung in die drei Subgruppen wurden anhand der erreichten T-Werte im Sprachentwicklungstest vorgenommen. Late Talkers, die in allen vier Untertests (Wort-, Satzverständnis, Wort-, Satzproduktion) T-Werte über 40 erreichten, wurden als Aufholer definiert. Als Sprachauffällige wurden Late Talkers mit mindestens einem T-Wert zwischen 40 und 36 klassifiziert. Um die Diagnose Spracherwerbsstörung zu erhalten, musste mindestens ein T-Wert kleiner oder gleich 35 sein (1,5 Standardabweichungen unterhalb der Altersnorm). Diese T-Grenzwerte wurden in Anlehnung an die interdisziplinärenLeitlinien (AWFM 2011) zur Diagnostik von spezifischen bzw. umschriebenen Sprachentwicklungsstörungen gewählt.
    Zwei Fünftel (21 Kinder) können demzufolge als Late Bloomers klassifiziert werden, weitere zwei Fünftel (19 Kinder) zeigen eine spezifische Spracherwerbsstörung und ein Fünftel (12 Kinder) zeigt Sprachauffälligkeiten. Bei den Subgruppen mit Sprachstörungen und Sprachauffälligkeiten präsentieren im Alter von drei Jahren drei Viertel der Kinder phonetisch-phonologische Auffälligkeiten. Bei den Late Bloomers trifft dies lediglich bei einem Viertel zu.
    Vergleichen wir die Subgruppen im Alter von zwei Jahren, dann sind zwischen den Subgruppen Late Bloomers und Spracherwerbsstörungen signifikante Unterschiede feststellbar, was den Bildungsabschluss der Kindesmütter anbelangt. Late Bloomers haben häufiger Mütter mit Maturaabschluss. Bezüglich Besorgnis, Anzahl Geschwister, Sprachstörungen in der Familie und Sprechbeginn zeigen sich keine nennenswerten Unterschiede.
    Mit zwei Jahren weist knapp die Hälfte der Late Talkers (24 Kinder) eine rezeptiv-expressive Verzögerung der Sprachentwicklung auf und etwas mehr als die Hälfte (28 Kinder) eine isoliert expressive Verzögerung. Late Talkers mit rezeptiv-expressiven Verzögerungen bilden tendenziell häufiger eine Spracherwerbsstörung aus als solche mit expressiven Verzögerungen. Dies hat sich auch in unserer Studie bestätigt. Bei den Late Talkers mit einer rezeptiv-expressiven Verzögerung hat die Hälfte eine Spracherwerbsstörung entwickelt und ein Fünftel Sprachauffälligkeiten. Bei den Late Talkers mit einer lediglich expressiven Verzögerung hat ein Viertel eine Spracherwerbsstörung ausgebildet und ein weiteres Viertel Sprachauffälligkeiten.
    Nennenswerte Unterschiede zwischen den Subgruppen sind im Alter von 2;0 Jahren bei den sprachlichen Fähigkeiten zu beobachten. Im Wortverständnistest (vgl. Abb. 1), im Lautinventar und in der Komplexität der Silbenstrukturen sind die Unterschiede zwischen Late Bloomers und Kindern mit Spracherwerbsstörungen signifikant.
    Im Alter von 2;3 Jahren sind in der Wortproduktion (vgl. Abb. 2), im Verbwortschatz sowie in der Wort- und Satzbildung (ELFRA-2) die Unterschiede zwischen den Subgruppen signifikant, insbesondere zwischen Late Bloomers und Kindern mit Spracherwerbsstörungen. In der Kommunikations- und in der Symbolspielentwicklung sind die Fähigkeiten der drei Subgruppen ähnlich.
    Abbildung 1: Signifikante Unterschiede im Alter von 2;0 Jahren im Wortverständnis (SETK-2)
    Abbildung 2: Signifikante Unterschiede im Alter von 2;3 Jahren in der Wortproduktion (ELFRA-2)
Prädiktion bei zwei- und zweieinhalbjährigen Late Talkers
    Zielsetzung der Studie war es, Prädiktoren zu finden, welche die Vorhersage der weiteren Sprachentwicklung bei zweijährigen Late Talkers erlauben. Die Wahrscheinlichkeit der Vorhersagen sollte erhöht werden durch das Kombinieren von bestimmten Prädiktoren und deren kritischen Werten.
    Mittels Klassifikationsanalyse wurde die Vorhersage des weiteren Verlaufs der Sprachentwicklung bei Late Talkers berechnet. Erstellt wurde ein baumbasiertes Klassifizierungsmodell, mit dem verdeutlicht werden konnte, welche Prädiktoren einen starken Einfluss ausüben und welche nicht. Im Alter von zwei Jahren erwies sich das Kombinieren der folgenden drei

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