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Ueber Deutschland

Titel: Ueber Deutschland Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Germaine de Staël
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Locke zieren.
    Dir blüht kein lieblich Kind an deiner Brust,
    Doch werd' ich dich mit kriegerischen Ehren,
    Vor allen Erdenfrauen dich verklären.
    Denn wenn im Kampf die Muthigsten verzagen,
    Wenn Frankreichs letztes Schicksal nun sich naht,
    Dann wirst du meine Oriflamme tragen
    Und wie die rasche Schnitterin die Saat,
    Den stolzen Ueberwinder niederschlagen,
    Umwälzen wirst du seines Glückes Rad,
    Errettung bringen Frankreichs Heldensöhnen,
    Und Rheims befrei'n und deinen König krönen!» 
Ein Zeichen hat der Himmel mir verheißen,
    Er sendet mir den Helm, er kommt von ihm,
    Mit Götterkraft berühret mich sein Eisen.
    Und mich durchflammt der Muth der Cherubim,
    Ins Kriegsgewühl hinein will es mich reißen,
    Es treibt mich fort mit Sturmes Ungestüm,
    Den Heldenruf hör' ich mächtig zu mir dringen,
    Das Schlachtroß steigt und die Trompeten klingen.

    Diese ersten Auftritte sind das Vorspiel zum Stücke, und vom Stücke unzertrennbar; der feierliche Entschluß der Jungfrau mußte handelnd dargestellt werden. Eine Erzählung würde die Bewegung des Impuls gehindert haben, der den Zuschauer mitten in die Stimmung versetzt, in welcher er seyn muß, um an die Wunder zu glauben, die sich ihm aufdringen werden.
    Das Stück folgt der Geschichte, Schritt vor Schritt, bis zum Krönungsfeste in Rheims. Der Character der Agnes Sorel ist mit Würde und Zartheit gezeichnet; er dient der Reinheit der Jungfrau zu Folie; denn alle Welttugenden müssen den religiösen weichen. Schiller hat einen dritten weiblichen Character in sein Stück gebracht, Isabeau von Baiern; er hätte besser gethan, ihn zu streichen; er ist zurückstoßend, der Contrast ist zu stark, die Züge zu grell, als daß er von guter Wirkung seyn könne. Johanna von Arc muß mit Agnes Sorel in Gegensatz gestellt, die himmlische Liebe der irrdischen entgegengesetzt werden; aber Haß und Verkehrtheit in einem Weibe darzustellen, ist der Kunst unwürdig und setzt sie herab.
    Wenn Shakespear Schillern den Stoff zum Auftritte gab, in welchem die Jungfrau den Herzog von Burgund zum Dauphin und zur Treupflicht zurückführt; so hat Schiller in der Ausführung sein Vorbild weit übertroffen. Johanna will im Gemüthe des Herzogs die Liebe zu Frankreich rege machen, die damals in allen edeln Bewohnern dieses schönen Landes so allmächtig war.
Was willst du thun Burgund? Wer ist der Feind,
    Den deine Blicke mordbegierig suchen?
    Der edle Prinz ist Frankreichs Sohn wie du,
    Der Tapfre ist dein Waffenfreund und Landsmann,
    Ich selbst bin deines Vaterlandes Tochter.
    Wir alle, die du zu vertilgen strebst,
    Gehören zu den Deinen – unsre Arme
    Sind aufgethan dich zu empfangen, unsre Knie
    Bereit dich zu verehren – unser Schwert
    Hat keine Spitze gegen dich. Ehrwürdig
    Ist uns das Antlitz, selbst im Feindeshelm,
    Das unsers Königs theure Züge trägt.

    Der Herzog will sein Ohr vor ihrer Redeschlinge verwahren. «Mich bethörst du nicht!» ruft er aus.
   Johanna fährt fort:
    Uns treibt nicht die gebieterische Noth
    Zu deinen Füßen, nicht als Flehende
    Erscheinen wir vor dir. – Blick' um dich her!
    In Asche liegt das engelländ'sche Lager,
    Und eure Todten decken das Gefild.
    Du hörst der Franken Kriegstrommete tönen,
    Gott hat entschieden, unser ist der Sieg.
    Des schönen Lorbeers frisch gebrochnen Zweig
    Sind wir bereit, mit unserm Freund zu theilen..
    – O komm herüber! Edler Flüchtling komm!
    Herüber, wo das Recht ist und der Sieg.
    Ich selbst, die Gottgesandte, reiche dir
    Die schwesterliche Hand. Ich will dich rettend
    Herüber ziehn auf unsre reine Seite! –
    Der Himmel ist für Frankreich. Seine Engel,
    Du siehst sie nicht, sie fechten für den König,
    Sie alle sind mit Lilien geschmückt,
    Lichtweiß wie diese Fahn' ist unsre Sache,
    Die reine Jungfrau ist ihr keusches Sinnbild.
   Burgund.
    Verstrickend ist der Lüge trüglich Wort,
    Doch ihre Rede ist wie eines Kindes, 
    Wenn böse Geister ihr die Worte leihn, ,
    So ahmen sie die Unschuld siegreich nach.
    Ich will nicht weiter hören. Zu den Waffen!
    Mein Ohr, ich fühl's, ist schwächer als mein Arm.
   Johanna.
    Du nennst mich eine Zauberin, giebst mir Künste
    Der Hölle Schuld – Ist Frieden stiften, Haß
    Versöhnen, ein Geschäft der Hölle? Kommt
    Die Eintracht aus dem ew'gen Pfuhl hervor?
    Was ist unschuldig, heilig, menschlich gut,
    Wenn es der Kampf nicht ist um's Vaterland?
    Seit wann ist die Natur so mit sich selbst
    Im Streite, daß der Himmel die gerechte

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