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Todesspiel

Titel: Todesspiel Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: John Sandford
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allgemeinen Sinn«, sagte ich.
    »Du bist ein netter Kerl, aber du hast finstere Freak-Gedanken«, sagte Marvel. Sie streckte die Hand aus, kniff mich
in die Wange und schüttelte sie. Dann sah sie wieder John an. »Du weißt doch, wie die Cops da unten sind. Sie verhaften dich, nur weil du es wagst, als Schwarzer in der falschen Gegend rumzulaufen. Und du willst ja wohl nicht verhaftet werden, oder?«
    »Ich lasse mich nicht so einfach verhaften«, sagte John mit einer Spur Zorn in der Stimme. »Ich habe die Schnauze gestrichen voll davon, dauernd zu kneifen, wenn ich irgendwo hingehen will. Und wenn wir zusammen nach New Orleans fahren, kann ich von schwarzem Mann zu schwarzem Mädchen mit ihr reden, und Kidd kann es von Freak zu Freak tun.«
    »Klingt wie dieser verdammte Schmusesong«, kicherte LuEllen. »›When we are together dancing freak to freak …‹«
    Alle lachten, und ich sagte: »Und ich habe die Schnauze gestrichen voll von dieser Freak-Scheiße.«
     
    Wir diskutierten noch eine Weile über die Sache, entschlossen uns dann, am nächsten Tag nach New Orleans zu fahren und zunächst einmal die Sachlage zu eruieren. LuEllen ging noch zur Toilette, ehe wir zu unserem Motel aufbrachen, und John verschwand, um den Kindern Gute-Nacht-Küsse zu geben. Sie schliefen schon seit Stunden, aber Marvel glaubte, dass sie unbewusst spürten, wenn ihr Vater sie noch besuchte. So blieben Marvel und ich allein in der Küche zurück.
    »Hör zu, Kidd, ich habe noch nie jemandem etwas davon gesagt, aber als John ein junger Mann war, ist er ein paar Mal in erhebliche Schwierigkeiten geraten«, sagte sie. »Er würde immer noch im Gefängnis sitzen, wenn die Cops ihn damals erwischt hätten, aber das haben sie nicht geschafft. Sie haben allerdings seine Fingerabdrücke beim FBI und auch seinen wahren Namen. Wenn er ihnen in die Finger fällt und sie seine Fingerabdrücke nehmen …«
    »Okay«, sagte ich.

    »Pass gut auf ihn auf«, sagte sie mit sehr ernster Stimme. »Ich verlasse mich auf dich.«
     
    Um acht Uhr am nächsten Morgen brachen wir von Longstreet auf, noch ein wenig verschlafen, und in der Mitte des feuchtwarmen Nachmittags trafen wir unter drohenden Regenwolken am Westhimmel in New Orleans ein. Die Temperaturanzeige im Wagen stand auf der Schnellstraße bei 33 Grad; auf dem Asphalt vor einem E-Z Way, wo wir uns Mineralwasser und Coke kauften, kletterte sie auf 38 Grad. Es regte sich kein Lüftchen, und die Luftfeuchtigkeit schien fast hundert Prozent zu betragen.
    Im Supermarkt sah ich auf einem Fernsehschirm das Foto von einem Soldaten, der eine Wüsten-Tarnuniform und einen amerikanischen Stahlhelm trug und eine Pistole auf den Kopf eines arabischen Mannes in orientalischer Kleidung richtete. Der Araber schien nach hinten zu kippen, als wäre er gerade erschossen worden – ein Foto, das fatal an die Aufnahme erinnerte, auf der ein südvietnamesischer General einen Vietcong exekutiert. Der Ton war abgeschaltet, sodass ich nicht erkennen konnte, worum es da ging.
    Ein dünner weißer Junge, vermutlich auf dem Weg zum Schlittschuhlaufen in einer Eishalle, da er trotz der Hitze eine schwarze Wollmütze tief über den Kopf gezogen hatte, stand vor dem Bildschirm, und ich fragte ihn: »Was ist da los?«
    »Mann, der hat dem Typ in den Kopf geschossen!«, antwortete er. »Waffen sind was Schlimmes.«
     
    Wir entschlossen uns, eine Art Basislager einzurichten – als Zufluchtsort, wenn wir einen brauchten -, und wir taten es im Baton Noir Motel in Metairie, einem netten Haus mit einem guten Restaurant und einer aufgeschlossenen Haltung gegenüber gemischtrassigen Personengruppen. Ich hatte dort
einen Monat zugebracht, ehe ich die Wohnung in New Orleans gekauft hatte, später dann noch einmal zwei Wochen im Zusammenhang mit dem Verkauf der Wohnung.
    Nach dem Einchecken rief ich am Laptop den Stadtplan auf und holte über die Adresse des Mädchens einen Kartenausschnitt auf den Screen. Während ich das tat, schaltete LuEllen den Fernseher ein, und ein paar Minuten später, als ich mir gerade die Strecke zum Haus des Mädchens notierte, sagte LuEllen aufgeregt: »Hey, hey, sieh dir das an! Sieh dir das an!«
    Sie schaute auf dieselbe Szene, die ich in dem Supermarkt beobachtet hatte. Der Reporter sagte gerade: »… leugnet, dass jemals eine solche Exekution stattgefunden hat, und behauptet, es läge eine Fotomontage vor. Die Person, die sich Bobby nennt und dem Sender das Foto zugeschickt hat, sagt im

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