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Tunnel - 01 - Das Licht der Finsternis

Tunnel - 01 - Das Licht der Finsternis

Titel: Tunnel - 01 - Das Licht der Finsternis Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Brian Roderick & Williams Gordon
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kenne, sie jemals zu Gesicht bekommen.«
    »Oh, Mann, ich würde alles dafür geben, mal einen Blick darauf werfen zu können«, rief Will zutiefst fasziniert von all dem, was er soeben erfahren hatte.
    Onkel Tam lachte leise in sich hinein.
    »Was ist?«, fragte Will.
    »Na ja, anscheinend hat dieser Dr. Burrows wohl ganz genau das Gleiche gesagt, als man ihm die Geschichte erzählte … und zwar mit ganz genau den gleichen Worten.«

25
    Nachdem sie lange geredet, Tee getrunken und Backwerk gegessen hatten und Will um viele Erkenntnisse reicher war, erhob Onkel Tam sich schließlich mit einem herzhaften Gähnen aus seinem Sessel und reckte die langen Glieder, dass die Gelenke nur so knackten. Dann wandte er sich an Großmutter Macaulay.
    »Auf geht’s, Ma. Höchste Zeit, dass ich dich nach Hause bringe.«
    Und damit verabschiedeten sich die beiden herzlich und waren wenige Augenblicke später auch schon zur Tür hinaus. Ohne Tams dröhnende Stimme und sein ansteckendes Lachen wirkte das Haus plötzlich vollkommen verändert.
    »Ich zeig dir, wo du schlafen wirst«, erklärte Cal seinem Bruder, der nur mit einem Murmeln reagierte. Es kam Will so vor, als stünde er unter einer Art Zauber; tausend neue Gedanken und Empfindungen rasten ihm durch den Kopf, die er einfach nicht unterdrücken konnte, so sehr er sich auch bemühte. Wie hungrige Fische stiegen sie immer wieder an die Oberfläche.
    Gemeinsam gingen die beiden Jungen hinaus in die Eingangshalle, wo Will stehen blieb und die Porträts betrachtete, die dort an den Wänden hingen.
    »Ich dachte, deine Großmutter wohnt hier im Haus«, wandte er sich nachdenklich an Cal.
    »Es ist ihr gestattet, mich hier zu besuchen.« Cal schaute verlegen zur Seite. Aber Will merkte sofort, dass hinter dieser Antwort mehr steckte, als Cal zugeben wollte.
    »Was meinst du mit: Es ist ihr gestattet?«
    »Ach, sie hat ihr eigenes Zuhause, da, wo unsere Mutter und Onkel Tam geboren wurden«, erwiderte Cal ausweichend und schüttelte dann den Kopf. »Komm, lass uns nach oben gehen!« Er warf sich Wills Rucksack über die Schulter und war schon halb die Treppe hinaufgestiegen, als er feststellte, dass Will ihm nicht folgte. Durch das Treppengeländer sah er, dass Will noch immer bei den Porträts stand. Irgendetwas am Ende des Flurs hatte seine Neugier geweckt.
    Wills Abenteuerlust und Wissbegierde waren stärker als jedes Gefühl von Müdigkeit und fegten sämtliche Gedanken an das, was er eben gehört hatte, fort. »Was ist dahinter?«, fragte er und zeigte auf eine schwarze Tür mit einem Messingknauf.
    »Ach, nichts Besonderes, nur die Küche«, erwiderte Cal ungeduldig.
    »Kann ich mal kurz einen Blick hineinwerfen?«, fragte Will und marschierte bereits auf die Tür zu.
    Cal seufzte. »Von mir aus. Aber da gibt es wirklich nichts Besonderes zu sehen«, sagte er resigniert, kam dann die Stufen wieder herunter und ließ den Rucksack am Fuß der Treppe stehen. »Das ist nur eine Küche!«
    Will stieß die Tür auf und fand sich in einem niedrigen Raum wieder, der ihn irgendwie an ein viktorianisches Krankenhaus erinnerte. Und die Küche sah nicht nur so aus – sie roch auch so, nach einer Mischung aus Karbol und Kochdünsten. Die Wände waren in einem gedämpften Pilzbraun gestrichen, und der Boden und die Arbeitsflächen waren mit großen weißen Kacheln gefliest, die unzählige Kratzer und Risse in der Glasur aufwiesen. An manchen Stellen wirkten sie vom jahrelangen Schrubben wie ausgehöhlt.
    Wills Blick wanderte in eine Ecke, wo ein Kochtopfdeckel leise klapperte. Auf einem alten Kohleherd, dessen schwerer Korpus vor eingebranntem Fett speckig glänzte, standen mehrere Schmortöpfe. Will beugte sich über den ersten Topf, doch dessen brutzelnder Inhalt wurde von kleinen, würzig-aromatischen Dampfwolken verdeckt. Rechts daneben, hinter einem massiven Holzklotz, über dem ein großes Hackbeil von einem Deckenhaken baumelte, entdeckte Will eine weitere Tür.
    »Und wo geht’s hier hin?«
    »Hör mal, willst du nicht lieber …?«, setzte Cal an, verstummte jedoch, als ihm bewusst wurde, wie nutzlos es war, mit seinem Bruder zu diskutieren, der bereits seine Nase in den kleinen angrenzenden Raum gesteckt hatte.
    Wills Augen leuchteten auf, während er sich umsah. Die Kammer erinnerte ihn an das Labor eines Alchemisten: In den deckenhohen Regalen standen gedrungene Weckgläser mit unbekannten Lebensmitteln, bis zur Unkenntlichkeit verzerrt durch das dicke Glas und die ölige

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