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Todesnacht - Booth, S: Todesnacht - Scared to Live

Titel: Todesnacht - Booth, S: Todesnacht - Scared to Live Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Stephen Booth
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Petty. »Die Untersuchung von Bränden ist manchmal ganz besonders schwierig. Feuer wird durch so viele Faktoren beeinflusst, dass der Schauplatz sehr stark täuschen kann.«
    Sie trank einen Schluck Wein und blickte durchs Fenster auf die Buxton Road hinaus. Liz wohnte ganz in der Nähe von Fly Hill, nur ein paar Gehminuten von der Weinbar entfernt, in einem dreigeschossigen Reihenhaus, das sie von ihrem Onkel gemietet hatte. Vom Schlafzimmer im Dachgeschoss hatte man einen herrlichen Ausblick über ganz Bakewell bis hin zum Golfplatz.
    »Ich erinnere mich an etwas, was wir in dem Kurs gelernt haben, den ich absolviert habe«, sagte Petty. »Es ging um einen echten Fall, mit Fotos. Ein kleines Kind, das bei einem Feuer ums Leben gekommen war. Ich musste an diesen Fall denken, als ich gehört habe, dass in der Darwin Street zwei Kinder gestorben sind. Ich weiß zwar, dass die beiden nicht verbrannt sind, aber trotzdem...«
    Cooper wartete, da er erkannte, dass sie ihre Gefühle erst sortieren musste, ehe sie sie in Worte fassen konnte. Was auch immer sie ihm sagen wollte, es konnte durchaus sein, dass sie bislang noch mit niemandem darüber gesprochen hatte. Er hatte gelernt zu erkennen, wann es galt, zuzuhören und nicht zu unterbrechen.
    »Wusstest du, dass sich bei intensiver Hitzeeinwirkung das Gehirn ausdehnt?«, fragte Petty schließlich.
    »Ja, ich glaube, das habe ich schon mal gehört.« Cooper stellte seine Flasche ab. Er hatte den Verdacht, dass es schlimmer werden würde, als er erwartet hatte. Der Schokoladen-Trüffelkuchen verlor plötzlich seinen Reiz.

    »Tja, der Schädel eines Kindes ist wesentlich fragiler als der eines Erwachsenen. Am Anfang sind die Knochen nämlich sehr weich. Sie haben uns ein paar Fotos von dem Schauplatz gezeigt, an dem der kleine Junge gestorben ist. Das Feuer hat sich so schnell ausgebreitet und so hohe Temperaturen verursacht, dass der Schädel des Kindes geplatzt ist, als sich sein Gehirn ausgedehnt hat. Auf den Bildunterschriften stand Schädeldefekt mit Gehirnaustritt bei einem zweijährigen Brandopfer . Und ich dachte mir, wenn man an einen solchen Schauplatz kommt, würde man vermutlich annehmen, das Kind wäre vor dem Brand an einer schweren Kopfverletzung gestorben.«
    »Und dass der Brand gelegt wurde, um die Beweise zu vernichten«, sagte Cooper. »So was kommt vor.«
    »Stimmt. Aber das wäre die falsche Annahme. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass es nur das Feuer war.« Sie senkte die Stimme. »Vielleicht war es nur ein Schädeldefekt mit Gehirnaustritt. Nichts anderes.«
    Cooper hörte den Bruch in ihrer Stimme und schwieg. Es war, als habe sich eine Blase um ihren Tisch gebildet, die sie vom Rest der Weinbar abschirmte. Er hatte das Gefühl, als könne er die Hand ausstrecken und dieses kostbare Phänomen berühren, die Fähigkeit zweier Menschen, dieselben Gedanken und Gefühle zu haben, ohne sie aussprechen zu müssen.
    Dann griff Liz nach seiner Hand. »Du wolltest keinen Nachtisch, oder, Ben?«
    »Nein, eigentlich nicht.«
    »Dann lass uns zahlen.«
     
     
    Stella Searle löste den Blick vom Fernseher in ihrem Schlafzimmer und sah in Richtung Dusche, wo sie Wasser laufen hörte. Den Fernseher hatte ihr Darren gekauft. Er tat fast alles, um sie glücklich zu machen, bis auf das Eine, was sie sich wirklich wünschte.

    »Daz!«, rief sie. Als sie hörte, dass er wie ein übermütiges Kind irgendeine Melodie vor sich hin summte, rief sie ihn nochmals. »Darren!«
    »Was gibt’s?«
    »Komm mal her.«
    »Ich stehe gerade unter der Dusche, Schatz.«
    »Komm mal her. Da ist was im Fernsehen, was du dir unbedingt ansehen musst.«
    »Das kann warten. Ich bin gleich fertig.«
    »Nein – jetzt«, sagte sie und benutzte dabei den Ton, von dem sie wusste, dass er ihn erkennen würde.
    »Oh, verdammt noch mal.«
    Das Wasser hörte auf zu laufen, und einen Augenblick später kam er mit einem Handtuch um die Hüften und nassem Haar ins Schlafzimmer getrottet, wobei seine Füße feuchte Spuren auf dem Boden hinterließen.
    »Was ist denn, Stell?«
    Sie blickte wieder auf den Bildschirm, doch der Nachrichtensprecher war bereits zum nächsten Thema übergegangen und sagte irgendetwas über die Benzinpreise.
    »Jetzt ist es vorbei.«
    »Verdammte Scheiße, Schatz. Wenn ich nicht bald im Bad fertig bin, komme ich zu spät nach Hause. Dann macht mir Fiona eine Riesenszene.«
    Stella schenkte seiner Laune und seinem Fluchen keine Beachtung. Sie wusste, dass sie ihn völlig

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