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Sternenfall: Roman (German Edition)

Sternenfall: Roman (German Edition)

Titel: Sternenfall: Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Michael McCollum
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eben vorbeigegangenen Schneesturms beseitigt sein.
    Das ansonsten tiefschwarze Haar der fünfzigjährigen Constance Forbin wies eine charakteristische graue Strähne auf. Ihr Kostüm war auf eine Art streng geschnitten, die ihrer Figur schmeichelte, die, wie selbst Constance zugeben musste, einen Anflug von Plumpheit hatte. Sie lächelte, als sie auf den Park hinunterspähte, der vor dem New Ridderzaal -Tower lag. Im Sommer war dort ein Meer von Grün, und es wimmelte von Blumenbeeten und den einfachen Grünpflanzen, mit denen die Holländer ihre Landschaft verschönerten. Im Moment war es eine öde weiße Fläche, die an den salzverkrusteten Meeresboden erinnerte, der dieses ganze Gebiet einst gewesen war. Zwei Kinder durchquerten den Park in diagonaler Richtung und hinterließen mit dem Schlitten, den sie hinter sich herzogen, eine breite Fährte. Näher dem Büroturm zu tauchte von einem Moment zum andern eine Fußgängermenge aus der U-Bahnstation. Die Mehrheit der vermummten Pendler eilte über die windgepeitschte Straße und in die Wärme des Hauptgebäudes des Systemrates für internationale und interplanetarische Angelegenheiten.
    Der Rat war zur Jahrhundertwende als eine der letzten Schöpfungen der Vereinten Nationen gegründet worden, bevor sie aufgelöst wurden. Er hatte das Mandat erhalten, einen Blick auf Dinge zu werfen, die ein Jahrhundert später Bedeutung gewinnen sollten. Die Aufgabe des Rates bestand darin, Trends zu untersuchen, vorherzusagen, wohin sie führen könnten, und Empfehlungen zu geben, was, wenn überhaupt, daran zu ändern sei.
    Trotz der Auflösung seiner Mutterorganisation hatte sich der Rat günstig entwickelt. Auch wenn seine Arbeit weiterhin von den größeren terrestrischen Nationen und der Republik Luna finanziert wurde, war der Rat doch niemandem verpflichtet. Für den Rat wurde man auf spezielle Einladung hin tätig. Die normale Vorgehensweise des Rats bestand darin, eine kleine Arbeitsgruppe von Experten einzurichten, die auf einem bestimmten Gebiet über Kenntnisse verfügten. Diese Gruppen wurden aus Gründen der Effizienz klein gehalten, doch sie waren groß genug, um geistige Inzucht zu verhindern. Die Gruppendiskussionen wurden für gewöhnlich mittels Konferenzschaltung und über Computernetze durchgeführt, obwohl auch persönliche Treffen nicht unüblich waren.
    Wenn eine Arbeitsgruppe ihren Auftrag erfüllt hatte, wurden ihre Empfehlungen an die zentrale Datenverarbeitung übermittelt. Dort waren sie ein ganzes Jahr lang jedermann zugänglich, um den zehntausend ›Beratern‹ des Rates Gelegenheit zu Kommentaren und Kritik zu geben. Erst wenn sämtliche Vorschläge und Einwände berücksichtigt worden waren, wurde eine Empfehlung vom ganzen Rat gebilligt. In Übereinstimmung mit dem halb offiziellen Status der Organisation, war eine solche Empfehlung für niemanden verbindlich. Dennoch wurden die meisten von ihnen von zahlreichen Nationen rasch als offizielle Politik übernommen. So groß war die Autorität des Systemrates.
    Constance Forbin gehörte an sich nicht dem Rat an. Genau genommen war sie eine seiner Angestellten. Sie und 3000 andere Bedienstete unterstützten die Arbeitsgruppen in dministrativen Belangen und sorgten dafür, dass sie ungestört nachdenken konnten. Als Chefkoordinatorin war es ihre Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Arbeit unparteiisch geleistet wurde, dass Meinungsverschiedenheiten offen ausdiskutiert wurden und dass Minderheitsmeinungen Gehör fanden. Sie überwachte außerdem die verschiedenen supranationalen Dienstleistungsorganisationen, die im Laufe der Zeit unter die Kontrolle des Rates gefallen waren, von denen Sky Watch und das Erdbeben-Prognose-Zentrum die wichtigsten waren. Und natürlich war es ebenfalls die Aufgabe der Chefkoordinatorin, sich um die Öffentlichkeit zu kümmern.
    Constances Vergnügen an der Winterszene wurde plötzlich vom Summen der Sprechanlage gestört. »Professor Hardesty ist eingetroffen, Madame Forbin.«
    »Bitte schicken Sie ihn rein.«
    Die Tür öffnete sich, und ein Mann mit krummem Rücken hinkte herein. »Ein glückliches neues Jahr, Constance. Und wie geht es der Chefkoordinatorin an diesem wunderschönen Wintermorgen?«
    »Nicht schlecht, Franklin. Wie geht es dem Direktor von Sky Watch?«
    »Könnte nicht besser gehen«, antwortete er. »Bin gestern gerade rechtzeitig vor dem Unwetter angekommen und habe den ganzen Abend beobachtet, wie es schneit. Ich stamme aus Kalifornien, und es kommt mir

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