Ueber Deutschland
Sache
Verläßt, und daß die Teufel sie beschützen?
Ist aber das, was ich dir sage, gut,
Wo anders als von oben konnt' ich's schöpfen?
Wer hätte sich auf meiner Schäfertrift
Zu mir gesellt, das kind'sche Hirtenmädchen
In königlichen Dingen einzuweihn?
Ich bin vor hohen Fürsten nie gestanden,
Die Kunst der Rede ist dem Munde fremd.
Doch jetzt, da ich's bedarf dich zu bewegen,
Besitz' ich Einsicht, hoher Dinge Kunde;
Der Länder und der Könige Geschick
Liegt sonnenhell vor meinem Kindesblick,
Und einen Donnerkeil führ' ich im Munde.
Bei diesen Worten fühlt sich der Herzog bewegt, gerührt, hingerissen. Johanna bemerkt es, und ruft:
Er weint, er ist bezwungen, er ist unser!
Die französischen Krieger neigen ihre Schwerter und ihre Fahnen; Carl VII. erscheint, der Herzog wirft sich ihm zu Füßen.
Es thut mir leid um uns, daß kein Franzose der Verfasser dieses Auftritts war. Wie viel Genie, und vor allem, wie viel Empfindung und Natur, wird aber nicht erfordert, um in solchem Grade mit allem eins zu werden, was in allen Ländern und zu allen Zeiten schön und wahr ist.
Talbot, den Shakespear als einen Gottesläugner, als einen rohen Krieger darstellt, der mit dem Himmel selbst im Streite liegt, der den Tod verachtet, obschon ihm vor dem Tode schaudert, Talbot wird von Schiller vorgestellt, wie er, von der Jungfrau verwundet, unter Verwünschungen und Gotteslästerungen stirbt. Vielleicht wäre es besser gewesen, der allgemeinen Sage treu zu bleiben, welcher zu Folge Johanna nie Blut vergoß, sondern ohne zu tödten siegte. Ein Critiker von reinem, aber strengem Geschmack macht es Schillern zum Vorwurf, daß er seiner Heldin Gefühl für die Liebe gab, anstatt sie den Märtyrertod sterben zu lassen, ohne sich durch irgend eine menschliche Schwachheit von ihrer göttlichen Sendung abziehen zu lassen. Doch so ganz vollkommen hätte man sie nur im Heldengedicht schildern können; in der Tragödie würde ein durchaus heiliges, reines Gemüth vielleicht nur eben so wirken, wie ein wunderbares allegorisches Wesen, dessen Handlungen vorauszusehen sind, und das, von keiner menschlichen Leidenschaft bewegt, uns weder den dramatischen Kampf, noch das dramatische Interesse zur Schau stellt.
Unter den edeln Rittern des französischen Hofes ist der tapfere Dünois der erste, der der Jungfrau Herz und Hand anbietet. Ihrem Gelübde getreu, schlägt sie ihn aus. Ein junger Engländer, Montgommery, stößt mitten in der Schlacht auf sie, fleht um sein Leben, und schildert den Schmerz, der seinen alten Vater ergreifen wird. Johanna verwirft seine Bitte, und zeigt sich unerbittlicher, als es ihr die himmlische Jungfrau zur Pflicht machte. Im Augenblick aber, wo sie einen zweiten Engländer, den jungen Lionel, treffen will, fühlt sie Mitleid mit ihm, seine Gestalt rührt sie, Liebe schleicht sich in ihr Herz ein. Ihre Kraft ist verschwunden. Ein schwarzer Ritter, in der Farbe des Schicksals, erscheint ihr im Kampfe, räth ihr, nicht nach Rheims zu gehen, sie geht dennoch nach Rheims; der feierliche Krönungszug wird auf der Bühne dargestellt; Johanna von Arc nimmt in dem Zuge die Ehrenstelle ein, aber ihre Schritte wanken, mit zitternden Händen trägt sie die heilige Oriflamme, und man sieht, daß der himmlische Geist von ihr gewichen ist.
Ehe sie in die Cathedrale tritt, bleibt sie stehen, und allein auf der Bühne. Hinter der Scene hört man die festliche Musik, die den Krönungsmarsch verkündet, und Johanna athmet ihre Gefühle in harmonische Klagen aus, während Flöten- und Hoboenklang die Lüfte erfüllt.
Die Waffen ruhn, des Krieges Stürme schweigen,
Auf blut'ge Schlachten folgt Gesang und Tanz,
Durch alle Straßen tönt der muntre Reigen,
Altar und Kirche prangt in Festes Glanz.
Und Pforten bauen sich aus grünen Zweigen,
Und um die Säule windet sich der Kranz,
Das weite Rheims faßt nicht die Zahl der Gäste,
Die wallend strömen zu dem Völkerfeste.
Und einer Freude Hochgefühl entbrennet,
Und ein Gedanke schlägt in jeder Brust,
Was sich noch jüngst in blut'gem Haß getrennet,
Das theilt entzückt die allgemeine Lust,
Wer nur zum Stamm der Franken sich bekennet,
Der ist des Namens stolzer sich bewußt,
Erneuert ist der Glanz der alten Krone,
Und Frankreich huldigt seinem Königssohne.
Doch mich, die all' dies Herrliche vollendet,
Mich rührt es nicht, das allgemeine Glück.
Mir ist das Herz verwandelt und gewendet,
Es flieht von dieser Festlichkeit zurück,
In's
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