Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Steve Jobs: Die autorisierte Biografie des Apple-Gründers (German Edition)

Steve Jobs: Die autorisierte Biografie des Apple-Gründers (German Edition)

Titel: Steve Jobs: Die autorisierte Biografie des Apple-Gründers (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Walter Isaacson
Vom Netzwerk:
Kollegen. »Jede einzelne Folie überarbeitet er sechs- oder siebenmal«, sagte seine Frau Laurene. »In der Nacht vor der Präsentation bleibe ich mit ihm auf, und er überarbeitet sie noch einmal.« Er zeigte ihr sodann drei Varianten einer Folie und bat sie, die beste auszuwählen. »Er ist wie besessen. Er verfolgt den roten Faden seiner Präsentation wieder und wieder, ändert zwei oder drei Worte und arbeitet dann alles noch einmal von vorn durch.«
    Die Präsentationen spiegeln Apples Produkte wider, da sie zunächst sehr einfach erscheinen – eine spärliche Bühne, wenige Requisiten –, sich unter der Oberfläche allerdings die wahre Verfeinerung zeigt. Mike Evangelist war ein Wirtschaftsingenieur, der an der Entwicklung der iDVD-Software mitwirkte und Jobs später bei der Vorbereitung der Präsentation unterstützte. Bereits etliche Wochen vorher beschäftigten Evangelist und sein Team sich mit der Suche nach Bildern, Musik und Fotos, die Jobs im Lauf der Präsentation auf DVD brennen konnte. »Wir riefen all unsere Bekannten bei Apple an und forderten sie auf, uns ihre besten privaten Filmaufnahmen und Schnappschüsse zu schicken«, erinnerte sich Evangelist. »Steve machte seinem Ruf als Perfektionist alle Ehre: Er fand die meisten grässlich.« Evangelist hielt Jobs’ Ansprüche für überzogen, später musste er jedoch zugeben, dass wiederholtes Nachhaken die Auswahl letztendlich verbesserte.
    Im Jahr darauf war es Evangelist, den Jobs dafür auswählte, die Bühnenpräsentation der Videobearbeitungssoftware Final Cut Pro zu moderieren. Während der Proben – Jobs saß auf einem Sessel in der Saalmitte – wurde Evangelist nervös. Und Jobs war wirklich nicht der Typ, der Händchen hielt. Er unterbrach ihn nach nur einer Minute und sagte ungeduldig: »Entweder du bekommst das hin oder wir streichen diese Präsentation aus dem Hauptvortrag.« Es war Phil Schiller, der Evangelist zur Seite nahm und ihm Hilfestellung darin gab, wie er entspannter wirken könne. Bei der nächsten Probe schaffte er es und auch bei der öffentlichen Präsentation. Er sagte, er schätze noch immer nicht nur das Lob, das er von Jobs nach der Präsentation bekam, sondern auch die scharfe Beurteilung während der Probe. »Er zwang mich dazu, härter an mir zu arbeiten, und zum Schluss war meine Leistung sehr viel besser, als sie es ohne das gewesen wäre«, erinnerte er sich. »Aus meiner Sicht ist dies einer der wichtigsten Einflussfaktoren, den Steve Jobs bei Apple hat. Er hat kaum oder gar keine Geduld bei sich oder bei anderen, wenn nicht exzellenten Leistungen erbracht werden.«
    Vom iCEO zum CEO
    Ed Woolard, Jobs’ Förderer im Apple-Board, bedrängte ihn seit zwei Jahren, endlich den Zusatz »Interim« vor seinem CEO-Titel abzulegen. Nicht nur, dass Jobs keine Verpflichtungen einging, er verblüffte außerdem jeden damit, dass er nur einen Dollar Gehalt pro Jahr und keinerlei Aktienoptionen erhielt. »Ich verdiene 50 Cent dafür, dass ich ins Büro komme, und die restlichen 50 durch meine Leistung«, scherzte er immer wieder. Seit er im Juli 1997 zu Apple zurückgekehrt war, kletterte der Börsenkurs von knapp unter 14 auf über 102 Dollar zu Spitzenzeiten der Dotcom-Blase Anfang 2000. Bereits 1997 hatte Woolard ihn gebeten, wenigstens eine bescheidene Aktienoption als Ausgleich zu akzeptieren, doch Jobs lehnte ab. »Ich möchte nicht, dass meine Mitarbeiter bei Apple glauben, ich sei nur zum Reichwerden zurückgekommen.« Wenn er die bescheidene Option akzeptiert hätte, wäre sie später 400 Millionen Dollar wert gewesen. Stattdessen verdiente er in dieser Zeit nur 2 Dollar 50.
    Der wichtigste Grund, weshalb er hartnäckig bei seiner Berufung zum iCEO verblieb, war ein Gefühl der Unsicherheit über Apples Zukunft. Doch als das Jahr 2000 näherrückte, war klar, dass Apples Kurve nach oben zeigte und dass dies sein Verdienst war. Er unternahm einen langen Spaziergang mit seiner Frau Laurene und sprach mit ihr über die Entscheidung, die für die meisten inzwischen nur noch eine Formalität darstellte, die ihm aber weiterhin viel bedeutete. Sofern er die Ernennung zum Interim aufgab, könnte Apple zum Ausgangspunkt all dessen werden, was er sich vorstellte. Dazu gehörte auch, Apple in einen Produktbereich zu führen, der über Computer hinausging. Er entschied sich dafür.
    Woolard war begeistert und deutete an, dass das Board bereit war, ihm eine gewaltige Aktienoption zu gewähren. »Ich möchte ganz direkt

Weitere Kostenlose Bücher