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Störgröße M

Störgröße M

Titel: Störgröße M Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Bernd Ulbrich
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die er flüchtig kannte, Wissenschaftler oder Techniker, die mit der Führung des Raumschiffs nichts oder nur mittelbar zu tun hatten. Von zweien kannte er die Namen. Derjenige, der sich Bender am nächsten befand, wich, als er hinzutrat, ein wenig zurück.
Er spürte, es mußte etwas Unangenehmes im Gange sein. Parchold zwinkerte ihm zu. Er sah zu Gendries hinüber. Sie hob nur die Brauen, spitzte den Mund. Molms Miene wirkte geschäftig wie die eines Richters kurz vor der Verkündung des Urteilsspruchs. Er setzte sich auf seinen Platz, schlug abwartend die Beine übereinander.
Benders Gegenüber trat wieder einen Schritt vor, um in seiner unterbrochenen Rede fortzufahren.
»Wir sind uns über die Konsequenzen im klaren, die ein unverzügliches Bremsmanöver zur Folge hätte. Aber das Risiko, zu nah an einem Planeten oder gar in der Omega-TauriSonne aus dem Hyperraum zu tauchen, wächst mit jeder Sekunde exponentiell. Zwar sind uns die genauen Parameter nicht bekannt, aber nach einer ersten Näherung von Grant müssen wir uns bereits an den Grenzen des Planetensystems befinden. Es wird höchste Zeit, auf Unterlicht zu gehen, und wenn es uns den Sieg kostet.«
Der Summton des Rufers enthob den Kommandanten einer Antwort. Auf dem Bildschirm wurde der Kopf einer jungen Frau sichtbar. Laurenz erinnerte sich, sie gehörte zu jener Gruppe, die zur Sonderbeobachtung der »Pandora« gebildet worden war. Mit Mühe schien sie ihre Nervosität zu bekämpfen. Mehrmals setzte sie, sich räuspernd, an, ehe sie endlich formulieren konnte, daß alle Werte falsch wären. Aramet befand sich ganze achtzehntausend Kilometer hinter ihnen. »Den Raumprojektor könnt ihr auf den Schrott werfen«, rief das Mädchen erbost.
Ein kaum merkbares Zittern ging durch Benders Körper. Ohne die Miene zu verziehen, fragte er: »Begründung?«
Das junge Ding sah so hilflos aus, als trüge sie die Schuld allein. »Wir sind durch eine Differenz in der neunten Kommastelle daraufgestoßen. Sie müssen drüben ein System entwickelt haben, das unsere Fühler mit falschen Werten fütterte. Sie waren nie so weit abgeschlagen, wie wir glaubten.«
»Diese Schweine«, sagte Molm.
Bender nickte dem Mädchen zu. »Es ist gut. Wir lassen uns etwas einfallen. Meldet jede Veränderung. Ende!« Er unterbrach die Verbindung und wandte sich an den Sprecher der Abordnung. »In sieben Stunden beginnen wir mit dem Bremsmanöver.«
»Das sagtest du schon vor einer Stunde.«
»Habt ihr gerade geschlafen?« fragte Bender mit Hohn in der Stimme. »Wir liegen praktisch Kopf an Kopf.« Er musterte sie alle der Reihe nach. Parchold hielt seinen Blick fest.
»Wir sollten uns mit Aramet in Verbindung setzen.«
»Was versprichst du dir davon?«
»Wenn sie wirklich so dicht dran sind, ist die Gefahr für sie genauso groß. Vielleicht kommen wir zu einem Agreement, das den Jetztstand als Endstand zu betrachten erlaubt.«
Molm brach in Gelächter aus. »Wie kindisch, wie naiv, ein Mann mit deiner Erfahrung. Glaubst du denn, Aramet läßt sich auf so ein faules Ding ein, solange er noch eine Chance sieht?«
Parchold griente ihn an. »Bald hat keiner mehr eine, mein Junge.« Kühl sagte er: »Ich kenne Aramet länger als du, vor allem kenne ich ihn persönlich. Seine Kalkulationen sind genau. Er ist zu intelligent, um wirklich sein und seiner Mannschaft Leben aufs Spiel zu setzen. Ich wäre dafür, mit ihm zu reden.«
»Nicht, solange ich hier Kommandant bin!« Lässig stand Bender da. Doch das Spiel der Muskels unter der Kombination verriet die Anstrengung, mit der er sich beherrschte.
»Gendries«, sagte Laurenz, »stell die Verbindung zur ›Pandora‹ her.«
Bender veränderte nicht seine Haltung. Er blickte scheinbar an Laurenz vorbei. »Du bist übergeschnappt.«
Laurenz zuckte mit den Achseln. »Ich brauche nicht einmal den Paragraphen zwei, um meine Handlungsweise zu rechtfertigen.«
»Verbindung steht!« rief Gendries.
Jedermanns Blicke konzentrierten sich auf den großen Schirm.
Langsam, als übe ihre Einheit einen Zwang auf ihn aus, drehte sich Bender um.
Aramet thronte inmitten seiner Crew. Sie kannten sich alle. Irgendwann hatte jeder von ihnen einer Mannschaft angehört, die an einem Rennen beteiligt war. Gemeinsam hatten sie die Feste gefeiert, die der Sieger am Ziel auszurichten hatte. Sie hatten miteinander getanzt, getrunken, unter Ernst und Lachen Erinnerungen ausgetauscht an gefahrvolle Momente ihres Rennens. Hier und da war aus der Anerkennung Freundschaft

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