Todesschlaeger - Ein Golferkrimi
damit sagen, werte Kollegin?«, hakte der Hagere nach.
»Der Ort, an dem Frederik Meinert starb, befindet sich auf der österreichischen Seite des Zugspitzgebietes. Man kann dieses Gebiet im Winter von der Ehrwaldseite mit einer Gondel erreichen, aber auch von der deutschen Seite aus, ganz in der Nähe von Garmisch, mit einer unterirdischen Bahn, der Zugspitzbahn anfahren. Wenn wir herausbekommen, dass sich Walden genau in dieser Zeit bei seiner Mutter aufgehalten hat und er zudem noch ein leidlicher Skifahrer ist, haben wir den gewünschten Verknüpfungspunkt.«
Einige der anwesenden Kollegen klatschten spontan Beifall. Auch Michael Schlosser sah sie anerkennend an.
»Ich fürchte«, hielt er trotzdem sachte dagegen, »selbst wenn wir genau diese Daten bestätigt bekommen, nutzen sie uns nicht viel. Was hätten wir damit bewiesen? Dass er, wie zigtausend andere Menschen auch, zu einer bestimmten Zeit dort war. Er kann das sogar getrost zugeben. Wenn wir behaupten, er hat von dem Sohn Herrmann Wetzlars gewusst, kann er nur müde lächelnd verneinen und wir stehen dumm da. Wir können ihm nichts, aber auch gar nichts beweisen.«
Zustimmendes Nicken und unruhiges Stühlerücken waren die Folge dieser Ausführungen.
»Es geht aber noch weiter, Kollegen«, fuhr die Frau unbeeindruckt fort. »Die Wetzlars hatten eine ganze Reihe Ferienhäuser. Eines in Spanien, wie wir wissen, das jetzt der zweiten Frau gehört. Aber sie haben immer noch solche Objekte in Florida, Südafrika und … und in Lech in Tirol. Das ist auch nur einen Katzensprung vom Zugspitzgebiet entfernt. Wer sagt uns denn, dass nicht Norbert Wetzlar in der fraglichen Zeit dort war?«
Sie hielt kurz inne, um tief Luft zu holen. Es herrschte atemlose Stille als sie fortfuhr:
»In diesem Haus könnte auch jeder gedungene Mörder gewohnt haben. Ein solcher Mensch könnte sowieso überall in dem Raum unauffällig unterwegs gewesen sein. In den Wintermonaten fällt dort niemand auf.«
Zustimmendes Gemurmel kam hoch. Anerkennend nickte Michael Schlosser der Kollegin zu und übernahm wieder das Wort: »Gehen wir nun zu dem Mord an Herrmann Wetzlar. Hier ist es noch verwirrender. Wir wissen bis heute noch nicht, wie die Tat wirklich geschehen ist. Aber hier können wir gleich wieder den zuvor geäußerten Verdacht von Walden wegnehmen: Er war so überrascht, dass er fast umgefallen wäre, als wir, Genko und ich, ihm eröffneten, dass Herrmann Wetzlar auf dem Golfplatz ermordet aufgefunden worden ist, ermordet durch den Schlag mit einem Golfschläger. Ich habe so viele Jahre Berufspraxis und kann Ihnen versichern, die Überraschung war echt und perfekt. Dem Mann war diese Tatsache bis zu diesem Augenblick absolut unbekannt gewesen. Wäre er der Mörder gewesen oder hätte von diesem Mord gewusst, hätte er ganz anders reagiert.«
Er spürte, wie wieder eine unbehagliche Unruhe im Raum entstand, die sich augenblicklich legte, als er weiter sprach: »Das gilt auch für den Tod seiner Frau. Thomas Miller, der total vertrauenswürdig und von seiner geistigen Verfassung her in der Lage ist, eine Sachlage richtig zu erfassen und wiederzugeben, hat zweifelsfrei bestätigt, dass sich Walden während der Tatzeit mit Sicherheit zu Hause befunden haben muss, weil er die typischen, signifikanten Hintergrundgeräusche während eines langen Telefonats einwandfrei hatte identifizieren können. Wir haben auch die Telefongesellschaft die Gesprächszeiten und Gesprächsorte nachprüfen lassen und auch diese unterstreichen das Alibi Georg Waldens. Dieser Mann scheidet anscheinend also aus. – Nein, so kommen wir nicht an die Identität des Mörders heran, geschweige denn, an das Beweisen der Taten. Wir müssen uns da schon etwas mehr einfallen lassen und kräftig weiterermitteln«
Er machte wieder eine kurze Pause. Die Unruhe und der Unmut der Anwesenden nahmen zu. Allmählich begann eine rege Unterhaltung, quer über alle Reihen und Stühle hinweg. Wie sie es auch drehten und wendeten, sie kamen nicht weiter. Um die ungeordneten Unterhaltungen nicht weiter ausufern zu lassen, rief Schlosser in den Raum:
»Ruhe! Ruhe! Ich mache Ihnen einen Vorschlag, Kollegen!«
Es wurde umgehend wieder still im Raum. Jeder schaute gebannt auf den Ermittlungsleiter.
»Ich schlage vor, dass wir jetzt alle nach Hause gehen, die Nacht darüber schlafen und uns morgen den ganzen Tag noch einmal mit den Akten befassen. Ich glaube fest daran, dass wir etwas ganz Wichtiges übersehen haben. Wenn
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