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System Neustart

System Neustart

Titel: System Neustart Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: William Gibson
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Militärprojekt zu tun hat. Und das stimmt natürlich auch.« Bigend spießte mit der Gabel ein großes Stück Frühstücksspeck auf, steckte es sich in den Mund und kaute.
    »Tatsächlich?«
    Bigend schluckte den Speck hinunter und trank einen Schluck Tee. »Mich interessiert, ob der Designer von Gabriel Hounds uns dabei helfen könnte, einen Auftrag vom Militär zu erhalten.«
    Milgrim sah Fiona an, weil er wissen wollte, ob sie auf den Markennamen reagieren würde, doch sie war damit beschäftigt, mit den Stäbchen Shrimps aus ihren Nudeln zu picken. »Hollis ist sehr durcheinander«, sagte Milgrim zu Bigend. »Wegen ihrem Freund.«
    »Wirklich? Sie hat einen Freund?«
    »Hatte«, sagte Milgrim. »Sie sind nicht mehr zusammen. Aber sie hat erfahren, dass er einen Unfall hatte.« »Was ist passiert?«
    »Ein Autounfall«, sagte Milgrim, was genau genommen der Wahrheit entsprach.
    »Ich hoffe, es ist nichts Ernstes«, sagte Bigend und riss ein Stück Brot in der Mitte durch.
    »Sie befürchtet, dass es ihm nicht gut geht«, sagte Milgrim.
    »Ich sorge schon dafür, dass sie sich weiter auf ihre Aufgabe konzentriert«, sagte Bigend und tunkte etwas Eigelb auf.
    Milgrim sah Fiona an, die Bigend mit ziemlich kaltem Blick musterte, sich dann aber wieder ihren Nudeln zuwandte.
    »Sie wollen, dass der Designer von Gabriel Hounds für das US-amerikanische Militär arbeitet?«
    »Wenn ein Großteil der Herrenbekleidung heutzutage auf das Design des US-amerikanischen Militärs zurückgeht, was zweifellos der Fall ist, und das Militär Probleme hat, diesem Erbe gerecht zu werden, was ebenfalls den Tatsachen entspricht, dann kann jemand, dessen Genialität darin besteht, die Semiotik amerikanischer Massenbekleidung neu zu kombinieren ... Es wäre dumm, diese Möglichkeiten nicht in Betracht zu ziehen. Jedenfalls wird es gerade heiß«, sagte Bigend.
    »Was meinen Sie?«
    »Die ganze Situation. Der Fluss der Ereignisse. So ist das immer, wenn Leute wie Sleight beschließen, selbst die Initiative zu ergreifen. Und von jemandem in meiner Position wird erwartet, dass er sich ausschließlich auf die gegenwärtige Situation konzentriert. In taktischer Hinsicht eine furchtbare Verschwendung. Oft kann man am Markt gute Geschäfte machen, während ein solcher Coup im Gange ist.« Mit seinem letzten Stück Brot wischte er Eigelb und Bratfett auf und steckte es sich in den Mund. Sein Teller war nun blitzblank und sauber.
    Fiona legte die Stäbchen beiseite, nachdem sie einen letzten Shrimp aus ihren Nudeln herausgepickt hatte. »Und wohin soll ich Mr. Milgrim nun bringen?«
    »Holiday Inn, Camden Lock«, sagte Bigend. »Covent Garden scheinen inzwischen alle zu kennen.«
    »Ich habe eine der Dottirs gesehen, in einem Restaurant in Paris«, sagte Milgrim. »Und Rausch.«
    »Ich weiß«, sagte Bigend. »Das haben Sie Fiona gestern Abend schon erzählt.«
    »Aber war das Zufall, dass sie dort waren? Als wir auch dort waren?«
    »Anscheinend ja«, sagte Bigend aufgeräumt und wischte sich die Finger mit einer Papierserviette ab. »Aber Sie kennen ja den Spruch.«
    »Welchen?«
    »Selbst ein Paranoiker mit Wahnvorstellungen kann Feinde haben.«
    »Er hat Sie im Holiday Inn untergebracht«, sagte Fiona, während sie zu dem Reparaturhof am unteren Ende der Marsh Street zurückkehrten - Milgrim hatte Fiona nach dem Straßennamen gefragt. »Ja?«
    »Das ist nicht ganz so nobel wie das Hotel, in dem Sie vorher gewohnt haben«, sagte sie. »Das hat auch mehr Sicherheit geboten. Da haben schon manche Stars lange Belagerungen durch die Presse heil überstanden. Das Holiday Inn in Camden ist kein schlechtes Hotel, aber es ist nicht ganz so sicher.«
    »Er denkt, dass zu viele Leute wissen, wo ich vorher gewohnt habe«, sagte Milgrim.
    »Ich weiß nicht, was er denkt«, sagte Fiona, »aber Sie sollten besser auf sich aufpassen.«
    Das tue ich, dachte Milgrim. Oder jedenfalls hatte er es früher getan. Auf pathologische Weise, hatte seine Therapeutin gesagt. »Sie wollten mir erklären, wie ich ein besserer Beifahrer werde«, sagte er.
    »Tatsächlich?«
    »Sie haben gesagt, ich brauchte Nachhilfestunden.« »Sie müssen näher an mich heranrücken und sich gut festhalten. Unsere Körper müssen miteinander verschmelzen.« »Wirklich?«
    »Ja. Und Sie müssen an mir dran bleiben und sich beim Abbiegen mit mir in die Kurve legen. Aber nicht zu sehr. Das ist wie beim Tanzen.«
    Milgrim hustete. »Ich werd's versuchen«, sagte er.

39. Die Nummer
    Heidi

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