Sturm ueber roten Wassern
zum Frösteln.
Er und Jean pullten die Jolle in Richtung des Tors, das ihre private Bucht verriegelte; Caldris hatte seine zwanzig Volani gern einkassiert, doch er war nicht mehr bereit, ihnen die Segel anzuvertrauen.
»Das war’s dann für heute«, verkündete Caldris, als sie sich endlich dem Rand des gepflasterten Platzes näherten. Der alte Segelmeister machte das Boot wieder fest, während Locke seinen Riemen verstaute und erleichtert aufatmete. Bei der geringsten Bewegung taten seine Rückenmuskeln höllisch weh, als würden sie gegeneinander scheuern; es fühlte sich an, als hätte ihm jemand eine Handvoll spitzer Steinchen zwischen die einzelnen Muskeln gestreut. Von dem sich auf dem Wasser spiegelnden Sonnenglast hatte er Kopfschmerzen, und die alte Verletzung in der linken Schulter machte sich stärker bemerkbar als sämtliche anderen Schmerzen.
Steif kletterten Locke und Jean aus dem Boot und streckten sich; Caldris, der aus seiner Belustigung keinen Hehl machte, öffnete den Korb und holte das patschnasse Kätzchen heraus. »Ist ja gut, ist ja gut«, tröstete er das Tier, das sich in seine überkreuzten Arme schmiegte. »Die jungen Herren haben dich nicht absichtlich ins Wasser geworfen. Sie sind genauso nass geworden wie du.«
»Mrrrrrrrrrreeeeeew«, maunzte das Kätzchen.
»Ich vermute mal, das heißt, ›leckt mich am Arsch‹«, übersetzte Caldris. »Aber zumindest sind wir nicht ertrunken. Nun, was denkt ihr? Habt ihr heute was gelernt?«
»Ich hoffe, wir haben zumindest ein bisschen Talent gezeigt«, stöhnte Locke, der eine verhärtete Stelle in seinem Kreuz massierte.
»Ihr habt den ersten winzigen Schritt getan, Kosta«, belehrte ihn Caldris. »Als Matrosen seid ihr noch so unbeleckt wie ein neugeborener Säugling. Was Nautik betrifft, so habt ihr noch nicht mal gelernt, an den Titten der Mutter zu saugen.
Allerdings könnt ihr jetzt steuerbord von backbord unterscheiden, und ich habe zwanzig Volani verdient.«
»Das stimmt«, ächzte Locke, während er sich mühsam bückte und seinen Rock, die Weste, die Halstücher und Schuhe vom Boden aufklaubte. Dann warf er dem Segelmeister eine kleine Lederbörse zu, der sie vor dem Kätzchen baumeln ließ und gurrende Laute von sich gab, als tröste er ein kleines Kind.
Als Locke sich den Rock über seine feuchte Tunika warf, blickte er zufällig zum Tor und sah, wie Merrains Gig in die künstliche Bucht hineinglitt. Sie saß wieder im Bug und sah aus, als hätten sie sich erst vor zehn Minuten getrennt und nicht vor zehn Stunden.
»Ihr fahrt jetzt in die Zivilisation zurück, meine Herren.« Zum Abschied hob Caldris Lockes Geldbörse in die Höhe. »Morgen früh sehen wir uns wieder, in alter Frische.
Von jetzt an wird es mit jedem Tag schlimmer, also stellt euch schon mal darauf ein.
Genießt eure schönen weichen Betten, solange ihr noch welche habt.«
Merrain ließ sich nicht dazu bewegen, irgendwelche Fragen zu beantworten, während die zehn Soldaten sie zum Hafen unterhalb der Savrola zurückruderten. Locke, der selbst nicht zum Reden aufgelegt war, passte dies ausgezeichnet. Er und Jean jammerten sich gegenseitig die Ohren voll, indem sie sämtliche Stellen aufzählten, die ihnen wehtaten, während sie, so gut es der Platz erlaubte, in der Achtergalerie alle viere von sich streckten.
»Ich bin so geschafft, dass ich drei Tage in einem durch schlafen könnte«, klagte Locke.
»Wenn wir nach Hause kommen, sollten wir ein opulentes Abendessen bestellen und ein entspannendes Bad nehmen«, schlug Jean vor. »Danach fallen wir sicher wie tot ins Bett.«
»Ich kann mich nicht ausruhen«, seufzte Locke. »Heute Abend muss ich zu Requin gehen. Mittlerweile weiß er wahrscheinlich, dass Stragos uns vor Kurzem wieder zu sich bestellt hat. Ich muss mit ihm reden, ehe er ärgerlich wird. Die Stühle muss ich ihm auch noch geben. Zu allem Überfluss muss ich ihm noch von diesem ganzen Mist hier erzählen und kann nur hoffen, dass er uns nicht mit unseren eigenen Gedärmen erdrosselt, wenn er erfährt, dass wir für ein paar Monate aus Tal Verrar verschwinden werden.«
»Bei den Göttern!«, stöhnte Jean. »Ich habe mich bemüht, nicht daran zu denken. Du hast dir ja schon den Mund fusselig geredet, um ihn davon zu überzeugen, dass uns jemand angeheuert hat, seinen Tresor aufzubrechen. Was willst du ihm sagen, um diese bekloppte ›Seereise‹ plausibel zu machen?«
»Das weiß ich noch nicht.« Locke massierte die schmerzende Gegend um
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